Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1874)
- Date
- 1874-09-22
- Page
- Seite 657 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gebildet. Wir entnehmen dies dem Magistratsbericht vom 4. b. Laut Anzeige der (circa KO Mann - zählenden). orthodoxen Minorität beim Magistrat Nürnberg haben diese einen Verein „Adaß Israel" zu dem Zwecke der Abhaltung des Gottesdienstes nach altem Ritus gegründet, wogegen der Magistrat eine Erinnerung nicht zu erheben hat. Selbstredend ist damit die orth. Minorität aus der Hauptgemeinde nicht ausgeschieden, indem die in Bayern maßgebenden gesetzlichen Vorschriften dies nicht gestatten, wie ja ihren Lesern aus der jüngst auch in Ihrer gesch. Zeitung veröffentlichten Entschließung der königl. Regierung zu Ansbach noch bekannt sein dürfte, die auf das bezügliche Gesuch der hiesigen Orthodoxie erging. Aachen, im Sept. (Privatm.) Der hiesige Gemeindevorstand hat vor Kurzem an die Stadtverwaltung das Ansuchen gestellt, die jüdische Elementarschule ganz als städtische zu übernehmen. Sie ist nicht darauf eingegangen, hat aber einen abermaligen Zuschuß aus städtischen Mitteln von 386 Thlrn. und zwar vom 1. Januar c. bewilligt, so daß die Stadt im Ganzen 646 Thlr. jährlich für die jüdische Schule zahlt, wodurch so ziemlich das ganze Schulbudget gedeckt wird. Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. September. . Officiös wird heute gemeldet, daß die Eingabe des Vereines „Schomer Israel"' an l)r. Glaser bereits einen Erfolg hatte. Der Bohemia wird nämlich geschrieben: „Der Justizminister hat den Beschwerden des Lemberger „Schomer Israel" dadurch zu entsprechen gewußt, daß er die Lemberger Statthalterei zur strengeren Ueberwachung der dort von einem Blatte betriebenen Judenhetze aufforderte. Schon in diesem speciellen Aufträge läge ein leiser Tadel gegen jenes Regierungsorgan, denn schließlich ist eine solche Ueberwachung eine durch seine Stellung gebotene Pflicht eines öffentlichen Funktionärs, und hat auch ohne besondere Aufforderung stattzufinden." Pest, 1l. Sept. Im „P. Lloyd" von heute lesen wir: Ein gewiffer Abraham Bär Cohn aus Szafed, angeblich „Oberrabbiner aus Palästina", hat es verstanden, sich von den höchsten Spitzen unserer Landes- und städtischen Behörden und auf Grund dieser auch von Organen der hiesigen israelitischen Gemeinde- und Landeskanzlei Empfehlungen zu verschaffen, auf welche gestützt er sowohl in der Hauptstadt als auch vermittelst gedruckter Circulare im ganzen Lande Sammlungen einleitete, angeblich zur Gründung israelitischer Schulen in Palästina- Sein Treiben erregte alsbald Verdacht; man zog genauere Erkundigungen ein, aus denen sich ergab, daß genannter Cohn in keiner Gemeinde Palästina's Rabbiner und von Niemandem bevollmächtigt sei, für genannten Zweck zu collectiren. Darauf hin sind dem Cohn sämmtliche Empfehlungen, die er sich hier zu. verschaffen gewußt, im Original abgenommen worden. Diese Nachricht möge Gemeinden und Privaten zur Warnung vor dem gewandte^ Jndustrieritter dienen, der, wiesich aus einem Rundschreiben des königl. preußischen Ministeriums, des Innern vom 10. Januar d. I. ergiebt, auch in Deutschland sein Unwesen getrieben hat. , Auö Ungarn, im Sept. (Privatm.) In jüngster Zeit sind mehrere vacant gewesene Rabbinate neu besetzt worden. An die Stelle des quiescirten Rabbiners Ehrlich wurde Herr Dr. Kohut aus Stuhlweißenburg nach Fünfkirchen berufen. .Dem Herrn vr. I. Cohn 6, früher Rabbiner in Fogaras, wurde das Rabbinat Vesprim-Devecser übertragen. Die Gemeinde Moor hat den Bezirksrabbiner Herrn P. Büchler gewählt. In Temesvar haben mehrere Candidaten Probepredigten gehalten, eine Wahl ist noch nicht getroffen. . - Prag, 10. Sept. (Privatm.) .Die diese Woche stattgefundene Reise des Kaisers Franz Joseph nach Böhmen und dessen glänzender Empfang in .unserer Stadt, welche den politischen Tagesblättern ein, wie es scheint gar nicht zu bewältigendes Material lieferten, bieten nicht einmal genügenden Stoff zu einer kurzen Correspondenz für ein jüdisches Blatt, das eben nur die bas Judenthum berührenden Ereignisse registrirt. und bespricht. Daß dem aber so. ist, kann uns nur mit Befriedigung erfüllen, weil dadurch ein augenscheinlicher Beweis geliefert wird, daß man sich sowohl oben als unten schon daran gewöhnt hat, da, wo.es sich um politische Angelegenheiten handelt, in uns. nicht Juden, sondern Staatsbürger zu erblicken,, welche in Nichts von allen andern Staatsbürgern sich unterscheiden. Wohl war auch die Hiesige israel. Gemeinde, als solche beim Empfange des Kaisers vertreten, — durch die Cultusrepräsentanz mit dem Rabbiner Prof. Adler an der Spitze — allein auch alle anderen Vereine hiesiger Stadt haben als geschlossene Körperschaften den Kaiser empfangen, ohne daß es Jemand einfiele, denselben aus dem Grunde das allgemeine staatsbürgerliche Bewußtsein abzusprechen. Der Präses der israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz, Herr Dr. Ludwig Tedescü, welcher zugleich Landtagsabgeordneter und Mitglied des. Landesausschusses ist, hatte in seiner letzten Eigenschaft die Ehre, der Führer des Kaisers bei der Besichtigung der neuen Landesgebäranstalt zu. sein. Auch wurde derselbe zur kaiserlichen. Hoftafel geladen. In welcher Eigenschaft ihm diese hohe Ehre zu Theil wurde, ist uns bisher unbekannt geblieben. 8t. — . Herr I)r. Stark Hierselbst ist von der Gemeinde Horazdowitz zum Rabbiner gewählt worden, und wird dem Rufe folgen. Lemberg, 29. August. In Folge der beim hiesigen Bürgermeistertage neuerdings aufgetauchten und mit der Behauptung angeblicher Uebergriffe der jüdischen Cultusgemeindeverwaltung schlecht maskirten Gelüste nach Einführung einer Judenordnung beschloß der Verein „Schomer Israel" in der letzten. Comitssitzung, die Frage der definitiven. Constituirung . dieser Cultusgemeinden in Angriff zu . nehmen und namentlich ein Musterstatut für kleinere Gemeinden auszuarbeiten, da unter den größeren, mehrere,