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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-22 · Heft 39 (22.9.1874) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 39 (22.9.1874)
Date
1874-09-22
Page
Seite 656 (sequence 6)
Language
German
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656 giebt sich auch sichtlich durch die große Zahl geschloffener Läden kund, welche man am Neujahrs- und vollends am VersöhnunZstäge sieht. In der Thät ist gegenwärtig hier ungefähr der dreißigste Mensch jüdischer Religion, während im gesammten Preußen nur der fünfundsiebzigste Jude ist. Keinenfalls wird manaber wieder auf die Errichtung einer so colossalen Synagoge, wie die neue große, in der Architektur wie Ornamentik prachtvolle Und wahrhaft erhebende in der Oranienburgerstraße ist, kommen. Denn obschon in derselben die Acüstik für Musik und Gesang eine sehr gute ist, verhält sie sich für den Redner äußerst nachtheilig. Auf den Damengrllerien bleibt jedes gesprochene Wort unverständlich, ünb in den Räumen für die Männer sind es nur die ersten Abtheilungen , die bequem Hören können. Der Redner strengt sich auf's Aeüßerste an, und muß dennoch darauf verzichten, daß, was ihm aus Geist und Herz strömt, von dem größern Theile seiner Zuhörer gehört, gefaßt- und verstanden werde. Bei der außerordentlichen Zahl der Besucher dieser Synagoge und dem gerügten Mangel ist es anerkennenswerth, welche Ordnung und Ruhe in derselben aufrecht erhalten wird. Breslau, 29. Aug. Um den Kundgebungen vorzubeugen, welche die Socialdemokraten am 31. d. M., dem Todestage Lassalle's, an dessen Grabstätte erfolgen lassen wollen, beschloß der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde, daß an jenem Tage nur kleine Gruppen zum Besuche des Kirchhofs zugelassen werden sollen und daß irgend welche öffentliche Ansprache am Grabe nicht zu gestatten sei. Breslau- 31. Aug. Zur Erinnerung an den Todestag Lassalle's wurde heute das Grab desselben auf dem jüd. Kirchhofe von den hiesigen Socialbemokraren mit Kränzen geschmückt. Aus etwa fünfzig Städten waren Kränze mit Widmungen eingesandt, die am Grabe niedergelegt wurden. In Folge polizeilicher Anordnungen wurden nur Gruppen,von je sechs Personen der Zutritt zum Kirchhofe gestattet und haben weitere Kundgebungen am Grabe nicht stattgefunden. Heute Abend wird eine Todtenfeier im Schießgaxten abgehalten werden, bei der Hasenclever eine Rede zum Gedächtnisse Lassalle's halten wird. Breslau, 31. Aug. Am heutigen zehnjährigen Todestage Ferdinand Lassalle's hatte die socialdemokratische Arbeiterpartei eine Ovation vorbereitet, um das Andenken ihres Stifters zu ehren. Sowohl die hiesige Polizeibehörde, als auch die hiesige israelitische Gemeinde als Besitzerin des Friedhofs hatte Sorge getragen, daß die geweihten Räume des Begräbnißptatzes nicht zu einer demonstrativen Arbeiterversammlung benutzt würden. Von Seiten der Synagogengemeinden waren daher Vorsichtsmaßregeln getroffen, daß nur immer je 6 und 6 Mann nacheinander der Eintritt in den Kirchhof gestaltet wurde. Nachdem in den Vormittagsstunden wie alljährlich Herr Rabbiner Dr. Joel in Gemeinschaft eines Sängerchors nach rituellen Vorschriften ein Gebet abgehalten hatte, erhielten Nachmittags einzelne Deputationen von Arbeitervereinen Zutritt zum Friedhose, welche zahllose Kränze auf das Grab Laffalle's niederlegten. Auf dem Friedhofe waren außerdem noch eine Menge Menschen anwesend, welche der hiesigen Judengemeinde angehörten und mit der erwähnten Ovation nichts zu thun hatten. Die Polizeimannschaften waren in hinreichender Stärke vorhanden, um einer etwaigen Demonstration mit Entschiedenheit' entgegentreten zu können. Die ganze Feierlichkeit verlief jedoch in ruhigster und gemessenster Weise. (Wir haben diese Nachrichten mitgetheilt, um den bekannten Insinuationen unserer Gegner, als ob Lassalle ein unmittelbares Product des Judenthums und von dessen innerstem Marke genährt sei, die Spitze abzubrechen, obgleich für Jeden, welcher das Judenthum und das System Lassalle's kennt, eine wirkliche Gemeinschaft beider nicht besieht. Laffalle ist eine eigenthümliche, einer gewissen Großartigkeit nicht entbehrende Erscheinung, deren Träger zufällig dem jüdischen Stamme entsprungen ist, und zwar objectiv auch ein Zeugniß von der, diesem Stamme noch immer einwohnenden Lebenskraft giebt, ohne daß er seinen eigenartigen mütterlichen Boden im Judenthume selbst besaß. .' Die Redaction.) Schwemfurt, 5. Sept. (Schw. Anz.) Die Einweihung der neuerbauten Synagoge in Schweinfurt 'fand gestern Nachmittag von 41I‘> Uhr an statt, und zwar genau nach dem ausgegebenen Programm. Zur Feierlichkeit waren erschienen: die städtischen Collegien, Vertreter des königl. Bezirksamts, das kgl. Stuöienrectorat, die Geistlichen beider christlichen Confessionen und eine große Anzahl hiesiger Einwohner und wurden von der israelitischen Gemeinde auf das Zuvorkommendste -empfangen. Die Einweihungsfeierlichkeit fand in erhebender, sehr würdiger Weise statt. Es wechselten Chorgesänge mit Gesang des Vorsängers, und gab die Orgelbegleitung den Gesängen eine ganz besondere Weihe. Die Festpredigt wurde von Herrn Districtsrabbiner Lebrecht gehalten und sich über den ihr zu Grund gelegten Text (l Kön. 8, 56—58) in sehr passendem allgemein ansprechendem und gründlichem Vortrage verbreitet. Nach dem Einweihungsgottesdienst folgte der erste Gottesdienst zum Eingang des Sabbaths. Die Synagoge ist sehr hübsch und geschmackvoll gebaut, es ist alles Ueberflüssige daran und darin in Bau und Ausstattung vermieden und doch bei' aller Einfachheit harmonisch und den Gesetzen der Aesthetik entsprechend. Auch diese Synagoge ist mit einem schönen Orgelwerke versehen. Es ist in hiesiger Stadt wieder ein neues Gotteshaus erstanden, das als ein Zeichen der Duldung und der brüderlichen Nächstenliebe gelten kann. Mögen die Worte des Herrn Rabbiner auch in den weitesten Kreisen bekannt und befolgt werden, möge der Geist der Gerechtigkeit und der Liebe, der Duldung und des Friedens bei allen Menschen, gleichviel welcher Religion, einkehren und Früchte tragen. ' Fürth, 8. September. (Privarmitth.) Auch: in dem benachbarten Nürnberg hat sich ein separirter, orthodoxer Verein

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