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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-22 · Heft 39 (22.9.1874) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 39 (22.9.1874)
Date
1874-09-22
Page
Seite 652 (sequence 2)
Language
German
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652 V p r -ff— der einschneidenden nationalen Ausschließlichkeit der Czechen und Pblen, bei dem Mangel an allem allgemeinen Rechtsgefühle, das aus denselben vor der Despotie des Nationalgefühls geschwunden ist,, haben die Juden von der Herrschaft'jener nur da§ Schlimmste zu erwarten; sie stellt ihnen -in Aussicht, bei ihrem Siege nicht blos die bürgerliche Gleichstellung wieder zu verlieren, sondern unterdrückt und verfolgt, wenn nicht ganz und gar verbannt zu werden. Daß also.die Juden ganz von selbst zur Treue gegen den Gesammtstaat, zur Festhaltung der bestehenden Verfassung gewiesen sind, ist einsichtlich. Je näher aber dieses liegt, desto feindseliger werden die Polen und Czechen gegen die Juden. Es giebt noch ein zweites Moment, welches hierbei eine, wenn auch nur sekundäre Rolle spielt; dies ist, daß die Juden jener . Länder ursprünglich aus Deutschland eingewandert sind und bei der Ausschließung, die sie erfuhren, die deutsche Sprache als Muttersprache bewahrt haben. Wie sehen jetzt z. B. in Ungarn die Juden dieses Element aufgeben; ihre Jugeno spricht magyarisch und erlernt das Deutsche nur noch schulgemäß. Den Polen und Czechen jedoch gegenüber ist auch dieses Moment von Wichtigkeit, und sie zählen die Juden umsomehr den verhaßten Deutschen zu. Die beiden genannten Nationalitäten sind gegenwärtig die Vorkämpfer im Nationalitätenstreite. Wie bald dieser aber auch wieder an anderen Stellen aufflammen kann, ist augewblicklich nicht abzusehen. Sö sind die Juden in diesen schweren und länge noch nicht beendeten Kampf hineingezogen, sind es als besondere! und bestimmte Körperschaft und haben darunter schwer zu leiden. Sie können sich.in diesen Ländern, noch nicht als der Volksgemeinschaft amalgamirt ansehen, und es sind'ihnen große und leidenschaftliche Stürme nicht erspart. Ein ähnliches Verhältniß findet in Bezug auf den entbrannten Kirchenkamps statt. Die Sache hat hier zwei Seiten. Der Ultramontanismus, der jetzt die ganze katholische Kirche beherrscht, hat in dem von ihm erlassenen Manifeste, dem bekannten Syllabus, die Gleichstellung der Culte und die bürgerliche Gleichberechtigung der Bekenner der verschiedenen Religionen als Teufelswerk verdammt Aber auch, ohne diese Kundgebung wüßten wir, daß der entschiedene Sieg des Ultramontanismus die Beseitigung unsrer Gleichberechtigung enthalten, würde. Hat dies nun in protestantischen Staaten nichts zu sagen, so. würde es doch in Staaten von vorwiegend katholischer Bevölkerung, wie Oesterreich, Italien u. s. w., von großen Folgen sein. Auch hier also bringt es die Natur der Dinge mit sich, daß die Juden, von selbst Gegner, der ultramontanen Herrschaft sein müssen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch jene provocirt. Jndeß diese Gefahr ist nach den bestehenden Verhältnissen doch nur eine präsumtive, eine zukünftige, deren Verwirklichung augenblicklich nicht abzusehen ist, und die Juden als solche würden sich zu einer energischen Abwehrgegenwärtig nicht gedrungen fühlen. Sie werden nur eben -individuell als Glieder des Staates an der ganzen Bewegung theilnehmen, und darum - doch nur als der tr-x-, < : v geringfügige Bruchtheil, den sie ausmachen. Aber die Ultramontanen sind weiter gegangen; aus gewissen Motiven Heraus haben sie einen lauten Schlachtruf gegen die., Juden angestimmt; alle ihre Organe, auf der Kanzel/ wie an der Presse durch immerwährende Zeitungsartikel, durch Broschüren und Bücher, stürmen auf die Juden ein, verhetzen das Volk gegen sie, stellen sie als die eigentlichen Gegner, als die Urheber und Träger des ganzen Kampfes gegen die Kirche dar und fingiren die gesummte Judenheit als eine Verschwörung gegen das Christenthum. Das »Motiv liegt klar. Ihre Führer wissen so gut wie wir, daß die Juden ganz schuldlos sind, und daß sie durchaus keinen irgend beträchtlichen Einfluß im Kampfe gegen die ultramontane Herrschaft üben. Aber sie wollen diesen Kampf dem Volke als einen antichristlichen insinuiren, der auf die Ausrottung des Christenthums es abgesehen habe, und da ihre Gegner doch immerhin Christen sind,-so stellen sie den Kamps, als von den Juden ausgegangen und getragen und ihre Gegner als von , den Juden beherrscht und geleitet dar. So fachen sie den alten Judenhaß mit aller Macht wieder an, um unter dieser Firma ihre gesummten Gegner zu schmähen, verächtlich und verhaßt zu machen. Dies ist das Manöver der Uttramontanen, und so sind die Juden auch in diesen gewaltigen Kampf ohne ihren Willen hineingestürzt worden. Während also die Bekenner des JudenthumS in christlicher Weise darnach'streben, den: Staaten und Nationen durch eine gleichgeartete Cultur, durch treue Erfüllung ihrer Pflichten und Wahrung ihrer Rechte als Bürger anzugehören, und nur in ihrer religiösen Ueberzeugung und in der Uebung ihres Cultus als Juden zu bestehen, werden sie immer wieder hier durch den Streit der Nationalitäten mit dem Staate , dort durch den Kampf der katholischen Kirche gegen den Staat, aus der Gefammtheit ausgeschieden, als gesonderte Körperschaften mit eigenthümlichen Interessen hingestellt und befeindet.. Dies ist die Stellung, welche ihnen in den Ländern, wo diese Kämpfe stattfindeu, aufgezwungen worden, und die.ihnen neue Schwierigkeiten und neue Gefahren bereitet. Die Sachlage ist geschichtlich erklärbar. Aber gerade darin liegt für uns das Werk der Vorsehung, das, unabhängig von dem Willen der Menschen, „Frieden und Kampf schafft", und einen Jeden, dahin stellt, wo er etwas bedeuten und wirken soll. . ... Der religiöse Gedanke. Zu den hohen Festtagen. I. - . Die von unserer Religion seit uralter Zeit geheiligten Feste, welche wir jetzt abermals begehen, sind es,, die alle Israeliten mitten , aus. dem Getreibe des bürgerlichen Lebens in die stille erhabene Stätte der Religion , führen-. und retten. ' Es ist /mit einem. Worte der -: religiöse Gedanke, der. - miteinem Male im

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