Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1874)
- Date
- 1874-09-15
- Page
- Seite 644 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sabbäthianer- Dörfer in Siebenbürgen in kurzem dem Juden-. thrmre angehören werden. Die Sabbathianer sind sämmtlich Länvwirthe - undsehrT arbeitsam und mäßig. Der Handel ist ihnen ganz' fremd und auch Handwerke betreiben sie nur selten und ungern. - RÜina, 21' August. lPrivatmitth.) Gestern wurde hier unter allgemeiner Betheiligung in solenner Weise der neuerbaute israelitische -Tempel eingeweiht. Derselbe verdankt seine Entstehung der Munificenz des Herrn Grafen Adolf Pejacsevics, welcher mit seinem Bater, dem königl. kroatisch-slavonifchen Minister Grafen Peter Pejacsevics — der zwei Tage vorher hier seine goldene Hochzeit feierte — der Einweihung beiwohnte. Der Oberrabbiner von Shrmien, Herr David Löwy aus Vukovar, und Herr Rabbiner Deutsch aus Palanka hielten die Festreden, die sich ungetheilten Beifalls zu erfreuen hatten. Pest, 30. August. (Privatmitth.) Die Vorstände der vereinigten Israel. Cültusgemeinden Pest, Ofen und Altofen haben beim Ministerium uno gleichzeitig auch beim Stadtmagistrate die Bitte gestellt, es solle nur denjenigen Fleischhauern das Ausschroten und Verkaufen von sogenanntem Koscherfleisch gestattet sein, welche hierzu — nachdem dies zu den rituellen Angelegenheiten gehört — von der Cultusgemeinde autorisirt und als Schächter bestellt sind. Allen andern Fleischhauern soll aber der Verkauf von Koscherfleisch verboten werden. Das Ministerium | « it t f Einige Lebenserfahrnngen. I. An einem jener herrlichen Juliabende, an welchen der diesjährige Sommer so reich war, saßen in einer dichtumwachsenen Laube einige Personen zu gemüthlicher Unterhaltung zusammen. Die Schwüle des heißen Tages hatte sich bereits ein wenig abgekühlt, da dem Untergange der Sonne, der sich eben vollzog, ein nicht starker, aber erfrischender Abendwind als angenehmer Begleiter 'zugesellt hatte. Die goldenen Lichter des hellstrahlenden Tagesgestirns glitzerten durch das Laub, und die Fenster einer etwes entfernten Häuserreihe glänzten wie zerschmolzenes Metall. Denn an dem azurblauen Himmel senkte sich die Sonne, von keinem Gewölk verdeckt oder umgeben, nur in ihr eigenes Licht gehüllt, wie ein Gottesheld, der nach leuchtender Lebensbahn, ohne irdischen Schmuck uNo Pomp, ohne anderen Glanz als die eigene Würde und Kraft hinter dem'Schauplatze seiner Thaten langsam und noch -immer Segen verbreitend, verschwindet. Die Personen an dem freundlichen Plätzchen, theils, Männer, theils Frauen, gehörten dem reiferen Alter an, und schienen theils verwandt, theils herzlich befreundet mit einander zu sein. Die Bewirthung bestand in einigen Gläsern frischen, schäumenden Bieres und für die Herren in feinduftenden Cigarren./ Die Unterhaltung hatte wohl einige Augenblicke -gestockt, da die Aufhat diese Eingabe dem Magistrat zur Erledigung im eigenen Wirkungskreise^ herabgesendet, und der Magistrat hat dem Gesuche keine Folge gegeben, nachdem die Petenten sich aufkeinen concreten Fall berufen und die Sache eigentlich zur Competenz der Bezirksämter gehört, welche als Gewerbebehörven erster Instanz fungiren. Der Magistrat sieht in der Sache sowohl vom gewerblichen als rituellen Standpunkt ab und die vielbesprochene Angelegenheit bleibt nach wie vor im alten Stadium. Jüngst wurde hier eine größere Partie eines Handelsartikels verkauft, dessen reeller Werth höchstens wenige Kreuzer beträgt. Die Waare selbst war in verschlossene Kisten gepackt, und mußte ungesehen und ohne irgend welche Garantie von Seite der Verkäufer gekauft werden. Die Käufer wieder, welche eine beinahe werthlose Waare unter solchen Umständen kauften, waren polnische Juden, also eine Species von Menschen, denen man gerade eine übergroße Leichtfertigkeit im Abschlüsse von Geschäften, bei welchen es sich, um baares Geld handelt, nicht beilegt. Und doch erlegten diese guten Juden am oben bezeichneten Tage in legal kursirenden Geldsorten die Summe von 85,000 Gulden öftevr. Währung baar und erhielten dafür eine Anzahl vernagelter Kisten, in welchen sich nach Angabe der Verkäufer 20,000 Stück Cedern (Esrogim) befanden. Das Stück kostete also im Durchschnitt 4 fl. 20 kr. l et oi merksamkeit auf die untergehende Sonne gerichtet war, auf das Lichtmeer am klaren Himmelsgewölbe, auf die Schatten, die sich immer, weiter über die Erde breiteten. „So Lüt," hob eine ältliche ernste Dame an, „wie heute der Sonne, geht es nicht vielen Menschen, daß sie nach wohlvollbrachter glücklicher Laufbahn ruhig und strahlend in den Schooß der Nacht sinken, in das überirdische, verdeckte Reich hinübergehen! Wie oft werden sie mitten in ihrer Bahn, oder selbst noch im ersten Viertel derselben von dannen gerissen und weit hingeschleudert, oder von dunklem Gewölk bedeckt, aus welchem sie sich niemals wieder herausarbeiten können. Es ist seltsam, wenn man eine ziemliche Anzahl Menschen kennengelernt, und von deren Schicksal erfahren hat, wie Wenigen eine gerade und regelmäßige Straße zu wandeln vergönnt ist, und zwar gerade denen nicht, welchen bedeutendere Kräfte .einwohnen, die sie auf's Nützlichste verwenden könnten, wenn sie sie nicht an unerwarteten und-unberechtigtewHinderuissen verschwenden müßten .. „Du hast Recht, Tante," fügte ein etwas jüngerer Mann hinzu. „Mir. kommt es öfters .vor, als ob mit den Kräften der - Menschen , eine ähnliche, soll ich sagen, Vergeudung der Kraftfülle geschieht, wie mit dem Blüthenreichthum der Bäume, der diese im Frühling mit unzähligen Blüthen bedeckt und meist doch nur eine geringe Anzahl Früchte zur Reife bringt