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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-15 · Heft 38 (15.9.1874) · p. Seite 643

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 38 (15.9.1874)
Date
1874-09-15
Page
Seite 643 (sequence 9)
Language
German
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§43 standes des Central-Friedhofes überhaupt. Die Cultusgemeinde hat die zweckdienlichen Bauten aus ihrem Säckel zu bestreiten; jedoch ist zu beachten, daß sowohl bei den Bauten, als auch bei der Eintheilung der Gräber die Einheit der Anlage des Central- Friedhofes gewahrt wird. Der Cultusgemeinde bleibt die Selbstverwaltung ihres Friedhoftheiles, die Eintheilung und Bemessung der Gräberstellen im Preise überlassen, und wird zwischen beiden Theilen, Commune und Cultusgemeinde, ein rechtsgiltiger Vertrag errichtet werden. —, Der Director des Allgemeinen Oesterreichischen Israelitischen Taubstummen-Institutes, kaiserlicher Nath I. Deutsch, versendet eben den Jahresbericht dieses Institutes für r 1873/74, aus welchem wir die erfreuliche Thatsache hervorheben, daß die Anstalt stetig prosperirt. Herr Rath Deutsch beschränkt übrigens seine Wirksamkeit durchaus nicht auf seine confessionelle Anstalt- Die Einleitung seines Rechenschaftsberichtes erweist seine Fürsorge für die allgemeine Verbreitung eines rationellen Taubstummenunterrichtes. Am Schluffe seiner Auseinandersetzungen erbietet sich Herr Director Deutsch dazu, nach wie vor einen eigenen Cursus für Lehrer, welche sich mit diesem Zweige des Schulwesens bekannt machen wollen, offen zu halten und mit seinen Rathschlägen etwa entstehenden Taubstummen-Anstalten zur Seite zu stehen. Brody, 2 5. .August. Die „N. fr. Pr." enthält von hier einen Artikel, der die Lage der Dinge in Brody zu sehr charakterisirt, als daß wir ihn hier nicht wiedergeben müßten. Er lautet: ' . Die Anstrengungen des hiesigen k. k. Bezirkshauptmannes, den einzigen reichs- und verfassungstreuen Winkel Galiziens zu polonistren, scheinen leider mit Erfolg gekrönt zu werden. Das Resultat der heute stattgefundenen Ergänzungswahl zum galizischen Landtage giebt davon wenigstens einen sehr schlagenden" Beweis, indem es zugleich eine markirte Charakteristik unserer politischen Zustäde liefert. Der aus der Wahlurne siegreich hervorgegangene Candidat ist Herr Dr. Philipp Zucker, ein Ultra- Pole, der im.Jahre 1883 wegen Theilnahme an dem Aufstande lange Zeit inhaftirt war und durch die Gnade des Kaisers amnestirt und rehabilitirt wurde. Der erlegene Gegencandidat ist der frühere Bezirkshauptmann Julius Schumann, jetzt in Zaleszczyk, ein wahrhaft verfaffungtreuer Beamter, wie wir sie leider in nur sehr geringer Zahl in Galizien haben. Ist es schon auffallend genug, daß Brody einen ausgesprochenen Verfaffungsgegner zum Vertreter wählte, so muß noch der Umstand, daß sämmtliche christlichen Wähler für den jüdischen Polen; und sämmtliche unabhängige Juden für den christlichen Verfassungstreuen eingetreten sind, geradezu in Erstaunen fetzen. Letzterer hätte auch bei der großen Mehrheit der jüdischen Wähler bestimmt die Majorität für sich gehabt, wenn nicht das Gros der verfassungstreuen Wählerschaft durch den israelitischen Cultusvorstand mit der. Befürchtung zurückgeschreckt worden wäre, man werde durch Erzielung der Wahldes Herrn Schumann noch mehr den Zorn des jetztigen Herrn Bezirkshauptmannes erregen, der sich dafür bei der nächsten Rekrutirung und sonstiger Gelegenheit an der jüdischen Bevölkerung zu rächen wissen wird. Viele jüdische Wähler ließen sich durch diese Vorstellung ihrer Cultusbehörde znr Stimmabgabe für Dr. Zucker bewegen, während der weitaus größere Theil sich ganz der Stimmabgabe enthielt, und so stimmten nur die wenigen Juden, die unabhängig genug sind, um sich nicht einschüchtern zu lassen, im-wahren Sinne der Majorität der hiesigen Wählerschaft für den einzigen verfassungstreuen Candidaten, so daß die Stadt Brody durch ihren Vertreter den Lemberger Landtag um einen heißspornigen Nationalen vermehrte. Es ist sehr zu befürchten, daß Brody durch diesen Act großer politischer Unklugheit viel und nachhaltig zu leiden haben wird, und der hiesige israelitische Cultusvorstanv dürfte es bald einsehen, wie schwer er sich gegen die jüdischen Intereffen vergangen hat. Es bleibt nur die einzige Hoffnung, daß Herr Ur. Zucker bei all seiner Schwärmerei für die nationale Sache es doch mit der Ehrlichkeit feines Charakters unverträglich finden wird, eine Stadt zu vertreten, deren Ansichten, wie er selbst überzeugt ist, der großen Mehrheit nach-seinen Bestrebungen ganz entgegenlaufen, und die auf ihn gefallene Wahl ablehnen wird. Wer kommt dann an die Reihe? Diese Frage möge sich der löbliche Cultusvorstand beantworten. Czernowitz, 26. August. Von hier wird berichtet. Unsere Landsmännin, Fräulein Rosa Rubinstein, wurde am 8. d. an der Universität Leipzig zum Doctor der Philosophie promovirt. Fräulein Rubinstein ist die Tochter des Handelskammer-Vicepräsidenten und Reichsrathsabgeordneten Isaak Rubinstein. Dieselbe hat mehrere Semester hindurch an der. Universität Prag als außerordentliche Hörerin ihre philosophischen Studien betrieben, welche sie sodann an der Universität Leipzig fortsetzte und mit Erlangung des Doctorhutes beschloß. Die nunmehrige Doctorin Rubinstein hat vor etwa zwei Jahren hier in ihrer Vaterstadt populär - wissenschaftliche Vorträge zu wohlthätigen Zwecken gehalten, wobei sie eine sehr gründliche wissenschaftliche Bildung an den Tag legte. Temeövar, 1. September. Die „Temesv. Ztg." von heute meldet: Seit gestern weilt eine Deputation jener eigenthümlichen religiösen Sekte hier, die sich Sabbathianer nennt und nur in Siebenbürgen zu finden ist. Der Zweck ihres hiesigen Aufenthaltes ist ein ganz eigenthümlicher. Ihre aus 34 . Familien bestehende Gemeinde in Ujfalu, Udvarhelyer Stuhl, beabsichtigt nämlich zum Judenthume überzutreten und sammelt, mit Empfehlungsbriefen mehrerer Rabbiner versehen, milde Beittäge zur Anschaffung von mosaischen Gesetzrollen und sonstigen Tempelgeräthschaften, zu welchem Zwecke ihnen auch von Nichtjuden reichliche Spenden zufließen. Wie die interessanten Gäste versichern, bereitet sich unter der ganzen Sekte ein Umschwung vor, so, daß es höchst wahrscheinlich ist, daß sämmtliche

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