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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-15 · Heft 38 (15.9.1874) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 38 (15.9.1874)
Date
1874-09-15
Page
Seite 642 (sequence 8)
Language
German
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ist falscher als dies. Sie . hängen nur föderativ zusammen, und zu einheitlicher Regierung fehlt so viel, daß es bisher nicht einmal gelungen ist, die Logen Deutschlands unter einen Hut zu bringen. Hier in Berlin bestehen mehrere Logen und bei einer wichtigen Streitfrage haben sie noch ganz kürzlich sehr verschieden beschlossen; denn während die eine Loge die Frage, ob Juden zugelassen werden sollen, bejahte, hat die andere Loge dieselbe verneint, beiläufig bemerkt, deshalb verneint, weil Juden, insofern sie aufrichtige Bekenner des Mosaismus seien, nicht zugleich von der christlichen Idee der Gotteskindschaft aller Menschen und somit der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen durchdrungen sein könnten. Wir brauchen wohl an dieser Stelle die Unrichtigkeit dieser Behauptung nicht zu widerlegen. Vom Judenthume ist die Lehre von der Einheit des Menschengeschlechtes und das Gesetz der allgemeinen Nächstenliebe aüsgegangen. Die theologisirenden christlichen Freimaurer in Berlin haben dies wohl vergessen oder wollen es vergessen. Redaction.) —. In der hiesigen jüdischen Gemeinde ist. eine lebhafte Agitation ausgebrochen, welche dahin gerichtet ist, daß die zur Zeit der höchsten Festtage, des Neujahrs- und Versöhnungstages, von verschiedenen Personen aus speculativen Motiven veranstalteten gottesdienstlichen Feierlichkeiten ferner nicht mehr oder doch nur auf specielle Veranlassung und unter Controle des Gemeindevorstandes in geeigneter Weise stattfinden dürfen. (Wie wünschenswerth der gute Erfolg dieser Maßnahme wäre, braucht nicht gesagt zu werden; es wäre.nur fraglich, ob nach Maßnahme der gesetzlichen Bestimmungen sie zu erreichen sein wird.) —. Die kleine Partei für die Lasker'sche Resolution ist sehr rührig, während die große Masse der Juden gegen dieselbe sich nicht von der Stelle regt. Die Zeitungen werden mit Artikeln zu Gunsten jener gefüllt, um die öffentliche Meinung zu machen, aber die Freunde einer geregelten Gemeindeverfasiung schweigen. Diese Lässigkeit einer so großen Zahl unmittelbar dabei Betheiligter wird sich genügend bestrafen! So schreibt die „Voss. Ztg.": „Der nunmehr in dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten fertig gestellte Gesetzentwurf über die Verwaltung des Stifts- und Kirchenvermögens wird auch nicht ohne Einfluß auf das Vermögen jüdischer Religionsgesellschaften sein und somit die endliche gesetzliche Erledigung der jüdischen Kirchenangelegenheilen zur Folge haben. Die Staatsregierung hat von Oberpräsidenten und Bezirksregierungen bereits Gutachten eingezogen, und es läßt sich nach der, von dem Hause der Abgeordneten in der jüngsten Session fast einstimmig gefaßten Resolution erwarten, daß die kirchlichen Angelegenheiten der Israeliten im Sinne der vollsten Selbstständigkeit, unter Befreiung von dem längst nicht mehr recht zulässigen B e i t r a g s z w an g geregelt sein werden und ihnen der Austritt aus der Shnagogengemeinde gestattet werde, ohne daß sie, wie jetzt noch; genöthigt sind, in diesem Falle Dissidenten werden zu müssen." —- Jedermann sieht leicht, daß der Schreiber des Obigen gar nichts von der momentanen Lage der Sache weifteaber es soll ein Art. mehr geschrieben werden, die öffentliche Meinung zu verblenden, und so geschieht es. Schrimm, im September. (Privatmitth.) Hier bestehen seit ca. 8 Jahren m der jüdischen Gemeinde solche Wirren, daß diese eine Trennung der Gemeindemitglieder zur Folge hatten. Um eine Einigung herbeizuführen, wurde zu ver am 1!. August anberaumten' Wahl von fünf Repräsentanten und drei Stellvertreten alles Mögliche .im Voraus besprochen, agitirt, auch diverse Concessionen gemacht, und zwar mit solchem Erfolge, daß die eine Partei, die sogenannte Cultuspartei, über eine bedeutende Majorität zu verfügen hatte. Als nun im Magistratssaale zur Wahl geschritten und die Versammlung bereits durch den Wahlcommissarius als eröffnet bezeichnet würde, trat der Corporationsvorsteher, Kaufmann Boas Becher, vor und protestirte gegen eine Wahl von fünf Repräsentanten, indem als Fünfter sein Stellvertreter gelten könne. Trotzdem vom Vorstande selbst eine Wahl von fünf Repräsentanten ausgeschrieben worden war, wurde dieser Protest doch angenommen, um endlich zur Wahl schreiten zu können. Der erste Candidat wurde einstimmig gewählt; die Ruhe blieb ungestört. Bei der Wahl des zweiten Candidaten aber war, wie vorauszusehen , die Stimmenmehrheit auf Seiten der Cultuspartei. Jetzt ging der Skandal los. Das Mitglied der alten Partei, Kaufmann Schachno, gab durch den Ruf: „Ich protestire gegen die Wahl! Es sind offene Stimmzettel abgegeben worden!" das Signal zum allgemeinen Tumult seiner Partei, der Minorität,. Die Cultuspartei dagegen befleißigte sich der größten Ruhe und Gelassenheit, um ihrerseits keinen Anlaß zur Störung zu geben. Die andere Partei dagegen bot Alles auf, um zu bewirken, daß die Wahlversammlung aufgelöst werde, und fingirte unter sich einen Streit, wobei sich die Mitglieder gegenseitig zum Scheine mit Händen und Füßen stießen, an den Kragen packten, hin und her zerrten und ein solches Zetergeschrei erhoben, daß dadurch Haufen Neugieriger in die Rathhausflur gelockt wurden. Der Wahlcommissarius sah sich demnach veranlaßt, die Versammlung aufzulösen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. August. Hinsichtlich des neuen Central-Friedhofes wird von hier berichtet. Mit den Vertretern der israelitischen Cultüsgemeinde wurde bezüglich der Zuweisung und Benützung des entsprechenden Friedhofsraumes bereits eine Vereinbarung getroffen, dahin gehend, daß der israelitischen Cultusgememde der von derselben gewünschte Theil bes Eentral-Friedhofes nächst Simmering um den Preis überlasten wird, welchen die Commune dafür bezahlt hat, und auf die Dauer des Be-

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