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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-08 · Heft 37 (8.9.1874) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 37 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 628 (sequence 10)
Language
German
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die Entfernung des jungen Menschen der ganzen verdrießlichen Sache überhoben zu sein. In Belgien lernte Mortara (Sohngründlich Französisch, vollendete seine Studien und trat kürzlich in den Augustiner-Orden. Seine erste Predigt hat großen Beifall gefunden, und aus Anlaß derselben richtete er einen Brief an Pius IX., worin er diesem seine Dankbarkeit anssprach, was den Papst ganz außerordentlich gefreut haben soll. Rußland. Petersburg, im August. Herr Di*, H. L. Strack aus Berlin, welcher in Petersburg den wichtigsten hebräischen Codex im Aufträge der dortigen Regierung in photographisch-lithographischen Copieen herausgiebt, hat wieder zwei neue ehrenvolle Aufträge von der russischen Regierung erhalten. Zunächst soll er einen wissenschaftlichen Katalog von der hebräischen Manuscriptensammlung der kaiserlichen Bibliothek in Petersburg anfertigen, wobei ihm der russische Gelehrte D. Harkavy zur Seite stehen wird. Dann reist er mit demselben im Aufträge der Regierung nach der Krim, um die zahlreichen Manuscripte des kürzlich dort verstorbenen Sammlers Firkowitsch— aus hebräischen, sa- J e u i f Noch einmal Shylok. Wer von unseren Lesern den von uns verfaßten historischen Roman „Jakob Tirado" gelesen hat, erinnert sich vielleicht, wie wir daselbst (Seite 284 ff.) den „Shylok" vor der Königin Elisabeth aufführen lassen, und bei dieser Gelegenheit den vom sittlichen Standpunkte völlig verwerflichen Inhalt dieses Stückes . schilderten, der auf die Heldin unseres Romanes gerade den entgegengesetzten Eindruck machte, als die Königin beabsichtigte und erwartete. Ganz abgesehen davon, daß in unserer Zeitung wiederholt nachgewiesen worden, wie Shakespeare aus dem ihm vorliegenden historischen Stoffe die Rollen geradezu vertauscht hat, da in dem wirklichen Vorgänge unter dem Papste Sixtus V. es ein Jude war, dem das Pfund Fleisch ausgeschnitten werden sollte, und ein christlicher Kaufmann, der auf seinen „Schein" bestand, weshalb der strenge, aber gerechte Papst beide bestrafte, wenn' auch den Juden gelinder, weil dieser eine solche, sein Leben gefährdende BIdinguug eingegangen — ganz abgesehen hiervon zeigten wir doch , daß das Stück das Produkt des leidenschaftlichsten Judenhasses sei, auf einen solchen bei dem Publicum rechne, und von dieser Leidenschaft zum Tummelplatz der unsittlichsten Handlungen gemacht sei. Wir freuen uns, dieses Urtheil jetzt durch ,zwei unparteiische christliche Autoren bestätigt zu sehen, und wollen an dieser Stelle Akt davon nehmen. .Der bekannte, im vorigen Jahre verstorbene Bühnendichter Rod eriich nedix hat .eine Schrift Hintersassen: „Die maritanischen und anderen orientalischen Schriften bestehend — auf ihre Echtheit zu untersuchen, da man Grund zu der Annahme hat, daß sich in dieser, der Regierung für eine Million Rubel angetragenen Sammlung viel Gefälschtes befindet. Ueber den hier erwähnten bekannten A. Firkowitsch bringt ein hiesiges Blatt die Notiz, daß er am 27. Mai im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Er wohnte in Tschufut- Kalä in der Krim, nahm die den karaitischen Gelehrten besuchenden Reisenden freundlich auf und zeigte ihnen bereitwillig feine reichhaltige Sammlung von Manuscripten und seltenen Büchern. Er hatte diese in Kairo, Damaskus, Derbent in Egypten, Palästina und Polen gesammelt, und literarische Schatze seltener Art zusammengebracht. Bekanntlich hat er schon einen Theil derselben an die russische Negierung nach Petersburg verkauft, wo sie auch schon von Neubauer in seiner bekannten, vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur herausgegebenen Schrift benutzt worden. Einen noch viel reichhaltigeren Theil hielt er aber zurück, und um dessen Erwerbung für die kaiserliche Bibliothek, die hierdurch für diesen Zweig einzig in ihrer Art würde, handelt es sich jetzt. Tel o n. Shakespearomanie", welche bei Cotta erschienen ist. Wir gestehen offen, daß wir den Standpunkt Benedix' in der allgemeinen Beurtheilung Shakespeare's nicht theilen, vielmehr in vielen Momenten für einseitig und beschränkt halten. Es. ist ein gewöhnliches Borkommniß, daß zur Beseitigung einer Uebertreibung, in welche die Zeitgenossen verfallen sind, man in das Gegentheil verfällt, und allzuviel tadelt und verurtheilt, wo allzuviel gelobt und gepriesen worden. Es schadet dies auch nichts, denn aus diesem Kampfe geht die gerechte und maßvolle Beurtheilung schließlich hervor. Es verhindert dies auch nicht, daß Benedix in vielen seiner Beobachtungen das ästhetische und sittliche Recht auf seiner Seite hat, und viele seiner Bemerkungen aufklärend wirken müssen. Kommen wir nun zu dem, was er über den „Kaufmann von Venedig" sagt. Jndeß recurriren wir nicht auf das Buch Benedix' selbst. In Nr. 1 der „Blätter für literarische Unterhaltung" d. I. giebt Rudolf Gottschall eine Beurtheilung dieses Werkes, und es scheint uns nun von großem Belang, zu sehen, wie dieser bewährte Kritiker das Urtheil Benedix' über Shylok völlig theilt. Wir führen daher die ganze Stelle nach dem Berichte Gottschall's an, wo die Worte Benedix' durch Anführungsstriche gekennzeichnet sind. Sie lautet: „Der Kaufmann von Venedig" erfährt das vollkommenste Verwerfungsurtheil auch vom sittlichen Standpunkte; das Stück wird als Ausgeburt des Judenhasses gekennzeichnet, die Absicht des Autors, in Shylok eine komische Figur zur Freude des Janhagels zu schaffen, zugegeben, doch wäre er wider den Willen des Autors

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