Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-08 · Heft 37 (8.9.1874) · p. Seite 625

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 37 (8.9.1874)
Date
1874-09-08
Page
Seite 625 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3226998--32899-3255890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

628 Staate jede eingreifende' Maßregel gemacht; es kommt auf die Mehrheit in den Kammern an, welche Richtung für oder gegen den Ultramontanismus eingeschlagen werde, und die Mehrheit wechselt hier, wie Belgien, Bayern und Frankreich erweisen.' Daß die Ultramontanen dieses Mittel auf's eifrigste zu verwenden streben, braucht nicht gesagt'zu werden. Und doch hat der Syllabus den ganzen Constitutionalismus für ein verdammenswerthes Werk der neueren Zeit erklärt! Trotzdem werfen sich die Ultramontanen zu Vertheidigern dieser freisinnigen Institutionen auf,' und erheben ein großes Geschrei, wenn irgend eine Beschränkung derselben eintritt. Es ist nicht zu viel gesagt, daß die ganze Macht, der ganze Einfluß der ultramontanen Partei auf diesen Schöpfungen des Liberalismus beruht, und daß sie ohne diese so gut wie todt sein würde. Daß die Ultramontanen hierin sich in den krassesten Widerspruch mit sich selbst versetzen, kann nicht auffallen, da für sie der Zweck die Mittel heiligt. Wohl aber kann man fragen, mit welchem Schein von Recht nur sie fort und fort gegen den Liberalismus losziehen und schmähen, während sie selbst aus ihm alle Nahrung für ihre Kraft ziehen und sich seiner Früchte freuen? Das heißt doch, den Tisch verfluchen, an welchem man sich sättigt. —. In diesen Tagen verstarb die Frau des Dr. Zunz. Sie genoß eine allgemeine Verehrung) da sie mit einer seltenen Hingebung an den Arbeiten ihres Mannes den größten Antheil nahm und für seine Wohlfahrt sorgte. Der ehrwürdige Greis, der vor Kurzem, wie wir berichteten, seinen achtzigjährigen Geburtstag feierte, empfindet tief feinen schweren Verlust am Abend seines Lebens, um so mehr als ihre Ehe kinderlos geblieben. —. Nach einer in neuester Zeit aufgestellten Berechnung fallen, der Stadt Berlin aus. herrenlosen Erbschaften in der Regel jährlich nur 1000 bis 1200 Thlr. zu, -indeß ist es bereits wiederholt vorgekommen' (in den letzten, zehn Jahren sogar zweimal), daß die Stadt in dieser Weise auch Grundstücke (in der Langen- und in der Pallisadenstraße) geerbt hat. Interessant ist die noch immer geltende Bestimmung, daß die herrenlosen Nachlässe der Juden und der unehelichen Kinder nicht der Stadt, sondern dem Fiskus gehören. Breslau, 29. Aug. (K. T. B.) In der hiesigen jüd. Gemeinde wird gegen die Zulassung der Lassallefeier auf dem israelitischen Gottesacker heftig agitirt. Die Feier ist bekanntlich für den 31. August e. von den Lassalleanern zu Demonstrationszwecken projectirt. Groß Strehlitz (Schlesien', im August. Wie das Vorurtheil gegen die Juden, nicht sowohl nach der religiösen Seite, als vielmehr nach der Abstammung hin, , in zahllosen Individuell auch der sog. gebildeten Elasten vorhanden ist, und oft nur einer geringen Veranlassung und Aufregung bedarf, um zu Tage zu treten, zeigte sich vor Kurzem in einem vielbesprochenen Vorgänge. Auf dem Kreistage vertrat in dem Vorsitze desselben ein gewisser Guradzi (ein getaüfter Jude) den Landräth. Mit diesem gerieth ein gewisser Elsner von Gronow in einen Wortwechsel, wobei schließlich dieser seinen Gegner „einen dummen Judenjungen" schimpfte. Die Folge dieses Schmähwortes war eine derbe Ohrfeige. Soweit gelangten zwei hervorragende Persönlichkeiten des Kreistages. Der Herr Elsner hat früher um eine Stelle im Abgeordnetenhäuse für die freiconservative Richtung candivirt. Er hat dem Herrn Guradzi eine Herausforderung zukommen lassen, welcher dieser Folge zu geben sich jedoch noch nicht entschlossen hat. Aus der Provinz Posen, im August. (Privatmitth.) In seiner Abhandlung „Versuch einer posener Statistik" bemerkt Dr. Landsberger in confessioneller Beziehung ferner (VI.): 9ln Mehrgeburten, d. h. Zwillingen, Drillingen u. s. w. kamen im letzten Jahrzehnt, überhaupt. 247 Fälle vor. Den Evange-: lischen gehörten davon 75 (oder 30,3 pCt.) an, den Katholiken! 154 (62,5 pCt.), den Juden 18 (7, 2 pCt.), so daß sich auch hier wieder eine viel größere Fruchtbarkeit der Katholiken undeine viel kleinere der Juden herausstellt, als ihnenverhältnißmäßig — nach ihrer Bevölkerung — zukäme. Von den 3184 unehelichen Geburten des letzten Jahrzehnts in der-Stadt Posen fielen 32,3 pCt. den Evangelischen)! 67,2 pCt. den Katholiken, den Juden dagegen nur 0,5 pCt., sage: , ein halbes Procent. zu. *) Es ist das eine Erfahrung) die constant wiederkehrt; die Juden liefern einen minimalen Antheil zu den unehelichen Geburten, und wenn sie vorauf stolz sind, so haben sie alles Recht dazu. Das gleiche Resultat läßt sich aus den relativen Geburtssummen herleiten. Es gab im letzten Jahrzehnt bei: Geb. unehel. den Evang. Posens 5748 dav. waren 1031 od. 18,13 pCt.- - Kathol. - 10254 - - 2137 - 20,96 - , - Juden - 1931 - . - 16 - 0)80 -... Weniger vorteilhaft zeichnen sich die Juden in der Pro-, vinz Posen in dieser Hinsicht aus, obschon sie immer noch die anderen Confessionen weit hinter sich lassen. Im Jahre 1867 kamen in unserer Provinz 4479 uneheliche Geburten vor, an denen . ' > pCt. pCt. die Evangel. (33 der Provinzialbevölk.) mit 1468 oder 32,7 : -. Kathol. (63 - - ) - 2910 - 65,1 - - Juden ( 4 - - ) - 101 - 2,2 Theil nahmen. Die Zahl der Todgeburten beträgt: im Staate Preußen 4 pCt. aller Geburten, in der Provinz Posen 3,1 pCt. aller Geburten,! unter den Juden in Preußen 2 bis 2,5 pCt. aller Geburten,' in der. Prov. Posen gar nur 1,2 pCt. aller Geburten. *) Es sei hier daran erinnert, daß die Einwohnerschaft Poseus durchschnittlich besteht aus: 32,5 Evangelischen, 52,1 Katholiken und 15,2 Juden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.