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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-09-01 · Heft 36 (1.9.1874) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 36 (1.9.1874)
Date
1874-09-01
Page
Seite 612 (sequence 12)
Language
German
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Türkei. Konstantinopel, 11. August. In der letzten Zeit hatte der griechische Pöbel abermals angefangen auf Grund des bekannten albernen Vorurtheils die Juden zu belästigen, und leider stellte es sich dabei heraus, daß die Hetzereien zum Theil durch die niedere griechische Geistlichkeit genährt wurden. Der Polizeiminister hat daher an das Patriarchat eine Einladung ergehen lasien, daß es durch die Vermittelung der höheren Geistlichkeit, der Lehrer und anderer achtbaren Persönlichkeiten den Pöbel und die ihn aufhetzenden Individuen von der absoluten Grundlosigkeit des Vorurtheils überzeuge und zugleich die schärfsten Strafen androhe, falls sich jene wüsten Scenen wiederholten. Es ist schon im höchsten Grade beschämend, daß die türkische Polizei dem geistlichen Vorstand einer so großen christlichen Kirche derartige Belehrungen geben muß! Konstantinopel, 17. August. In Folge neuer Iudenmißhandlungen hat der Polizeiminister strenge Maßregeln ergriffen, mit deren Bekanntmachung die Geistlichkeit beauftragt wurde. Smyrna, 10. August. Letzten Mittwoch fand in einer hiesigen Synagoge ein Trauergottesdienft für den' in Wien gestorbenen Baron Anselm von Rothschild statt, welcher sich zu wiederholtenmalen als ein Wohlthäter und theilnehmender Freund der hiesigen israelitischen Cultusgemei.nde bewährte. Während der Trauerfeierlichkeit, welcher auch der hiesige österreichisch-ungarische GeneralkonsulHofrath v. Scherzer, beiwohnte, war die Flagge auf dem Consulatsgebäude auf halben Mast gesetzt. Auch hier läßt. Freiherr v. Rothschild in dem eben beendeten neuen Spitale für arme kranke Israeliten ein unvergängliches Denkmal seiner Munisicenz, Humanität und Nächstenliebe zurück. Rumänien. Jassy, 19. Aug. Hier fand gestern ein großes Brandunglück statt, durch welches eine große Zahl. jüdischer Familien obdachlos geworden. Serbien. Belgrad, 13. August. Dem „P. Lloyd" wird von hier geschrieben: Bekanntlich hat Serbien eine sogenannte „Judensrage". Während nämlich die serbischen Israeliten alle politischen und staatsbürgerlichen Rechte genießen, können sie die Freiheit der Ansiedelung im Innern des Landes nicht erlangen. Alle Vorstellungen, die bei den hiesigen Regierungen gemacht wurden,, blieben erfolglos, wiewohl schon die Regentschaft das'Sinnlose und Beschämende dieser Beschränkungen anerkannte. Die ganze Frage reducirt sich auf eine Brod- und Concurrenzfrage. Die Kaufleute fürchten die Concurrenz der Juden und trachten daher denselben das Recht der Freizügigkeit zu verkümmern. Die Regierungen aber wagten nicht den egoistischen Jntereffen der Handelsleute entgegenzutreten, und so blieb die Lage der Juden eine abnorme. Nun ist in dieser Beziehung eine vollständige Wandlung in der Auffassung der Serben selbst vorgegangen, und ein hier erscheinendes Blatt urgirt die Abschaffung dieser Abnormität, wobei es sich auf den Standpunkt der Rechtsgleichheit und der ökonomischen Interessen des Landes stellt. Die jetztige Regierung, welche die freiheitliche Entwickelung aller Verhältnisse sich zur Aufgabe gestellt hat, dürfte schwerlich mit sich selbst, mit ihren Principien und Bestrebungen in Widerspruch gerathen wollen, und wird wahrscheinlich nicht länger in den ausgefährenen Geleisen ihrer Vorgänger wandeln. Das Cabinet MarinovicS- Zumics würde wahrhaftig dem Lande durch Beseitigung dieser Serbien durchaus nicht ehrenden Frage einen großen Dienst erweisen. Amerika. Los Angeloö (Californien), im Juli. Die Zeitschrift Jew. World schreibt von hier: Eine, nicht bloß unter den Christen, sondern auch unter unseren Glaubensgenossen selbst viel verbreitete Meinung ist die, daß die Juden nur in kommerziellen Unternehmungen günstige Erfolge zu erreichen verstehen. Indeß. findet sich in unserer Landschaft mehr als ein halbes Dutzend Israeliten, welche sehr wohlhabende Landbebauer sind; sie sind nicht allein die Eigenthümer eines großen Landbesitzes, sondern sie bearbeiten ihn selbst mit großem Erfolge. Viele rmserer amerikanischen Glaubensgenossen besitzen Güter, aber sie leben in den großen Städten, wo sie sich der Industie widmen, Anderen die Sorge überlassend, jene zu bearbeiten; aber die, von denen ich spreche, sind praktische Männer und betreiben den Landbau mit großem Glücke. Sie besitzen Tausende von Schafen und Hornvieh und geben sich mit Eifer den Arbeiten des Landbaues hin. Ich. hege die Ueberzeugung, daß dieses gute Vorbild immer mehrere unserer Glaubensgenossen, diesem Berufe zuführen werde; denn es hedarf unbedingter Freiheit, um sie auch, diesen Zweig der menschlichen Thätigkeit ergreifen und lieben zu lassen. Her Erfurter Pastor Losstm und die Huden. Von Dr. A. Jarqcz ewsky. Ein Blick aus. die Zweige der- Literatur des 1,8. Jahrhunderts belehrt uns, wie auch diese Vorläuferin besserer Tage zu Jeu H f e ton. der Höhe einer objektiven Anschauung, sich nicht zu. erheben, vermochte, wenn es die Beurthesiung, des Iudenthums und seiner Bekenner galt, Vielmehr nehmen wir mit Betrübuiß w-hr, wie die sonst hellsten Köpfe und klarsten Denker in diesem Punkte im

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