Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1874)
- Date
- 1874-09-01
- Page
- Seite 611 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Banat 1× ep/1272623
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611 seien die Beschlüsse wegen Erhöhung des Gemeindebudgets als suspendirt anzusehen (wozu übrigens der Bezirksallsschuß nicht einmal das Recht hat, dadie Suspendirung von Gemeindebeschlüssen der Bezirksbehörde zukommt). Diese confiscatorischen Bestebungen des Bezirksausschusses bedürfen wohl keines Commentars; natürlich wurde ein Recurs an den Landesausschuß und ein Protest an die Bezirkshauptmannschaft überreicht, und ist zu hoffen, daß diese neue Art von Judenbesteuerung baldigst abgestellt werde. Sonst müßte man an der Wirksamkeit österreichischer Gesetze in Galizien verzweifeln. Die Erbitterung, mit welcher die galizifchen Blätter sich über die von dem Regierungsvertreter gegenüber dem Bürgermeistertage ergriffenen Maßregeln äußern, beweist — wenn es überhaupt noch eines Beweises bedürfte — zur Genüge, daß auf die periodische Wiederkehr dieser Veranstaltung große Hoffnungen, und zwar nicht nur auf deren administrative und ökonomische Ergebnisse gesetzt wurden. Zum Ueberflusse hat die Discussion ' über den Punkt 3 der Tagesordnung, welcher die Reform der Gemeindeordnung zum Gegenstände hatte, deutlich die Tendenz der nationalen Heißsporne verrathen, ihre politischen Bestrebungen mit denjenigen des Bürgermeistertages zu identisiciren. Der Antrag der Section zu diesem Punkte ging dahin, dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß in Zukunft die für speciell confessionelle Angelegenheiten bestimmten Behörden nicht mehr in die Attributionen der Gemeinde eingreifen sollen, llr. Zbyszewski verlangte den Uebergang zur Tagesordnung, aber Dobrzanski zeigte den Pferdefuß; der famose Schutzpatron der Gazeta Narodowa schilderte nämlich mit endloser Redseligkeit die Macht und den Einfluß der israelitischen Cultusgemeinden und die Art, wie dieselben die Glaubensgenossen zu ihren Gunsten zu besteuern wiffen, um schließlich zu dem Anträge zu gelangen, daß vom Landtage der Entwurf eines confessionellen Gesetzes in der Form eines Judenstatuts ausgearbeitet und dem Ministerium zur Weiterbeförderung in den Reichsrath übergeben werde. Es fanden sich allerdings etliche Stimmen, welche diesen Antrag mit Hinweis auf die mangelnde Competenz des Bürgermeistertages bekämpften, dieselben drangen indeß nicht durch und konnten die Annahme des Dobrzanski'schen Antrages nicht verhindern. Diese Probe der Competenzüberschreitung, deren sich der Bürgermeistertag schuldig machte, indem er confessionelle Fragen und Institutionen discutirte, dürfte genügen, um die Annahme zu bestätigen, wozu man von national-föderalistischer Seite den Städtetag zu machen gedachte. Lemberg, 22. August. Reichsrathsabgeordneter Mises wird in Folge Aufforderung des Vereines „Schomer Israel" bei Eröffnung des Reichsrathes an das GesammtMinisterium "eine Interpellation wegen des passiven Verhaltens der Staatsanwaltschaft gegenüber den Judenhetzen Dobrzanski's richten. Graz, 18 August. Das ultramontane „Volksblatt" befürwortet die Errichtung von Vereinen, deren Mitglieder unter Anderm die Verpflichtung übernehmen sollen, nichts mehr bei Juden zu kaufen. (Es ist doch gut, daß die Polen und die Ultramontanen immer in Bewegung find und die Welt in Athem erhalten, wenn sie auch freilich kurzathmig sind.) Aus dem Banat, im August. Daß nicht die Rumänen als Volksstamm eine Antipathie gegen die Juden hegen, ersieht man daraus, daß nach der „Jndependenza rom." in zwei rumänischen Gemeinden im Banat Juden zu Primären (Bürgermeister) gewählt worden sind, und diese den Wünschen der Bevölkerung durchaus entsprechen. Im rumänischen Staate würde dies als eine verabscheuenswerthe Handlung angesehen werden, das heißt, von den dortigen Machthabern und Parteiführern so betrachtet werden. Frankreich. Parts, 15. August. Endlich ist die Zeit der Einweihung des neuen großen Tempels in der llue de la Victoria bestimmt, nämlich zu den bevorstehenden Festtagen. Die Beamten des Tempels sind gewählt. Es sind Wohl acht Jahre verflosien, daß man an den Bau dieses schönen gottesdienstlichen Hauses ging. Paris, 23. August. (Privatmitth.) Aus dem Monatsbulletin der Alliance für August, welches wieder hauptsächlich von Schulnachrichten aus dem Oriente ausgefüllt wird, heben wir hervor, daß die wiederholt erwähnte heimliche Gesellschaft von Türken zur Mißhandlung von Juden in Smyrna wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. Einige bewaffnete Mitglieder Hollen jüdische Musikanten aus ihren Betten und zwangen sie nicht blos die ganze Nacht in einem Kaffee zu spielen, sondern auch die Ausgaben für ihr Gelage zu bezahlen. Es wurde sofort eine Klage an den Gouverneur gerichtet. — Das Centralcomitö hatte an Herrn Lurion in Bagdad die Frage gerichtet, ob es nicht rathsam sei, bei der Armuth der zahlreichen Juden in Bagdad eine Auswanderung derselben nach Indien zu veranlassen und zu befördern. Die Antwort lautet verneinend. Die Lage der Israeliten in Bagdad sei nicht precär; es gebe zwar viele Arme unter ihnen (15—20 auf 100); aber da sie ganz ohne allen Unterricht seien, würden sie in einem Lande wie Indien nicht prosperiren können, wo sie einer großen Summe von geistiger und manueller Fähigkeit besitzen müßten. — Bon Tunis schreibt man, daß die Gerechtigkeit zwischen Muselmännern und Juden mit. völliger Gleichheit gehandhabt werde, und daß der Letzteren Stellung sich noch verbesiern würde, wenn sie unterrichteter wären. Von Sa ffi jedoch lauten die Berichte entgegengesetzt. Die Juden sind daselbst vielen Mißhandlungen ausgesetzt, und der spanische Consul nimmt sich derselben eifrig an, ohne bis jetzt genügenden Erfolg erreichen zu können. 36* *