Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1874)
- Date
- 1874-09-01
- Page
- Seite 607 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Verfasser schildert lebendig und -stellenweise ergreifend; feine Behandlung hat den Gegenstanderschöpft. Doch können wir es nicht unterlassen, hier tadelnd zu bemerken, wie unpassend es uns erscheint, daß der Verfasser als unparteiischer Geschichtsschreiber sich gegen Holdheim so überaus leidenschaftlich ausspricht und eine verurtheilende Kritik über Holdheims theologische Bestrebungen und Arbeiten da einmischt, wohin sie gar nicht.gehört. Eine objective Geschichtsarbeit darf nicht dazu dienen, bei Gelegenheit dem Parteihaffe Luft zu machen, schon weil der Verfasser dadurch den ganzen Geist, der ihn bei seiner Forschung beseelt, dem Leser verdächtig macht.. Der Geschichtsschreiber braucht den Extremen keine Anerkennung entgegen zu bringen; aber er muß es würdigen, daß beide, wenn auch für den Moment nachtheilich, dennoch im großen Ganzen 'notwendig und nützlich sind, schon um einander das Gegengewicht zu halten, und sich gegenseitig zur Thätigkeit aufzustacheln. Die richtige Entwickelung entfaltet sich dann im Laufe der Zeilen. — „Jessod Olaiw, das älteste bekannte dramatische Gedicht in hebräischer Sprache von Mose Sacut. Zum erstenmal nach drei Handschriften edirt und mit einer Einleitung versehen von l)r. A. Berliner. Berlin. Julius Benzian, 1874." Als die erste Frucht seiner italienischen Reise läßt Herr vr. Berliner das Original des ersten in hebräischer Sprache verfaßten Drama erscheinen, das im vierten Jahrzehnt des siebzehnten Jahrhunderts verfaßt worden, während das Nächste „Asirc Iia-Tikwah“ von Joseph Penso 1668 gedichtet worden. Der Herausgeber leitet das Werk durch eine Abhandlung „Beiträge zur Geschichte des jüdischen Drama" ein. Der Umstand, daß von dem jüdisch-griechischen Tragiker Ezekiel (im zweiten Jahrhundert vor der gew. Zeitrechnung) bis 1640 kein Jude ein Drama abgefaßt, ließ Herrn B. zuerst nach den Ursachen dieser Erscheinung fragen. Mit Recht hebt er das in den Theatern waltende Heidenthum und die im römischen Theater vorherrschende außerordentliche Unsittlichkeit hervor, welche den Israeliten in Palästina und später den talmudischen Weisen die Feindschaft gegen das Theater einflößten. Wir hätten es aber doch gern gesehen, wenn der Verfasser feinen richtigen Schilderungen dieser entarteten Theater, die er bekannten Monographien entlehnt, doch einige würdigende Worte für das griechische Drama, dieses erhabene Vorbild der dramatischen Kunst, vorangeschickt hätte, um nicht selbst in Vorurtheilen befangen zu erscheinen,' von welchen er sich durch die Herausgabe des vorliegenden Drama selbst frei erweist. Er bringt nun ein, wenn auch nicht erschöpfendes doch reichhaltiges Material für die Geschichte des Drama in hebräischer Sprache herbei, das jedoch zumeist nur bibliographisch gehalten ist, den Gegenstand der Dichtungen nur wenig angiebt und kritische Benierkungen kaum andeutet. Eigenthümlich ist es, daß außer biblischen Gegenständen die angeführten Dramen besonders die in der Zeit ersten, nur Allegorien behandeln. Es erweist sich hierin die vorzugsweise orientalische Bildung der Verfasser, aber auch daß sie durch den allegorischen Inhalt die dramatische Form entschuldigen und als dem Geiste und der Aufgabe des Judenthums nicht fremd erscheinen lassen wollten. Von den neuesten Erscheinungen auf diesem Gebiete führt er nur die deutschen, und eine italienische aN. Aber selbst hinsichtlich der deutschen ist die Aufzählung lückenhaft, wie er z. B. nicht einmal Heine's „Almansor" anführt, das dieser doch gedichtet, eh' er sich hatte taufen lassen. Jndeß, wer die Schwierigkeiten kennt, welche die Sammlung solcher Notizen mit sich bringt, wird dem Verfasser großen Dank für seine Arbeit sagen, die er dabei in lebendigem Ton zu halten versteht. In einem zweiten Absätze bespricht der Herausgeber nun das vorliegende dramatische Gedicht. Er giebt, so weit dies möglich, die Biographie des Autors; über das Gedicht selbst, welches sich an die bekannte Legende von dem, die Götzen zerschlagenden Abraham anlehnt, spricht er nur wenig, während wir doch eine Analyse desselben erwartet hätten. Ein reichliches Glossar ist, besonders zu dem Zwecke; den der Herausgeber im Auge hatte, nämlich fortschreitenden Schülern ein passendes neuhebräisches Werk zur Lectüre zu übergeben, sehr angemessen hinzugefügt. Für diesen Zweck können wir auch das Gedicht, das sich durch fließende Diction auszeichnet, sehr empfehlen. — Es liegt uns das erste Heft einer neuen Zeitschrift vor: Bibliographische Monatsschrift zur Orientirung für den jüdischen Buchhandel. Herausgeber: Ch. D. Lippe. (Wien. Brüder Winter.)" Das Blatt erscheint zum größten Theile in deutscher Sprache und von rein bibliographischer Tendenz, bis jetzt vorzugsweise die Vorräthe und den Betrieb der rasch aufblühenden Brüder Winter'schen Buchhandlung betreffend. Auf recht viele Genauigkeit in den bibliographischen Notizen möchten wir dringen. So z. B. figurirt unter „gesuchte Bücher", (die nämlich Brüder Winter suchen): „Herzfeld, agadische Exegese," muß heißen : Hirschfeld; Lewhs Chaldäisches Wörterbuch ist nicht in Prag, sondern in Leipzig erschienen, und der Verfasser heißt Levy; und nicht wenige andere Irrungen. ^äkuiiCjiwctefdtiddbiM'. Deutschland. Berlin, 12. August. Der 10. d. M. war der achtzigste Gehurtstag des m den weitesten Kreisen namentlich der Gelehrtenwelt bekannten vr. Leopold Zunz. Waben auch die zahlreichen Verehrer des gefeierten Mannes durch die schwere Erkrankung seiner ihm durch ein langes Leben treu und würdig zur Seite stehenden Gemahlin, verhindert, ihm. ihre Theilnahme.