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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-25 · Heft 35 (25.8.1874) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 35 (25.8.1874)
Date
1874-08-25
Page
Seite 593 (sequence 11)
Language
German
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593 bisher allzu schüchternen — Vorstellungen der diplomatischen Agenten zu Bukarest Folge gegeben; unwahr ist, daß sie irgend rücksichtsvoll vorfchreite. Haben wir stets die Propinätion in Galizien u. s. w. bekämpft, wie jedes Monopol, so müsten wir umsomehr die Einführung eines Staatsmonopols im Nachbarlande verdammen, welchem Clauseln angehängt wurden, die-eine ganze Kategorie von Staatsangehörigen aus ihrem bürgerlichen Erwerbe vertreiben und in's Elend stürzen, in offener Verletzung der internationalen Verpflichtungen. Angehörige der österreichischungarischen Monarchie in großer Zahl sind dadurch in Noch ünd Elend versetzt, den alten, vertragsmäßigen Rechten zuwider aus ihren Berufen vertrieben. Sie sind berechtigt, Schutz und Schirm von der Regierung ihres Heimathslandes gegen solche Gewaltthät zu verlangen. Der Einfluß, das Prestige Oesterreich-Ungarns in den Donaufürstenthümern muß nothwendig darunter leiden, wenn unsere dort etablirten Mitbürger hülflos den Uebergrisfen der rumänischen Gesetzgebung preisgegeben bleiben." Der Artikel führt dann aus, wie die europäischen Mächte unter diesen Umständen sich hüten werden, das Streben der Rumänen nach Unabhängigkeit von der Pforte zu unterstützen. Die rumänischen Minister hatten den diplomatischen Agenten versprochen, bei der Kammer die Aufhebung des Art. 8 jenes Gesetzes zu beantragen und durchzusetzen. Sie haben es nicht gethan. Dies ist rumänische Art. Schweden. Norrköping, 6. August. lPrivvtmitth.) Eine gewiß allen Lesern 'dieser Zeitung interessante und erfreuliche Nachricht habe ich - Ihnen heute mitzutheilen. Während die Ultramontanen und überhaupt die katholische Kirche im Allgemeinen immer mehr Fanatismus und damit verbundene Intoleranz entwickeln, so daß man sogar einen Religionskrieg befürchten kann, hat hier eine die Eultur und den Fortschritt ehrende Thatsäche stattgefunden. Sonntag den 2. August'feierte nämlich der hiesige Arbeiterverein sein 14. Jahresfest. Wie gewöhnlich wurde, da man immer hierzu einen Sonntag wählt, der öffentliche Gottesdienst im Freien abgehalten; aber nun merken Sie wohl, zur Predigt wählte der Wortführer, Herr G. F. Blohm, nun zum zweiten Male eine solche aus der Predigtsammlung, welche der neulich nur allzufrüh verstorbene Prediger und Lehrer bei der israelitischen Gemeinde in Gothenbürg, Herr M. R. Henriques, in seiner Predigtsammlüng „nagra reügiosa. betrakteiger i Göleborgo Synagoga af M. R. Henriques. Göteborg 1871" heräüsgegebcn hat. Also eine jüdische Predigt und noch dazu dieses Mal über' einen talmudischen Text, nämlich lPirke Aboth, erster Abschnitt, 18. Vers) über die herrlichen Worte des Rabbi Simon Sohn Gamliels „Durch-, drei Dinge besteht die Welt, durch Wahrheit, Recht und Friede". Diese Predigt, in welcher der Verfasser das in der christlichen Kirche so oft ausgesprochene VerdammungSurtheil über Israeliten tadelt und die allgemeine Wahrheit als den Glauben an den einigen und einzigen Gott den Vater aller Menschen bezeichnet, sowie ausspricht, daß die wahre Religion nur Liebe und Friede unter den Menschen verkündet; diese Predigt wurde beim öffentlichen christlichen Gottesdienste von mehr als 1500 christlichen Zuhörern mit Erbauung angehört und wie gewöhnlich mit christlichen Liedern eingeleitet und geschlossen. Äst dieses nicht auch ein.Sieg des Fortschrittes und der Wahrheit zu nennen? Leider ist der edle, thätige und für die Reform hier zu Lande sehr verdienstvolle Prediger und Lehrer der israelitischen Gemeinde in Gothenburg, der schon erwähnte Verfasser jener Predigt, Herr M. R. Henriques*), nach einem kurzen Krankenlager in seiner Geburtsstadt Kopenhagen am 24. Juli uns durch den Tod entrissen worden, in seinem 62. Lebensjahre. Doch seine Werke überleben ihn, und die Liebe und Freundschaft, welche er sich bei seinen zahlreichen Schülern und Freunden zu erwerben gewußt hat, werden ihm zur ewigen Freude werden. Friede seiner.Asche! , Amerika. Cleveland, 25. Juli. Ueber den zweiten Tag der Sitzung des Vorstandes des Vereins jüdischer Gemeinden, habe ich zu berichten, daß an demselben zuerst eine Reihe von allgemeinen Sätzen, von vr. Lilienthal beantragt, angenommen wurde, welche den bekannten Beschlüßen der israelitischen Synode zu Leipzig nachgebildet waren, ohne daß sie deren'Präcision besäßen; sie enthalten vielmehr sehr überflüssige Erklärungen, wie den Glauben an einen unsichtbaren und' ewigen Gott, die allgemeine Menschenliebe u. s. w., die als den Hauptinhalt des Judenthums zu erklären nicht erst das neunzehnte Jahrhundert berufen ist. Das Comitö für Veröffentlichungen trug nach langer Debatte darauf.an, daß man eintausend Exemplare bezahlt, der Leeserschen englischen Bibel erwerben solle. In der Nachmittagssitzung wurde über Spenden an die Unionscasse verhandelt, wozu auch wie es jetzt überall geschieht, das Institut der „Jahreszeit" benutzt werden soll. Eine Subscriptionsliste für Errichtung einer theologischen Facultät wurde mit beträchtlichen Gaben versehen. In der Sitzung vom 17. Juli brachte das Comitö für das Wanderpredigen einen Bericht ein. Wie es sich von selbst versteht, wenn dieser Gedanke aus der Phrase zur wirklichen Ausführung gebracht werden soll , stellte es sich in diesem Berichte heraus, daß es ein großes Bebürfniß sei, in den zahllosen kleineren Gemeinden, welche einen Prediger nicht halten können, das Judenthum predigen zu lasten, daß aber der Verein die Mittel nicht besitze, um Wanderprediger-zu besolden und es auch in den Vereinigten Staaten noch keine Männer gebe, die . dazu tauglich wären, welche vielmehr von der zu gründenden theologischen *) Vgl. Zeitung des Judenthüms 1871, Nr. 45, S. 905. 35*

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