Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1874)
- Date
- 1874-08-18
- Page
- Seite 576 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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•576 gottesdienstlichen Hause ist; bte zweite Eigenschaft blendetund zerstreut, aber erbaut nicht. Auch spricht die Erfahrung nicht für solche'iu - großen: Städtenwo die jüdische Bevölkerung durch' alle Viertel''zerstreut wohnt, Aber das Gegentheil hat auch sein Maß, und kleine Gemeinden vermögen nur Kleinliches zu erzielen. Selbstverständlich kann dieser Zersplitterungssucht;nach den Gesetzen 'des Landes kein Damm entgegengestellt werden. Abev eswäre gut, wenn die Presse sich wiederholt dagegen ausspräche; an Gelegenheit, auf die thatsächlichen Uebelstände, die daraus^ entspringen, hinzuweisenfehlt, es nicht; vielmehr ent-- wickeln'sich daraus täglich die Grundübel immer mehr, an denen die jüdischen Gemeinden in Amerika leiden. Nichts ist erhebender, 'als zu sehen,'wie sich an irgend einem entlegenen Platze, sobald daselbst einige Juden sich''eingefunden,' diese in rührender Anhänglichkeit an ihrer väterlichen Religion zusammentreteneine Betstätt^ errichten, eine Thorarolle ankaufen , für einen Bcgräbnißplatz sorgen und sich so zu einer Gemeinde constituiren. Allein bald tritt die-Kehrseite ein; eine Zeit'lang schließen sich die nachherigen Ankömmlinge der bestehenden Gemeinde an; aber kaum faßt diese eine-nur mäßige Zahl, als alte oder neue Mitglieder -sich trennen; eine neue Synagoge errichten, eine neue Gemeinde bilden, und sich gegenseitig ihre Anhänger abspenstig zu machen I e tt i £ Ein Schreiben des Herrn L. Schr. . Sie haben mir die schmeichelhafte Aufforderung zugehen lassen, Ihnen bald wieder eine meiner kleinen novellistischen Arbeiten zu übersenden. Ich thue es . hiermit willig, und doch thue ich es eigentlich ungern , und halb und halb halte ich es für unrecht. Sie werden mich fragen, wie dieser Widerspruch zu verstehen sei, und wodurch er motivirt wäre? Ich will mit der Antwort nicht hinter dem Berge halten; aber Sie müssen mir auch gestatten, etwas auszuholen, jedoch mit der Berechtigung, Ihren. Lesern zu ersparen, was Ihnen nicht gefallen sollte. . . Wenn wir die classischen Dichterwerke, besonders die griechischen, mit den Erzeugnissen anderer Nationen und Zeitalter vergleichen, so fallen uns zwei Momente besonders auf: zuerst, daß die.Dichter-, seien es Epiker- Dramatiker oder Lyriker, sich immer nur auf dem höheren Gebiete der Götter-, Halbgötter¬ und Heroen-Welt bewegen, und dann, daß sie aus innerem Triebe oder aus. Bewußtsein auf die Gestaltung eines mehr oder weniger vollendeten Kunstwerks nach innen waltenden Gesetzen ausgehen. Erst im Lustspiel stieg die griechische Muse in das .wirkliche Leben der Menschen herab, und. es fehlte später auch nicht an Verspottungen der Götter und Helden, wie bei Lucian (180 n. d. gew. Zeitr.). Noch später entstand bei den Griechen der Roman, .die Erzählungen von Liebesabenteuern in der! Gesellschaft. Seinen Ursprung zog auch er..aus mythischen Ersuchen: "Man kann nun auch nichts sagen, däß die Neuheit der Zustände 'solche Dinge mit sich bringt. Diese Neuheit hat längst aufgehört, und das amerikanische Judenthum könnte sich bereits als in den Stand der Reife eingetreten ansehen. Palästina. . .,.7,..' Berlin. 28. Juli. Man kennt das gerechte 'Mißtrauen, welches man über die richtige und unparteiische Verwendung der nach Jerusalem gesandten Unterstütznngsgelder hegt, seitdem man weiß, wie diese von den Vorstehern der dortigen Gemeinden für sich und zum Vortheil einer drückenden Herrschaft lange Zeit ausgcbeutet worden. Zwei Israeliten wandten sich deshalb an den preußischen Gesandten, Freiherrn v. Magnus; in — — Stuttgart, und dieser schrieb an den preußischen Consul in Jerusalem: Dieser berichtete: Die Hungersnoth ist im Abnehmen, die Lebensmittelpreise sinken, der Nothstand freilich — bleibt. Es sind im Ganzen aus Deutschland 29,000 fl., und aus England 1950 L. St. eingegangen. Dagegen ist nach dem „Jsr. Wochenschr." ein Vorsteher in Jerusalem mit 500 Napoleons Armengelder'durchgegangen, und trotz aller Dementis aus Amsterdam wird diese Nachricht bestätigt. ■■■ ( feto 'tt. : Zahlungen, wie wir deren von Konon (30 vor d. gew. Zeitr.) und Parthenios (81 nach d. gew. Zeitr.) haben, sowie aus Milesischen Märchen. Der eigentliche Roman trat mit Jamblichos (175 nach d. gew. Zeitr.) auf und blühte besonders um 400 nach d. gew. Zeitr., wo sich selbst der Bischof Heliodoros unter den Romanschriftstellern befand-. — Ganz anders verhält es sich mit den Verfassern der Büchern der heiligen Schrift. Es ist bei ihnen niemals die bestimmte Absicht eines Literaten, oder Lin Kunstwerk als solches zu schaffen, zu erkennen. Religiöse, sittliche und geschichtliche Zwecke walten überall vor und geben sich als solche kund. Ebenso ist der Boden, auf welchem sie weilen, der rein menschliche. Sie haben es überall mit dem Menschen, wie er wirklich im - Leben eMirt, mit dessen Erkenntnissen, Gefühlen, Leidenschaften, Veredelung, Verirrung und Verhältnissen zu thun. Allerdings ist ihr Grundzug. den Menschen in seinem Verhalten zur Gottheit und zu der von dieser gewollten Sittlichkeit und Anbetung zu schildern. Aber auf diesem Hintergründe denken - und handeln sie alle doch nur als Menschen, und werden ihre Vorzüge und ihre Fehler treulich gezeichnet. Dies verhindert jedoch nicht, daß die-Bücher der h. Schrift zum Theil stellenweise, zum Theil ganz hochpoetisch sind, und daß unter dem Griffel der biblischen-Autoren wahrhafte Kunstwerke entstehen. Man hat num auf die letzteren die klassische Poetik und deren Classification oft angewendet und sich dadurch in nicht geringe Verlegenheiten 'versetzt gesehen.