Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-18 · Heft 34 (18.8.1874) · p. Seite 575

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 34 (18.8.1874)
Date
1874-08-18
Page
Seite 575 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3226995--32844-3255832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

575 das Kind für barbarisch ermordet und daß ihm „das Blut aus-! gesogen" worden. Darauf fand sofort die Beerdigung statt. Der „Vampyr" mußte aber natürlich, wie immer ein Jude fein.' Die 300 israelitischen Familien in Magnesia waren auf's äußerste bedroht und riefen den Schutz der Regierung an, der ihnen vurch eine Kawassenabtheilung gewährt wurde. Der Generalgouverneur Handi Pascha in Smyrna hat auch die Polizeimannschaft verstärkt, damit es nicht zu einem Gemetzel komme. Den I)r. Constantinos hat man aber leider nicht verhaftet. ' Amerika. ■ Cleveland, 17. Sufi. (Pttvalmillh.) Al» 14. Juli fand hier eine Versammlung der „Union of American Hebrew Congregations" statt, eines Vereines, der mit der amerikanischen Delegirten-Versammlung, welche seit mehreren Jahren besteht, nicht zu verwechseln ist. Wir folgen den? Berichte, den oer „Hebrew Leader" in seiner Nummer vom 17. Juli giebt. Er bemerkt, daß Vertreter aus allen Theilen der Vereinigten Staaten gegenwärtig waren, freilich ohne uns über die Zahl derselben und die Gemeinden, die sie vertraten, Rechenschaft zu geben. Der Vorsitzende Loth erösfnete die Sitzung mit einer passenden Ansprache, die von seiner Begeisterung für die Religion der Väter ' Zeugniß giebt, und einige besondere Gedanken enthält. Nachdem er über den Segen gesprochen, welchen jede Vereinigung zu religiös-sittlichen Zwecken mit sich führe, und Gott gedankt, daß er die Neigung zu solcher Vereinigung in das Herz der Menschen gepflanzt, stellte er als eine Mission Israels dar, für wahre Freiheit und den Fortschritt der Menschheit einzustehen. Zu diesem Zwecke seien die Israeliten unter alle Nationen zerstreut worden und hätten überall die Anbetung des einzigen Gottes, der der Gott aller Menschen und Wesen ist, und das höchste Gesetz, welches Eines ist für alle Menschen, aufrecht erhalten. Jndeß könne man nicht sagen, daß die Israeliten zu aller Zeit und mit aller Kraft diese Aufgabe erfüllt hätten, oft behindert durch ihre grausamen Schicksale, oft auch zu sehr mit ihren eigenen Interessen beschäftigt. Aber auch in den Vereinigten Staaten sei die Verbreitung der reinen Gotteserkenntniß und Sittlichkeit nothwendig, besonders da sich die Corruption in den National- und Municipal-Jnstituten tief verbreitet habe, so daß dieses Gift, wenn ihm nicht entgegengewirkt,. die gesundesten Säfte dieses großen Staates ververben werde. Er stellt es daher als eine Aufgabe^ dieser Union auf, Wanderprediger auszusenden, nicht bloß an die Juden, sondern auch an die Massen aller^ Bekenntnisse, nicht um Proselyten zu machen, sondern um nach den Lehren des reinen : Judenthums zu einem Leben im Geiste der zehn Gebote zu mahnen und anzuleiten, und so ein sittliches Familienleben zu erwirken. Als zweite Aufgabe per Union gilt ihm die Herstellung eines Rabbinerseminars, für welches bereits viele Zeichnungen geschehen seien , und wozu man nun den Ort be-! stimmen müsse, nämlich entweder Cincinnati oder Cleveland. Endlich die dritte Aufgabe ist das jüdische Waisenhaus, das bereits in Cleveland besteht. Nach dieser mit Beifall aufgenommenen Rede wurden 6 Comitäs gewählt: 1) für das theologische Institut, 2) für Publicationen, 3) für Wanderprediger, 4) für die Finanzen, 5) für die Correspondenz. 6) für Berichte an die Gemeinden. — Wie weit hieraus praktische Erfolge erfließen werden, ist abzuwarten. Doch ist nicht zu verkennen, daß der Geist solcher Associationen einen nützlichen Einfluß übt und schließlich doch auch einige praktische Erfolge erlangt, wenn diese auch nicht ganz den Worten der begeisterten Redner entsprechen. New-Aork, 12. Juli. (Privatmitth.) In den Vereinigten Staaten besteht bereits eine gar nicht zu überschauende Zahl von Synagogen, und. jedes Jahr vermehrt sie in unverhältniß mäßiger Weise. Jndeß würde man irren, wenn mau annähme, daß dies sich nach dem Bedürfnisse richte und man daraus auf die Stärke des religiösen Bedürfnisies schließen könne. Denn der kleinste Theil dieser Synagogen wird an Orten errichtet, wo bis jetzt keine bestanden und sich jüngst erst Gemeinden gebildet haben. Vielmehr erstehen Synagogen neben Synagogen an denselben Plätzen, und zwar meist nicht nach Maßgabe der wachsenden Bevölkerung. Es wallet vielmehr ein Geist der Zersplitterung vor, welcher der Gesammtheit, der Vereinigung der. vereinzelten Kräfte schädlich und mit der Zeit immer schädlicher werden wird, noch dazu, wenn, wie es den Anschein hat, die Einwanderung aus der alten Welt schwächer wird, was wenigstens die letzten beiden Jahre der Fall gewesen, also die einzelnen Gemeinden oder vielmehr Synagogen einen Zuwachs von außen in geringerem Maße erhalten werderi. Es findet hier zu Lande unter unseren Glaubensgenossen eine wahre Sucht statt, daß Einzelne auftreten, eine neue Synagoge, oas ist zugleich eine besondere Gemeinde herzustellen, und in den meisten Fällen sammeln sich auch Anhänger um sie. Es versteht sich, daß hierbei auch nicht im Entferntesten Gewinnsucht mitwirkt, wohl aber der Ehrgeiz und die Eitelkeit, an. dev Spitze eines Häufleins zu stehen und ein selbstständiges Werk hervorgebracht zu haben. Man muß sich auch nicht vorstellen, daß hierbei Verschiedenheit der cultuellen Ansichten mitwirkt. Denn es giebt schon gar keine cultuelle Nuance mehr, für welche an den größeren Plätzen nicht.schon eine Synagoge besteht. Man sieht aber leicht ein, daß die Folge einer solchen principlosen Sucht die Zersplitterung der Kräfte ist, während die Bereinigung bedeutender Mittel die Herstellung besserer und wirkungsreicherer Anstalten ermöglichen würde. So aber giebt es unter den zahllosen Synagogen doch nur wenige, welche nicht bloß äußerlich, sondern auch innerlich durch die Tüchtigkeit ihrer Beamten, durch die Trefflichkeit ihres Gottesdienstes und ihres Schulwesens sich auszeichnen und nachhaltig wirken. Wir sind keine Freunde kolossaler und luxuriöser Synagogen; die ersteren verhindern die Akustik, die Verständlichkeit des Predigers und des Vorbeters, die doch die Hauptsache in einem 34

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.