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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-18 · Heft 34 (18.8.1874) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 34 (18.8.1874)
Date
1874-08-18
Page
Seite 574 (sequence 8)
Language
German
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keines großen Sieges zu rühmen gehabt haben. Denn was hat sie schließlich für die Sache selbst gethan, als daß sie einige Wortführer sich hat. anstrengen und wirken lassen? So lange etwas vom guten Willen eines Ministers abhängt, kann eine Partei sich keiner Helvenihat rühmen— gerade wie in Wien dieselbe Sache durch den schlechten Willen des Ministers unausgeführt bleibt. Sie haben daher ganz recht, daß es eine Ehrenpflicht der ungarischen Israeliten wäre, das Seminar sofort in's Werk zu setzen und so lange, aus eigenen Mitteln zu erhalten, bis die schwebende Frage entschieden gelöst sein wird, was ja nur nach Monaten zählen , kann. Man müßte die mit dem Ministerium vereinbarten Normen streng einhalten, damit die spätere Zahlung aus dem Schulfond keine Weiterung zu erfahren hätte. Auf diese Weise wäre den Orthodoxen der Triumph genommen, und es wäre durch die That erwiesen, daß es den Herren wirklich an der Sache gelegen sei. Ein großes Opfer kostet es nicht, da der Minister seinen festen Willen, zur Ausführung zu schreiten, ausgesprochen hat, und endlich doch auch das Wort des Königs dabei verpfändet ist. Ich spreche dies aus, weil es die Meinung derer ist, welche Consequenz zwischen Wort und That fordern; nicht aber, weil wir eine große Hoffnung auf die Erfüllung dieses Wunsches und Vorschlages setzten. — - Denn das kann ja nicht verkannt werden, daß das Interesse an der jüd. Wissenschaft und Literatur hier zu Lande, aber auch in anderen Ländern, nur ein sehr geringes ist. Wenn Sie jüngst über die jetzige Unfruchtbarkeit jüdischer Autoren sich aussprachen, so kann nicht geleugnet werden, daß an derselben der Mangel an Jntereffe im Publikum einen großen Theil ber Schuld trägt. Denn wie die Dinge einmal liegen, wenden sich talentirte junge Kräfte um so eher und schneller andern Fächern zu, als sie das unsrige so wenig von Erfolgen begleitet sehen. Aber man gehe doch in die Häuser der Bemittelten oder gar der Reichen, ob -man daselbst inmitten des Luxus auch irgend ansehnliche Büchersammlungen findet, und woman ja solche antrifft, ob sich auch eine Sammlung der besten neueren jüdischen Schriften darunter befindet? Es wird dies selten der Fall sein, ja man wird sogar nach einer guten Bibelausgabe sich oft vergeblich umschaüen. Unter solchen Umständen kann nichts gedeihen, und die Aussichten verringern sich nur'immer mehr. Ich scheue mich nicht, dies öffentlich auszusprechen; denn unsere Zeit bedarf der Wahrheit und des Offenmuthes um so mehr, als in ihr die Phrase allzusehr vorherrscht. Auch würde es nicht schaden, wenn die außerjüdischen Kreise die übertriebene Vorstellung verlören, welche sie von den Mitteln und der Opferwilligkeit hegend die den jüdischen Bestrebungen zu Gebote ständen und entgegen gebracht würden. Von der Donau, 31. Juli. (Privatm.) Anläßlich einer aus Stuhlweißenburg beim Königl. Ung. Handelsministerium eingereichten und dem Cultusminister zur Erledigung überwiesenen Eingabe wurde ausgesprochen, daß der Verkauf des nach mosaischem Ritus geschlachteten Fleisches außerhalb des Ge-' werbefugniffes zu Fleischverkauf liege, sowie auch, daß ein Verbot des Verkaufs solchen- Fleisches die Ausübung des freien Gewerbes des Fleischverkaufes nicht zu beirren vermag. . - Den 27. d. M. starb in Lißka der. dortige, als.Wundermann und als Säule der Orthodoxie bekannte Rabbi. .An seinem Begräbnisse beiheiligten sich Tausende seiner Verehrer aus allen Gegenden. In Ergänzung der jüngst gebrachten Notiz über die Eröffnung des neuen israel. Friedhofs in Pest können wir constatiren, daß auf demselben ein Leichenhaus, das erste in dieser Stadt, erbaut worden ist, welches aus zwei Abtheilungen, die eine zur Aufnahme von männlichen Leichen und die andere für weibliche Leichen besteht. Es werden daher. in der Folge bei Sterbefällen unter Israeliten alle Leichen, welche in den betreffenden Trauerhäusern bis zur Beerdigung nicht »-in separate Zimmer untergebracht werden können, sofort nach der Todtenbeschau in das Leichenhaus auf den Friedhof gebracht, wo sie bis zur gesetzlich bestimmten Beerdigungszeit verbleiben. Pest, 5. Aug. (Privatm.) Nach dem Berichte, welchen der Unterrichtsminister über. das ungarische Schulwesen im Jahre 1872 dem Reichstage jüngst unterbreitete, wurden die im Lande bestehenden 150 Ober-,und Untergymnasien von 27,707:Schülern besucht. In Bezug auf Religion waren 45.1 pCt. der Gymnasialschüler röm.-kath., 6.4 pCt. griech.-kath., 5 pCt. griech.- orient., 19 pCt. helv. Bek., 12 pCt. Augsb. Bek., 0.9 pCt. unitarisch, 11.3 pCt. mosaischen Bek., während sich die Bevölkerung in Bezug auf Religion nach Procenten folgendermaßen gestaltet: röm.-kath. 46 pCt.,. griech.-kath. 12 pCt., griech.-orient. 14 pCt., ref. 19 pCt., evang. Augsb. Bek. 12 pCt., unit. 0.4 pCt, mosaische 4 pCt., aus welchen Daten hervorgeht,, daß die Schüler mosaischen Bekenntnisses das relativ größte Contingent der Zahl ausmachen, dann folgen die Unitarier, die Evang. Augsb. Bek., die Ref. Helv. Bek. Hinsichtlich des Besuchs der Realschulen zeigte sich für die jüd, Schüler das günstigste Verhältniß. Von den 6730 Realschülern ergaben sich 59.2 pCt., röm.-kath., 0.5 pCt. griech.-kath., 5 pCK griech.-orient., 4 pCt. evang. helv. Bek., 13.7 pCt. evang. Augs. Bek., 19 pCt. mosaisch. Bek. Gestern verschied nach kurzem Leiden Dr. David Schwab, Sohn des verstorbenen hiesigen Rabbiners Schwab, im Alter von 53 Jahren. Vor Jahren erschien unter seiner Redaktion die „Jllustrirte Iudenzeitung". Türkei. Konstanlinopel, 28. Juli. Am 11. d. verschwand in Magnesia (Kleinasien) ein türkisches Mädchen von 7 Jahren; am .13. tvard der Leichnam desselben in einer Entfernung von 11/2 Stunde gefunden. Der Oberarzt der Polizei, Constantinos, >(also abermals ein Grieche!) erklärte nach flüchtiger Besichtigung

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