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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-18 · Heft 34 (18.8.1874) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 34 (18.8.1874)
Date
1874-08-18
Page
Seite 571 (sequence 5)
Language
German
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Ungarn — bekanntlich wurde die Gleichstellung der Juden in Ungarn auch 1848 verworfen und. von' Ludwig Kossuth selbst bekämpft — 'die Aufmerksamkeit gelenkt wird. Da der Verfasser die Urkunden und Schriften sehr sorgfältig gesammelt und sie zum Theil sehr weitschweifig abdrucken zu lassen die Neigung hat, so ist dieses Buch für seinen besonderen Gegenstand erschöpfend. Anders muß das Uriheil lauten, wenn man auf die principielle Kritik des Verfassers bezüglich seines Gegenstandes blickt. Wir verargen dem Verfasser seinen eigenen Standpunkt durchaus nicht, auch wenn wir ihm nicht beistimmen können? Aber es ist stets mißlich, wenn man ein Stück Geschichte und eine geschichtliche Erscheinung behandeln will, schon von vorn herein einen polemischen Standpunkt einzunehmen, und von diesem aus den Gegenstand im Ganzen und im Einzelnen darzustellen und zu beurtheilen. Die historische Unparteilichkeit verliert sich hierdurch unter der Hand und entzieht dies der ganzen Arbeit die Autorität, die sie sonst beanspruchen könnte. Vor allem ist dies der Fall, wenn dieser Standpunkt ein negirender ist, und sich der ganzen geschichtlich positiven Erscheinung während eines Zeitraums von fast 80 Jahren feindlich gegenüber stellt. Negation, Auflösung und Zersetzung predigen, ist die schlimmste Aufgabe eines Geschichtsschreibers, da sie im Grunde feine ganze Thätigkeit werth und nutzlos macht. Wir sehen auch hier den äußersten Radikalismus mit der Orthodoxie Hand in Hand gehen, und dieser Charakterzug constatirt an sich das zerstörende Moment, da die Verbindung solcher Gegensätze nicht im Aufbauen, sondern in der Vernichtung bestehen kann. — Es ist bereits in diesem Blatte der Abhandlung gedacht worden, welche von Dr. A. Geiger dem „Ersten Berichte über die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin" vorangeschickt worden. Die Abhandlung führt die Ueberfchrift: „Erster Bericht über meine an der Hochschule f. d. W. d. Judenth. von Ostern 1872 bis dahin 1873 gehaltenen Vorlesungen: Allgemeine Einleitung in die Wissenschaft des Judenthums und Einleitung in die biblischen Schriften." In schöner, edler, und ausdrucksvoller Sprache giebt hier vr. Geiger Rechenschaft über den Inhalt und den Gang seiner Vorlesungen in den beiden Semestern des ersten Jahres der Hochschule. Wenn hier auch nicht gerade neue Gedanken zu Tage treten, andererseits einige Lieblingsansichten des Nr. G., die noch wissenschaftlichen Zweifel gar sehr unterliegen, zum Ausdruck kommen, so durchweht das Ganze doch ein echt wissenschaftlicher Geist, der zugleich erweist, daß er gar nicht so gefährlich ist, wie ihn die Orthodoxen zu malen pflegen. Denn besonnen, scharf, wo er es mit offenbaren Jrrthümern zu thun hat, milde und freimüthig, wo er den Boden noch unter sich schwankend weiß, ersetzt dieser wissenschaftliche Geist, was er an naiver Gläubigkeit verliert, durch die Freude an dem Erkannten und durch die Begeisterung für die Erkenntniß. Dieser Geist erfüllt auch den vorliegenden Bericht, und giebt somit ein Zeugniß, daß er sich auch in den Vorlesungen selbst bethätige. Aus diesem Gesichtspunkte ersetzt er auch die sonst in solchem Programm übliche gelehrte. Abhandlung über irgend einen speciellen Gegenstand, und ist wie die Hochschule selbst in seiner Art neu, die freie Tendenz derselben bekundend. Deshalb wünschen wir ihm auch recht viele Leser. — Ed erscheinen schon wieder zwei neue Zeitschriften in hebräischen Lettern, die eine in hebräischer Sprache rr-PDisr; zu Berlin, redigirt von Slonimski, von der uns jedoch nur die erste Nummer zugekommen; in flüssigem Hebräisch abgefaßt, erhebt sich der Inhalt der Probenummer nicht über das, was diese Art Zeitschriften, für den Gesichtskreis östlicher Leser berechnet, zu bringen pflegt. Die zweite Zeitschrift «y^-pn mit dem Zusatz rraV, also für die rumänischen Juden bestimmt, erscheint in Bukarest, in deutscher Sprache, doch mit dem Anfluge des dortigen Jargons, bringt außer kleinen Aufsätzen, Neuigkeiten aus allen Ländern und aus Rumänien, und sucht besonders die vielfach gestörte Einigkeit unter den dortigen Juden zu befördern. Möge dies dem Blatte gelingen, von welchem uns bereits vier Nummern vorliegen. ' Deutschland. Eolberg, 28. Juli. Man schreibt von hier: „Der heutige Tag war für die Entwickelung und Bedeutung des See- und Soolbades Colberg ein -besonders ereignißreicher und wichtiger. Galt.er doch der festlich-religiösen Einweihung eines jüdischen Curhofpitals zum Webrauch der hiesigen Bäder, das erst 'vor etwa zwei Jahren dem Kopfe und Herzen eines langjährigen Freundes -unseres Bades, Herrn Sanitätsrath llr. Löwenthal-aus Berlin, als Idee entsprungen, heute schon durch den rastlosen Eifer und die Hingabe einzelner Männer für diesen schönen, humanen Zweck, 'als lebendige Frucht der -Barmherzigkeit, im Innern zweckmäßig, ja sogar elegant eingerichtet, dasteht. Es ist mit dieser Wohlthätigkeitsanstalt wirklich eine That der Humanität vollzogen, die, bedeutungsvoll an sich, einen noch größeren Werth dadurch gewinnt, daß sie zugleich als leuchtendes Beispiel Andere zur Erreichung ähnlicher humaner Ziele und edler Zwecke anregen wird. Möge dies nicht ausbleiben, und auch die zahlreichen Glieder der christlichen Confession sich zusammenschaaren, um - es den Brüdern in Israel in Bezug auf die Werke der Liebe und Mildthätigkeit gleichzuthun; hat doch Herr N. Oppenheim aus Berlin, der hauptsächlich durch seine humane Freigebigkeit es ermöglicht, daß nies jüdische Curhaus in so überraschend kurzer Zeit erstehen konnte, auch die erhebliche erste Gabe im Betrage

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