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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-18 · Heft 34 (18.8.1874) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 34 (18.8.1874)
Date
1874-08-18
Page
Seite 568 (sequence 2)
Language
German
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sind willkürliche Spielereien; ernster und bezeichnender sind die beiden Gesetztafeln, aber auch hierin liegt nur eine freiwillige Annahme. Die heilige Schrift braucht das Wort mfi< bei der Beschneidung (1 Mos. 17/11) und bei dem Sabbath (2 Mos. 3.1, 13. 17), also für keine äußerlichen Zeichen, sondern gottesdienstliche Handlungen. Eher träfe jenes zu, wenn sie die Worte des Gesetzes auf die Hand zu binden vorschreibt (2 Mos. 13, 9. 5 Mos. 6, 8). Allein dies wurde mehr zu einer gottesdienstlichen ^Verrichtung des Individuums und auf bestimmte Gebetszeiten beschränkt, als etwa zu einem allgemeinen Symbol der Religion selbst.*) . Das Judenthum ist sich also auch hierin treu geblieben, daß es irgend welches äußere Abzeichen als charakteristisches Symbol nicht angenommen hat. — Es versteht sich nun, daß an sich jedes äußere Zeichen anderer Religionen, wie Kreuz und Halbluonv, uns völlig gleichgültig sind, aber eben dann auch für uns eine Bedeutung erhalten, wenn sie als religiöses'Symbol auftreten, in welchem, wie insonders im christlichen Kreuze, gerade das prägnanteste Dogma concentrirt ist. Sie bilden dann' einen entschiedenen religiösen Gegensatz, und werden bei religiösen Acten unsererseits zu vermeiden sein. Der Unterschied zwischen religiösem und anderweitigenl Gebrauche ist in neuerer Zeit recht sichtlich geworden. Die Juden, auch sehr orthodoxe, nehmen keinen Anstand, Orden anzulegen, die in verschiedenartigen Kreuzen bestehen, weil in ihnen kein religiöser Gedanke, sondern eine staatliche Anerkennung zum Ausdruck kommt. Ganz anders verhielte es sich, wenn es ein Kreuzeines geistlichen Ordens gälte; man würde es einem Juden nicht verleihen, und dieser dürfte es nicht anlegen. Gefetzt, es heftete Jemand, mit Gewalt oder mit List, ein Kreuz oder einen Halbmond in einer Synagoge an, so würde daselbst Gottesdienst so lange nicht gehalten werden können, als bis jenes Zeichen wieder entfernt sei. Dagegen wird man es keiner Beachtung würdigen, wenn in derselben Synagoge sich in den gewöhnlichen Bau- und Zimmerarbeiten, z. B. an Fenstern und Thüren, zufällig eine Kreuzform abhebt; und wenn ein mit einem Kreuze geschmückter Christ, die Synagoge besucht, wird Niemand an ihn das Verlangen stellen, es abzulegen und der Gottesdienst dadurch nicht gestört werden. Wir sind eben so weit gelangt, nicht die bloße Form an sich sondern nur den Gedanken zu beachten, der mit einer Form beabsichtigt ist und unter gegebenen Umständen beabsichtigt wird. Ueberall, wo dieser Gedanke entschieden auftritt, in einem Symbol mit vollem Bewußtsein ausgeprägt werden soll und einen wirklichen Gegensatz zu unserer Religionslehre bildet, wird auch das Symbol von uns fern gehalten werden müssen; in jeder andern Beziehung ist uns ein solches Zeichen gleichgültig. Diese ganze Frage ist neuerdings in der Angelegenheit der Begräbnißplätze zur Sprache gekommen, und man hat sie als *) Das Wort r-!^ wird noch 4 Mos. 17, 3 als Erinnerungszeichen gebaucht, als die Räucherpfannen der Korachiten zu Platten'am Altar verarbeitet und befestigt wurden. Motiv für die gesonderten Friedhöfe der Juden betont. Man wand gegen die Einreihung jüdischer Gräber än die allgemeinen, für alle Confessionen bestimmten, nur nach-, dem Datum der Beerdigung geordneten Gräbexreihen ein, daß die religiösen Gebräuche der .Juden an dem Grabe eines solchen nicht ausgeübt werden könnten, wenn 'dicht daneben auf einem Grabe das Symbol einer andern Religion errichtet ist. Daß dies in dem allgemeinen Gefühle unserer Glaubensgenossen liegt und immerhin eine gewisse Andachtsstörung hervorbringt, wie dies anderseits auch bei andern Confessionen der Fall sein wird, und daß deshalb ein gesonderter Friedhof empfehlenswerth ist, muß von vornherein zugegeben werden. Man darf nicht vergessen, daß sich hierbei in das religiöse Gefühl auch noch ein anderes, das ein Erzeugniß der Geschichte ist, hineinmischt. Zu oft hatten die blutigen Verfolger der Juden das Kreuz mißbraucht, um unter dessen Ansehen und Einwirkung fanatische Fürsten lind fanatisirte Pöbelhaufen zu Greuelthaten gegen die Juden aufzuhetzen und nach dem Vorbilde Torquemada's im Namen desselben die Austreibung oder Ausrottung der Juden zu fordern, als daß nicht selbst in einer menschlicheren und duldsameren Zeit ein nachklingendes Gefühl dessen in der Masse der späten Enkel sich noch finden sollte. Wahrlich, nicht gegen-die heutigen Bekenner dieses Symbols ist dieses Gefühl irgend wie gerichtet, wohl aber noch eine Empfindung der Beängstigung hinsichtlich des Symbols selbst übrig geblieben. Bei aller Connivenz gegen dieses Gefühl, läßt es sich jedoch nicht verkennen, daß sich logisch aus ihm unter, zwingenden Umständen ein dauerndes Motiv gegen die Benutzung der allgemeinen Friedhöfe seitens der Juden nicht ziehen lassen wird. Denn einerseits wird man einwenden, daß das Grab, indem es eine jüdische Leiche aufnimmt, jüdisches Eigenthum wird, und die Nachbarschaft eines mit, dem Symbol einer anderen Religion versehenen Grabes die Ausübung der jüdisch-religiösen Ceremonie an diesem jüdischen Grabe ebensowenig zu verhindern braucht, wie etwa die Nachbarschaft einer Kirche die Errichtung einer Synagoge verhindert. Es mag dann und wann störend sein, aber ein Hinderniß ist es nicht. Andererseits wird man darauf Hinweisen, daß die religiösen Gebräuche im Sterbehause vollzogen werden mögen, so daß diese ein absolutes Hinderniß abzugeben nicht vermögen. Allein es ist eben noch ein ganz anderes Motiv für die gesonderten Friedhöfe der Juden vorhanden, das man bis jetzt nicht klar ausgesprochen. Aber in unserer Zeit heißt es einer Sache, .namentlich einer angegriffenen, keinen guten Dienst leisten, wenn man aus irgend einer Scheu ein wesentliches Moment verschweigt. Man macht es dadurch der Widerlegung der angegebenen Motive leichter, und was die Hauptsache ist, man weckt in den eigenen Anhängern nicht die ganze Stärke des Bewußtseins, die für einen dauernden Widerstand nothwendig ist. Gerade wir, die wir stets klar'nachgewiesen haben, daß unter den Juden weder eine politische, noch sociale Verbindung,- Cameraderie-

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