Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1874)
- Date
- 1874-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226960-3226995--32836-3255824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Leitung des Iudenthums. Ein unparteüsches Organ für alles jüdische Interesse. - Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2>/z Bogen. Preis Viertel iähria l Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. na die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle BuchbairdllUlgen, Postämter und ZeitungS- Expeditionen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lu-Mg Philipp so n in Bonn. Verlag von Bauurgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. L. Philippson Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inseratean Saumgürtner's Suchhaudlaug in Leipzig. Inserate, welche bis So »neritag eingeben, finden Inder darauffolgm« den Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 18. August. 1874. JW 34. I ' Inhalt. Leitende Artikel: Das Verhältniß zu den Symbolen Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Von der Donau. Pest. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: < Schreiben des Herrn L. Schr. £e\k&Mde, ßLtÜkel. Bonn, den 12. August. Das Verhältniß zu den Symbolen anderer Religionen und die GeMbnißplahfrage. Bekanntlich erzählt eine Legende, wie ein römischer Kaiser einen Rabbi gefragt: warum Gott, wenn er den Götzendienst verabscheute, nicht die Gegenstände unerschasfen gelassen, welche, die Menschen zu ihrer Abgötterei “ mißbrauchen? Der Rabbi antwortete: dann hätte Gott die ganze Welt nicht schaffen dürfen, denn es ist nichts in derselben vorhanden, weder die Sonne und die Sterne des Himmels, noch die Thiere des Feldes, der Lust und des Wassers, noch Baum und Strauch und Blume, welche Menschen nicht vergöttert und angebetet hätten. So war es auch in der That, und daraus entsprang das unbedingte und bestimmte mosaische Verbot, Götzenbilder im Lande Israels zu dulden und irgend ein Ding im Himmel, auf. Erden undim Waffer nachzubilden und es abgöttisch zu verehren. So stand das Iudenthum der ganzen heidnischen Welt gegenüber. Daher sagt noch Tacitus V. 5): Judaei mente sola unumque iiumen inlelliguut. Igilur nulla simulacra urbibus suis, nedum lemplis sinuui. „Die Juden erkennen Gott im Geiste allein und. einen einzigen an. Deshalb gestalten sie keine Abbildungen in ihren Städten, noch weniger in ihren Tempeln", und bemerkt kurz vorher, vaß ihre religiösen Gebräuche denen entgegengesetzt sind, welche bei allen übrigen Menschen stattfinden. In der l anderer Religionen und die Begräbrnßplatzfrage. — Literarischer Cobleuz, Bremen. — O est erreich-Ungarn: Wien, Ans Ungarn, Clevelaud, New-Sjork. — Palästina: Berlin. — Feuilleton: Ein That ward gerade zu des. Tacitus Zeilen (geb. 59 nach d. gew. Ztr.) das Verbot der Abbildungen mit größter Strenge von den Juden beobachtet, weil ihnen damals in der römischen Welt der Götzendienst,ganz nahe rückte. Die Zeiten änderten sich, und schon in der talmudischen Zeit, wo der Götzenbilderdienst sich immer mehr verminderte, wurde selbst bezüglich der Menschengestalt ein Unterschied zwischen erhabener und eingegrabener Arbeit (noVn und nVpwiu) gemacht, und zwar Bilder von Sonne, Mond, Sterne und Engeln in jeder Art verboten, dagegen solche von Thieren und Pflanzen in jeder Art gestattet. (Maim. Hilch. a"*oy UI § 9—11.) Jetzt, wo es Niemandem einfällt, bei einem allen griechischen oder egyptischen Götzenbilde an eine abgöttische Verehrung zu denken, wird es auch einem jüdischen Künstler nicht verübelt werden können, wenn er ein solches nachbildet. Eine Statue Apollo's bedeutet nichts als die siegende Poesie und Musik, nicht aber den Begriff einer Gottheit; und somit trifft sie das Verbot nicht mehr. Indes; haben die Religionen, unter , deren Bekennern die Anhänger des Iudenthums leben, und die in ihren Glaubenssätzen zum Theil dem Iudenthume entgegengesetzt sind, gewisse Symbole angenommen. Wir verstehen hier unter Symbol nicht Bekenntnißformeln, sondern jene äußerlichen Zeichen, welche für die betreffende Religion zum einem Charakteristicum geworden, wie z. B. das Kreuz für das Christenthum, der Halbmond für den Islam. In welchem Verhältnisse stehen wir nun zu diesem Symbol oder Zeichen (si^num) vom religiösen Standpunkte? Das Iudenthum hat solche Symbole nicht; denn etwa das sg. „Schild Davids", zwei verschränkte Vierecke, oder der „Löwe von Juda"