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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-11 · Heft 33 (11.8.1874) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 33 (11.8.1874)
Date
1874-08-11
Page
Seite 561 (sequence 11)
Language
German
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hundertjährigen tief eingewurzelten Übeln Gewohnheiten auch nur zu.halten vermögen, zu irgend größerer Wirksamkeit, gelangen können? Unserer Ansicht nach können die Zustände«der Juden im Oriente nur durch allmälige Hebung der allgemeinen Bildung und Cultur in diesen Ländern dauernd und -in größerm Umfange gebessert werden. Konstantmopel, 20. Juli. lieber die hiesigen Excesse schreibt die „Jtalie" vom 18. Juli: „Das angebliche Opfer eines griechischen Kindes durch die Juden des Valuta-Viertels giebt noch immer «zu Unruhen Anlaß. Wo immer Judenviertel sind, zu Balata, Haßkeny, Ortakeny, Kusquedjuk, setzt es täglich Zusammerrottungen und Angriffe, bei denen Polizeiagenten und Soldaten interveniren müffen. Man verbreitete, dem neunjährigen griechischen Kinde, dessen Leichnam man im Meere bei Balata fand, «wäre ein Auge ausgestochen, die Nägel losgelöst, die Zunge abgeschnitten, Hände und Füße durchbohrt und die Adern geöffnet gewesen. An dem Ganzen war kein wahres Wort, und es handelte sich einfach um eiu ertrunkenes Kind, das fast eine Woche im Waffer gelegen hatte. Eine Commission von fünf renommirten griechischen Aerzten erstattete einen detaillirten Bericht; der Polizeimeister veröffentlichte eine officielle Mittheilung; der griechische Patriarch ließ ein Rundschreiben in den Kirchen verlesen; alle diese Dokumente dementiren auf's Entschiedenste die in Umlauf gesetzten Gerüchte. .Trotzdem wollen sich die Griechen «noch nicht zur Wahrheit, bekehren und die Juden nicht unbehelligt laffen. Die Juden vertheidigen sich gegen.aste diese Angriffe und haben den Entschluß gefaßt, in corpore eine Satisfaction von der griechischen Commune zu verlangen, und :gegen die griechischen Journale, welche diese falsche Nachricht verbreitet halten, klagbar aufzutreten." — . Die Sachlage war ganz einfach diese. Ein.Griechenkind von 8 Jahren, besten Eltern im Fanar an der Küste des Meeres wohnen, , stürzte in die See und ertrank. Erst 14 Tage nach dem Unglücksfalle fand man seine Leiche am Ufer. Hin «griechischer Arzt constatirte, daß das Kind ertrunken, sei. Die unglückliche Mutter. beruhigte sich hierbei nicht; der Patriarch .versammelte einen Rath von fünf griechischen.Aerzten, welche einstimmig dasselbe Urtheil fällten. . Dennoch beschuldigten die Griechen einen in der Nähe wohnenden Juden,. aM Tode .des Kindes Schuld zu sein, und den Patriarchen, .dessen Capitel und alle Aerzte, bestochen, zu sein. Der aufgeregte griechische Pöbel warf « sich auf die Juden, welche sich aber tapfer verteidigten, so daß es zu blutigen Händeln. kam. Der türkische Polizeiminister griff aber rasch und energisch ein, ließ 200 griechische Rädelsführer verhaften, und stellte die Ruhe wieder her, welche nur hier und da noch durch einige Plänkeleien gestört wird. Ieuil Mar Cerfberr. Wir geben hier einige biographische Notizen über den Ende Januar d. I. verstorbenen Obersten Max Cerfbeer, und zwar nach den Arch. isr. Theodor Max Cerfberr, geboren zu Nancy den 9. December 1792, gehörte jener edlen aus dem Elsaß stammenden Familie an, welche ihres Verdienstes und ihrer patriotischen Gesinnung wegen die erste war, der durch das alte Regime der Genuß gewisser bürgerlicher Rechte gewährt wurde. Am 5. April 1775 wurden Patente einregistrirt, welche dem Juden Cerfberr erlaubten, bewegliche und unbewegliche Güter im Königreiche.zu erwerben und über sie testamentarisch zu verfügen, sowie, auch seinen Nachkommen, sie zu besitzen. Auch das Parlament von Paris registrirte diese Patente ein, jedoch mit der Clausel, daß Cerfbeer keinen Fremden herein bringe. Es war dies der Großvater unseres Max, von dem die Reise nach Versailles und der Empfang durch den König Ludwig XVI. bekannt ist. Er gelangte zu großem Reichthum in Paris, verlor ihn aber unter den Stürmen der Revolution. Max Cerfberr war wie seine Brüder genöthigt, sich selbst eine Stellung in der Welt zu erringen, und wandte sich der militärischen Laufbahn zu. Der General Kellermann war Freund seines Vaters und ernannte den 18jährigen Jüngling, der keine militärische Schule £ C t 0 -XL besucht hatte, zum Unterlieutenant, was in Frankreich .stets äußerst selten war. Cerfberr ging nach Italien ab, wo er. den Feldzug gegen Genua mitmachte; dann mach Spanien, wo er. an der Verteidigung von Pampelona Theil nahm, im Beine durch eine Flintenkugel schwer verwundet und bei der Uebergabe des Platzes zum Gefangenen gemacht wurde, als welcher er von 1813 bis 1814. auf den berüchtigten Pontons verblieb. Nach Frankreich während der hundert Tage zurückgekehrt, * wurde er vom General Rapp in Straßburg zum Capitän ernannt, .was jedoch Ludwig XVIII. erst 1'817 bestätigte. 1821 trat er in den Generalstab ein, wurde 1824 Ritter d. h. Ferdinand-Ordens. 1825 der Ehrenlegion, 1829 des Militärverdienstes. Im Jahre 1832 zum Bataillonschef ernannt, diente er bis 1842 als Adjutant bei verschiedenen Generälen, und da er sich als Militär-Schriftsteller hervorgethan, als Secretär bei verschiedenen Commissionen für die Waffenrüstungen. Als General Schneider Kriegsminister war, berief er Cerfberr in sein Cabinet, ernannte ihn 1839 zum Oberstlieutenant, und erhöhte ihm am 25. Februar 1840 mit einem höchst schmeichelhaften, seine Verdienste anerkennenden Schreiben seinen Gehalt als Cabinets-Chef von 8000 auf 9000 Frcs. Im Jahre 1846 wurde er zum Obersten ernannt. Sein. Bruder Eduard, Militärintendant, bei der Einnahme von Trokadero in Spanien verwundet, erhielt den Rang eines. Generals. Ein anderer Bruder Alfons, Artillerie-Capitän 33*

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