Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1874)
- Date
- 1874-08-11
- Page
- Seite 558 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Borgia und ein historisches Buch Über Lorenzo bt. Medici. *) Kunsthändler gingen fortwährend bei ihm ein und ans. In den letzten Tagen machte er noch den Ankauf kostbarer Majoliken, die ihm in das Krankenzimmer gebracht wurden. Die Bildergalleriedes Verstorbenen repräsentirt den Werth vieler Millionen; sie enthält werthvolle Stücke fast ausschließlich alter Meister, da ihr Besitzer vor nicht gar langer Zeit alle modernen Producte daraus entfernte. - Für die kürzlich inden Räumen des österreichischen Museums veranstaltete Ausstellung von Gemälden alter. Meister hat die Gallerte des Dahingeschiedenen die werthvollsten und intereffantesten Objecte geliefert. Er war ein ständiger Besucher aller Auctionen, oder einer seiner Bevollmächtigten wählte auf denselben die entsprechendsten Gemälde. Der Zug nach dem Alten documentirte sich auch in den sonstigen Sammlungen des Barons, deren großer Werth kaum festzustellen sein dürfte. Er war Kenner und Liebhaber für alten Schmuck, Bronce und Armaturen; es wird erzählt, daß Baron Rothschild für eine Rüstung, deren Ciselirung von Benvenuto Cellini herrührt, den enormen Kaufpreis von 300,000 fl. nicht scheute. Das Stiegenhaus seines sonst so schmucklosen Palais in der Renngaffe birgt werthvolle Marmorstatuen, und im Vestibüle sind Jaspisvasen aus Rußland ausgestellt. Freiherr v. Rothschild war mit unter den ersten Mitgliedern der österreichischen Pairskammer bei deren Gründung; die Würde ist ihm auf Lebensdauer verliehen worden. Er hatte neben dem Historiker Ritter v. Arneth und in der Nähe Schmerling's seinen Sitz eingenommen. Eine prononcirt politische Färbung hatte seine Thätigkeit im Hause nicht, sie erfolgte jedoch immer in liberalem Sinne; er war fast ständig Mitglied der Finanzcommission, fehlte bei keiner wichtigen Berathung und fungirte unter Anderm als Berichterstatter über die Reduction des Silberanlehens vom 2. Mai 1884 und über den Staats- Voranschlag, „Zinsen der Staatsschuld". In der confessionellen Debatte des Jahres 1868 stimmte er mit den Liberalen; ander confessionellen Debatte der jüngsten Zeit theilzunehmen, war er bereits durch seine Krankheit verhindert. Die exceptionelle Stellung, auf welche Freiherr von Rothschild erhoben war/ brachte ihn auch in vielfache und sehr intime Beziehungen zu den Mitgliedern der hohen Geburtsaristokratie. Die gewaltige Goldprobe, welche er zu bieten im Stande war, überwog in seinem Falle die in diesen Kreisen stets so Ledachtvoll vorgenommene Ahnenprobe, und man sah die weiblichen Abkömmlinge der Metternichs und Zichys in den Salons des Gelvfürsten mitunter in Vertretung seiner Gattin die Honneurs machen. Die Munificenz des Verstorbenen wird in Legaten und Stiftungen eine Fortsetzung finden. Man spricht davon, daß er solche in großer Zahl Hintersassen habe; seinen Söhnen ist in *) Daß der verst. Freiherr für die jüdische Literatur und Wissenschaft auch nur einen Obol geopferthaben wir niemals gehört. Red act i o n. dieser Beziehung ein weites discretionäres Verfügungsrecht eingeräumt. Das Hospital in der Roßau, welches Freiherr von Rothschild um fast eine halbe Million Gulden errichten ließ, gestattet wohl einen Schluß auf die Größe seiner letztwilligen wohlthätigen Anordnungen. Bon der Höhe seines Nachlasses in bestimmten Ziffern zu sprechen, ist wohl selbst den nächsten Angehörigen jetzt unmöglich; dieses riesige Vermögen, von welchem noch ein großer Theil fortwährend fluctuirte, wird von den Einen auf vierhundert, von Anderen auf sechshundert Millionen geschätzt. Jedenfalls gehörte Baron Rothschild zu den stärksten Actionären, welche die Finanzwelt nennt; als Besitzer von Nordbahn- und Creditactien war er in Oesterreich selbstverständlich stets in entschiedener Uebermacht. Es soll hier der Wahrheit gemäß betont werden, daß der Verblichene der ärmeren Menschheit von diesem gigantischen Reichthume fortwährend seinen starken Tribut als vielumstürmter Wohlthäter zollte. Sein Haus ward von Bittstellern buchstäblich niemals leer, und die Bettler in allen Formen und oft milden ungemessensten Ansprüchen drängten sich heran. Durfte auch Niemand, wie Mancher wohl im Stillen hoffen mochte, Millionen aus dem Hause forttragen, so verließ es doch kein Bittsteller, ohne reichlich beschenkt worden zu sein. Prag, 24. Juni. lPrivatmitth.) Samstag den 20. Juni verließ der gewesene Statthalter und Landescommandirende von Böhmen, Alexander Freiherr von Koller, unsere Hauptstadt Prag, um seinen neuen Posten als k. k. Reichskriegsminister anzutreten. Welche Verdienste sich Koller in seiner mehr als dreijährigen Thätigkeit an der Spitze der Civil- und Militärverwaltung Böhmens erworben hat, ist von der gesummten reichstreuen Presse hinlänglich gewürdigt worden; uns speciell sei es vergönnt, hier mit wenigen Worten das zu erwähnen, wodurch sich Freiherr von Koller die gesummte Judenschaft Böhmens für immer zum Danke verpflichtet hat. Als unser gewesener Statthalter vor drei Jahren die Leitung der Civil- und Militärangelegenheiten in Böhmen übernahm, da war bereits das wahlagitatorische Treiben der reichsfeindlichen Elemente-daselbst in ein Stadium getreten, in dem nicht nur Wahlfreiheit der Einzelnen, sondern in vielen Fällen sogar die persönliche Sicherheit derselben auf's höchste gefährdet war. Und daß die jüdische Bevölkerung Böhmens, die gerade in den Städten ein nicht unbedeutendes Contingent zur versaffungstreuen Partei stellt, unter solchen Verhältniffen nicht der am wenigsten betroffene Theil war, läßt sich leicht erklären. Freiherr von Köller war es nun, der mit seltener Energie und einem strengen, aber gerechten Verfahren, diesen Zuständen in der kürzesten Zeit ein Ende machte, und überall dem Gesetze, sowie auch den Rechten des Einzelnen die gebührende Achtung verschaffte, und zwar in einer Weise, die ihm nur die Liebe und Achtung der gesammten Bevölkerung Böhmens, ohne Unterschied der Confession und Nationalität, verschaffen mußte. Die Bildung israelitischer Cultusgemeinden wurde unter