Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1874)
- Date
- 1874-08-04
- Page
- Seite 538 (sequence 4)
- Language
- German
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538 ist der Ultramontanismus; Alles was dem Ultramontanismus widerstreitet, ist „jüdisch oder judaisirend". Denn die Juden sind von einem unerschöpflichen Hasse gegen das Christenihum beseelt und gehen consequent seit achtzehn Jahrhunderten gegen dasselbe vor. Dies erklärt aber noch nicht Alles. Wie ist es möglich,' daß dieser Haß so Außerordentliches bewirkt? Dadurch, daß die Juden seit achtzehn Jahrhunderten nach der Herrschaft der Welt streben, sie bereits in außerordentlichem Maße erlangt haben und immer mehr erlangen. Dies ist „die Verjudung der Welt und die Judenherrschaft." Hiermit ist das System vollendet. Wie die Ultramontanen bis hierher gelangen, ist psychologisch erklärlich. Sie selbst streben nach der unbedingten Herrschaft, nach der Beherrschung der ganzen Welt. Was sich ihnen unterwirft, das lieben sie; was ihnen widerstreitet, das hassen sie. Hassen es mit unverlöschlichem Hasse und haben dies in zahllosen geschichtlichen Thatsachen erhärtet. Was ihnen widerstreitet und was sie deshalb hassen, das gilt ihnen als antichristlich. Diese ihre eigene Procedur schieben sie nun den Juden unter. Die Juden streben nach der Weltherrschaft; was ihnen hierin widerstreitet, das hassen sie; darum hassen sie Alles was christlich ist. - So absurd, so abentheuerlich, so blödsinnig und lächerlich dies ist, sie spielen es in tausendfacher Melodie auf, sie schreien es in die Ohren ihrer Anhänger, warum sollten diese es nicht endlich glauben? Freilich sehen sich diese Leutchen um und gewahren von dieser Judenherrschaft nichts. Ihre Fürsten, ihre Staatsmänner, ihre Gesetzgeber, ihre Richter,.ihre Magistrale, ihre Polizei, ihre Officiere, ihre Professoren, ihre Lehrer, ihre Arbeitgeber (Meister und Fabrikherrn) sind keine Juden; wenn sich jüngst unter den Volksvertretern und Stadtverordneten einige wenige Juden finden, so haben sie diese ja selbst gewählt; wenn einige Juden Professoren und Lehrer geworden, so ist dies eine völlig verschwindende Zahl; waren doch die deutschen Regierungen den Juden niemals freundlich gesinnt und jeder kleine, für das Ganze nichts bedeutende Schritt mußte ihnen abgerungen werden. Auch unter den Arbeitgebern, unter den Meistern und Fabrikherren giebt es nur eine geringe Zahl Juden, die für die allgemeinen Verhältnisse und ihre Richtung von keiner Bedeutung sind. Als Kaufleute und Händler sind die Juden vielmehr die Diener des großen Publikums, als daß sie eine Herrschaft übten; ja, wenn man ihnen als solchen eine besondere Gewandheit zuschreibt, soheißt dies nichts Anderes, als daß sie sich leichter von den Bedürfnissen und Neigungen ihrer Kunden beherrschen lassen, als ihre" zahlreicheren christlichen Concurrenten. Wo ist also diese Judenherrschaft zu suchen? Die Ultramontanen sind nicht in Verlegenheit. Sie Hallen dem Volke zwei große Schreckbilder vor: die Börse und die Presse, malen diese beiden Schreckbitver mit den brennendsten Farben aus und schreiben ihnen die Herrschaft über die. ganze Welt zu. Börse und Presse gehört den Juden — so ist die Judenherrschaft fertig. Beweise! Die sind leicht zu geben. Die ganze Börse ist nichts weiter, als das Haus Rothschild, die ganze Judenheit ist auch nichts weiter, als das Haus Rothschild , folglich ist die Börse nichts als die Judenheit. Wer die Möglichkeit dieses Blödsinns bezweifelt, lese das Buch von Conftantin Frantz; die Juden verschwinden in ihm bald ganz und sind nur noch das Haus Rothschild. Für die Presse giebt es leider eine solche Verkörperung der Judenheil nicht. — Aber es genügt, die gesammte Presse, die nicht ultramontan ist, „Judenblätter" zu nennen —. das ift doch genug Beweis, daß die gesammte Presse jüdisch ist, oder doch „judaisirend"', und den Juden angehört. Durch die Börse und die Presse beherrschen nun die Juden Alles: den Staat, die Gesellschaft, die Armee, die Gesetzgebung, die Verwaltung, die Wissenschaft, die ganze Industrie, die Literatur, die Schule, und jetzt wollen sie auch die Kirche beherrschen, um sie zu zerstören . . . Doch hierüber noch etwas Näheres in unserm Schlußartikel. Hiermit wäre das System fertig, aus welchem, wie aus einer unüberwindlichen Festung, man nach allen Seiten hin Angriffe auf die Juden machen kann, um sie, die vermeintlichen Belagerer, zurückzuschlagen und dann zu vernichten. Man sieht, das System ist nicht neu. Die Kreuzzeitungsritter und ihr ganzer Anhang haben es bereits seit 1849 gepredigt und zum Ueberdruß wiederholt. Die Ultramontanen haben es diesen ihren Brüdern entliehen. Was aber Neues von ihnen hinzugefügt ist und von Conftantin Frantz in schamloser Unumwundenheit ausgesprochen wird, das ist Folgendes: Die Kreuzzeitungspartei benutzte dieses System gegen die moderne Gesetzgebung, um sie dem Volke verdächtig zu machen; die Ultramontanen richten es gegen das deutsche Reich. Mit einer wahren Wuth stürzt sich Frantz gegen das neue deutsche Reich. Es ist ihm völlig verjudet, steht ganz unter der Judenherrfchaft. Es ist zum Lachen, aber Herr Frantz meint es ernst; vielleicht meint er es selbst nicht ernst, jedenfalls will er es seinen Lesern ernstlich einreden. Auch hierüber noch Einiges. (Schluß folgt.) ^tihjLAii^öwcccfazic&teAAj. Deutschland. Berlin, 19. Juli. (Privatmitth.) Die „Voss. Ztg." enthielt vor Kurzem einen ausführlichen Artikel, über „Berliner Kirchen und Kirchenpublikum". In demselben wird, was freilich schon alle Welt weiß, auseinandergesetzt, daß Berlin arm an Kirchen und noch ärmer an Kirchenpublikum ist. Als .Beweis wird auch angeführt, daß auf eine Million Einwohner nur 60