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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-08-04 · Heft 32 (4.8.1874) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 32 (4.8.1874)
Date
1874-08-04
Page
Seite 537 (sequence 3)
Language
German
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und diesen nun, trotzdem er nur einen verschwindend kleinen Procentsatz ausmacht, für die ganze Masse ausgiebt. Daß diese antitalmudischen Sammlungen hundert Male widerlegt, die Fälschungen nachgewiesen, die Verstümmelungen gezeigt, das ganze unerhört unredliche Verfahren an's Licht gestellt worden, kümmert die Gegner der Juden nicht im Geringsten; man beruft sich immer wieder auf jene, man erborgt von ihnen immer auf's Neue, und citirt alle diese Copien Eisenmengers als lauter Quellenschriften, die aus wirklicher Kenntniß und langem Studium hervorgegangen seien. Ja, daß die Juden das Erscheinen jenes elenden Machwerks Anfangs zu verhindern versuchten, macht man ihnen zu einem Eingeständniß der Wahrheit, während sie sich doch nur aus der gerechten Furcht vor dem großen Unheil darum bemühten, das sie bei der Gesinnung, die gegen sie waltete, daraus für sich erwachsen sahen. Nein, wir Juden weisen mit Entrüstung jedes Gefühl des Hasses, jede nachhaltige Empfindung der Rache gegen Christenthum und Christen von uns zurück! Wir fordern Jedermann auf, in der Geschichte der letzten fünfzehn Jahrhunderte Thatsachen nachzuweisen, in welchen ein solcher Haß zum Ausdruck gekommen wäre. Man gehe in unsere Synagogen und weise Worte des Hasses nach, die von unserien Kanzeln ertönen; man gehe in unsere Religionsschulen, ob der Jugend nur ein Wort der Feindseligkeit eingeflößt werde; man schlage unsere Religionsbücher nach, ob darin ein Wort feindlicher Aufreizung zu lesen sei; man untersuche unser öffentliches und häusliches Leben, ob sich darin irgend eine That oder irgend eine Form entdecken lasse, welche ein feindseliges Verhalten kundgiebt. Wer eine solche Untersuchung nicht anstellt, der setzt freilich bei den unaufhörlichen Schmähungen auf die Juden in Schulen, Kirchen und Literatur voraus, daß es bei ihnen auch so sei. Allerdings enthält das Judenthum Lehren, die den Dogmen der christlichen Kirche widersprechen; wir sind die Letzten, welche diese Widersprüche verkleistern wollen, auch müssen diese Widersprüche ausgedrückt werden, (sind aber Widersprüche schon Haß und Feindseligkeit? Begründen einfache dogmatische Widersprüche eine Welt unauslöschlichen Hasses, die sich in Thaten, in einem System feindseliger Handlungen, consequent durch viele Jahrhunderte vollbracht, aufbaut? Von Seiten der Juden ist dies nicht im Geringsten nachweisbar. Man wendet nun ein, die Juden haben in ihrer Ohnmacht und aus Furcht ihren Haß nicht zur That werden lassen. Gut, so ist dies doch immer nur Voraussetzung; wir wollen diese Motive schon gelten lassem aber es ist dann doch von den Juden nichts geschehen, was diese Feindseligkeit wirklich bethatigte. Eine Gesinnung und Empfindung, die niemals zum Handeln kommt, erlischt in sich selbst und sobald die Ursachen aufhören. Und hierin liegt auch die Erklärung, warum bei den Juden, trotz der unsäglichen Verfolgungen und Bedrückungen, die sie erlitten, Haß und Rachedurst nicht aufgekommen sind, warum bei der geringsten Erleichterung, die ihnen wurde, die stürmischen. Gefühle des erlittenen Unrechts schwanden, und das Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit sich entzündete. Auch muß man erwägen, daß die Gewohnheit in der Beurtheilung der Dinge Alles ausmacht. Die Juden waren der Mißhandlung so gewohnt, daß sie sie als natürlich Hinnahmen — „dafür sind wir im Golus (Verbannung") sagten sie — und nur froh waren, wenn eine solche zu Ende war. Schließlich darf nicht übersehen werden, daß in der jüd. Welt die Propaganda nach Außen niemals vorherrschte; es lag dies in der Natur der Sache, da ihre Religion an die Nationalität geknüpft war; sie waren daher von Beginn an gewohnt, sich im religiösen Widerspruch mit der übrigen Welt zu sehen, ohne sich darum im faktischen Gegensatz zu ihr zu wissen; sie waren gewohnt, andere Religionen bestehen zu sehen, ohne sie befeinden zu wollen und zu müssen. Das Bestehen des Christenthums war ihnen deshalb nur eine ganz natürliche Sache; sie hatten sich gegen dasselbe zu verlheidigen, wenn und soweit es sie angriff; aber es selbst anzugrcifen, es selbst auf Leben und Tod zu befeinden, ja nur zu versuchen, es zu untergraben, lag und liegt ihnen völlig fern, und um so ferner, sobald das Christenthum begann sie in Ruhe zu lassen. Ein feindseliges Auftreten gegen das Christenthum oder gar eine systematische Unterwühlung desselben Seitens der Juden ist daher lediglich eine böswillige Erfindung ihrer Gegner. Man wird einwenden, daß unter den Schriftstellern neuern Datums, welche das Christenthum bekämpfen, auch Juden seien. Wir geben es zu, und warum sollte es anders sein? Aber wir können Nachweisen, daß nicht weniger Juden unter denen sind, die das Judenthüm als positive Religion bekämpfen. Man kann also von jenen ebensowenig wie von diesen auf das ganze Judenthum und die ganze Judenheit schließen. Und dabei haben jene doch nur eine geringe Rolle gespielt. Strauß, Ronan, Bruno Bauer und wie die wirklichen Coryphäen der antichristlichen Tendenz heißen, waren keine Juden und sind vielmehr recht arge Feinde auch der Juden gewesen. Nein! wir Juden machen uns kein Verdienst daraus, keine Feindseligkeit gegen Christenthum und Christen gehegt zu haben und zu hegen, trotz des unermeßlichen Hasses, den man gegen uns übte und übt — aber wir wollen uns jene nicht insinuiren, noch weniger diesen so aufbauschen lassen, daß was irgend Antichristliches geschieht, uns auf die Schultern geladen werde. Ja, selbst der Ultramontanismus würde die Juden nicht in den Reihen seiner entschiedenen Gegner sehen — so groß auch die Gefahr seiner Herrschaft für uns sein würde — wenn er nicht stets und consequent uns verfolgte und den Haß gegen uns als ein Mittel benutzte, um das verblendete Volk anzustacheln. Denn weiter ist fein Vorgehen gegen uns doch nichts; er sagt die Juden und schlägt auf uns, und meint den Staat, die Wissenschaft, die Humanität, die Aufklärung, die Bildung, die Menschenachtung, kurz Alles, was sich seiner, des Nltramontismus unbedingten Herrschaft widersetzl. Hiermit ist das System noch nicht fertig. Das Christenthum

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