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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-28 · Heft 31 (28.7.1874) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 31 (28.7.1874)
Date
1874-07-28
Page
Seite 530 (sequence 12)
Language
German
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53.0 unsicheres Schreiten im Finstern, wenn eine Gesellschaft, die die Bildung des russischen Juden fördern soll und die ihre Bilanz mit einem Cassenbestand von etwa 19,000 Rubeln schließt, wenn eine solche Gesellschaft den Verfasier einer noch nicht erschienenen Reisebeschreibung in hebräischer Sprache mit 10 0 Rubeln unterstützt, aber für die Verbreitung der in russischer Sprache erscheinenden jüdischen Bibliothek nur 50 Rubel, für die Verbreitung eines jüdischen Katechismus in russischer Sprache ebenfalls nur 50 Rubel ausgiebt? Ist es nicht ein Tasten im Dunkeln, wenn man den Herausgeber eines ausländischen hebräischen Journals mit 200 Gulden, den Herausgeber des „Hakarmel", einer unbedeutenden, völlig fruchtlosen Monatsschrift, mit 200 Rubeln, den Verfasser einer hebräischen Geschichte der hebräischen Literatur' — einen gewandten Literaten, der einige Novellen und Romane recht geschickt in's Hebräische übersetzt, aber nicht im Geringsten das nöthige Zeug zum Verfassen einer Literaturgeschichte besitzt, der keine Ahnung von wissenschaftlicher Bildung hat — mit 50 Rubeln unterstützt, aber keine nöthige Mittel anwendet, um ein jüdisches Organ in der Landessprache sicher und beständig zu unterhalten? — Muß e$ lischt Stimmen der Verzweiflung Hervorrufen, wenn eine Gesellschaft mit 19,000 Rubeln Vermögen, welche die Bildung unter den Juden zu fördern vorgiebt, einen Rabbiner , welcher um eine Unterstützung zur Anstellung eines jüdischen Religionslehrers an einer Kreisfchule nachsucht, mit seiner-Bitte zurückweist; wenn diese Gesellschaft einem gewandten Jgrgoy--Prediger ein Geschenk von 300 Rubeln macht, während sie eine Bitte um 50 Rubeln zu Gunsten der armen jüdischen Bevölkerung zu Selow, um ihnen den Genuß einer Volks- Bibliothek möglich zu machen, ohne Bedenken zurückweist? — Bei der Rabbinerschule zu Wilna hatte die Gesellschaft einige Stipendiaten. Nachdem die Rabbinerschulen von der Regierung ausgehoben und an deren Stelle verkrüppelte jüdisch e Lehrerinstitute mit christlichen Direktoren an der Spitze gegründet wurden, wendet sich der Direktor des Wilnaer jüdischen Lehrerinstitus mit der Bitte, die Stipendien, welche sie an der. Rabbinerschule gestiftet hatte, an das Lehrerinstitut zu übertragen. Die Gesellschaft hält eine Sitzung und erklärt: „1) Die. Allerhöchste Bestätigung zur Stiftung dieser Stipendien lautete ausdrücklich zu Gunsten der Nabbinerschule. 2) Bei Stiftuug der Stipendien hatte die Gesellschaft vorzüglich die Rabbinatszöglinge im Auge." „Außerdem", wird in derselben Sitzung auseinandergesetzt, „ist jetzt für das Heranbilden von jüdischen Lehrern zur Genüge gesorgt, während das Heranbilden von gebildeten Rabbinern der Willkür des Schicksals überlassen ist." So sprach die Aufklärung verbreitende Gesellschaft und — cs ist kaum glaublich, aber im Berichte stehet es gedruckt-— that, was mit den eben auseinandergesetzten, allerdings sehr richtigen Ansichten im direkten Widerspruche stehet: sie that, was der Herr Direktor gewollt!—. Aber das Heranbilden von gebildeten Rabbinern ist ja „der Willkür des Schicksals überlassen", wie hilft nun die Gesellschaft diesem Uebelstande ab? — Zwei Zöglinge der früheren Rabbinerfchulen bitten um. Unterstützung, damit sie im Auslände das Studium der jüdischen Theologie fortsetzen können, und die Gesellschaft „findet es für unmöglich, den Gesuchen zu willfahren!" Gewiß kann eine wohlthätige Gesellschaft manches Mal überflüssige Ausgaben machen oder nöthige unterlassen, aber dann geschieht es aus falschem Verständniß der Umstände. Etwas aber öffentlich für schlecht anerkennen, und es. dennoch thun, etwas für der dringensten Hilfe bedürftig erklären, und dennoch jede Hilfe verweigern, dies sind doch Zeichen einer schwachen Einsicht und-Willenskraft. — Wodurch fördert man wohl mehr, die Bildung, durch beständige Stiftungen, Stipendien ü. dgl., oder durch einmalige Unterstützungen u. dgl.? — Natürlich durch die ersteren. — Sehr richtig, sagt die Gesellschaft, und hat an Stipendien eine Ausgabe von 1000 Rubeln, während die Gesammtausgabe 6200 Rubel beträgt! — Was ist wohl für die Juden in Rußland wichtiger, specielles Fachwissen oder allgemeine Volksbildung? — Gewiß doch letztere. — Versteht sich, denkt die Gesellschaft, - und vertheilt die Stipendien aus-' schließlich an Studenten der Universitäten! L. O. L. Harah. Den il Egypten — kein Monotheismus! Unter den Egyptologen gab es immer einige, auch in neuerer Zeit,, welche, besonders auf eine Stelle des Jamblichus (starb 333 nach der gew. Ztr.) in dessen Buche über ephptische Mysterien gestützt, einen Montheismus als Kern der egyptischen Religion ansahen. Trotz der Vielgötterei, die in jedem egyptischen Tempel betrieben ward, und daß in jedem Nomos eine andere Gottheit in Begleitung von Nebengöttern verehrt wurde, unddaß die Inkarnation der verschiedenen Götter in verschiedenen Thieren eine große Rolle spielte, wollte man doch annehmen, daß zum Unter- und Hintergründe aller dieser Göttererscheinungen eine monotheistische f c f o II. ‘ Gottesidee gelegen habe und war geneigt, Moses als einen Schüler dieser Weisheit anzusehen. Diesem tritt nun der größte und glücklichste Forscher in den egyptischen Monumenten, August Mariette, der gegenwärtig Generalinspector aller Monumente in Egypten ist, nachdrücklich entgegen. Die Revue des Deux Mondes vom 15. März enthält einen größern Aufsatz über „die Mission und Arbeiten des Herrn Mariette", und war dem Verfasser ein Einblick in die noch nicht veröffentlichten Manuskripte des gedachten Herrn gestattet. Der Schluß dieser Abhandlung lautet in treuer Uebersetzung. „Nach der berühmten Stelle von Jamblichus, welche man bis heute als Stützpunkt aufgestellt hat, woraus-das . ganze reli-

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