Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1874)
- Date
- 1874-07-28
- Page
- Seite 528 (sequence 10)
- Language
- German
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einigen Eindruck gemacht und einmal für die Idee jener Herren gewonnen.— wie könnte da wohl ein so großer Gesetzgeber anderer Meinung werden!! Kaum hat wohl je ein grimmiger Feind des Judenthums den Streich so intensiv gegen dessen innersten Lebensnerv geführt, wie jenes, durch Herrn Lasker hervorgerufene Gesetz thun wird. Ohne anderen Gemeinden ein ähnliches Prognosticon stellen zu wollen, sind wir leider schon in der traurigen Lage berichten zu müssen, daß die Gemeinde K, im Holstein'schen ihrer nahen Auflösung entgegengeht. Aus Zanksucht oder sonst unlauteren Motiven versagen dort mehrere der hervorragendsten Steuerzahler — sich schon jetzt auf das neue Gesetz berufend — ihre Cultusbeiträge, und das eben sich constituirende Gemeindewesen versinkt wieder in's Chaos. Wir Juden in Schweden sind zwar nicht vom Schicksal mit einem so bedeutenden Gesetzgeber jüdischen Glaubens beglückt, wir leben daher noch unter dem „Drucke" des Steuerzwanges und unser Gemeindewefen erfreut sich des besten Gedeihens. Die Gemeinde hat für die verhältnißmäßig kleine Anzahl ihrer Mitglieder ein Budget von circa 40,600 Reichsthaler, von denen allein für Wohlthätigkeitszwecke 11,000 Reichthaler verwandt werden. Sie unterhält außer dem Rabbiner, den auch in deutschen Gelehrtenkreisen rühmlichst bekannten Dr. Levyson, zwei Cantoren, Lehrer, Schochet, Organist rc., und besoldet ihre Beamten bei Weitem besser, als das in Deutschland meist geschieht. Die Gemeindeinstitutionen, die schon früher in diesen Blättern als Meisterwerk der Architectur bezeichnet Synagoge, die Armenschule, der würdevolle Gottesdienst mit Orgel und gemischtem Chor werden bestens gepflegt und durch seltene Münificenz für gemeinnützige Anstalten erhalten. Aber es stehen auch Leute an der Spitze, die nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch dem Judenthum überhaupt zur Ziede gereichen. Es ist wohl eine nicht allzuhäufige Erscheinung, daß hohe Intelligenz, einflußreiche sociale Stellung und warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten sich im Vorstande so glücklich ergänzen und vereinen, wie das hier der Fall ist. Er besteht gegenwärtig aus fünf Mitgliedern, den Herren Ritter vr. Levertin, Ritter General-Consul Henric Davidson, Dr. Lamm, Stadtverordneter Rubenson und Rector Valentin. Letzterer macht sich ganz besonders seit einer Reihe von Jahren um die Erhaltung der Würde und Weihe des Gottesdienstes sehr verdient. Die Verfassung unserer Gemeinde ist, wenn man so sagen darf, eine ganz republikanische. Die Gemeinde selbst entscheidet mit ihrer Majorität über ihre Angelegenheiten, während der Vorstand der ausführende Factor , ist. Wir möchten behaupten, daß diese Art der Beschlußfassung der in Deutschland allgemein üblichen durch die Repräsentanten im Interesse des Friedens vorzüziehen sei., Der Staat freilich giebt auch hier keine Subvention für den jüdischen Cultus, man ist zu stolz, um solche zu verlangen^ und man möchte auch die Autonomie der Gemeinde, wahren, Dagegen ist die jüdische Confefsion in allen übrigen Beziehungen den anderen Bekenntnissen vollständig gleichgestellt; die Im Jahre 1870 ausgesprochene Emancipation der Juden steht nicht nur auf dem Papiere, sondern findet auch ihre Bethätigung nach allen Richtungen hin. Während die Juden im aufgeklärten 19. Jahrhundert im erleuchteten preußischen Staate Wen Zoll Gleichberechtigung, sobald es zur praktischen Ausführung kommt., erst erkämpfen müssen, sind hier mit einem Male alle Schranken gefallen, und ich möchte fast behaupten, daß. die. Juden hier in Folge ihrer Intelligenz, ihrer Redlichkeit im Handel und Wandel, eine bevorzugte Stellung in socialer Hinsicht einnehmen. Eine treffliche Illustration des. dt,? - -fm war die jüngst stattgefundene Hochzeit des Secretärs der Gemeinde, des Polizei- Intendanten Rubenson. Die höchsten Spitzen der' städtischen und Staatsbehörden bis zum Oberstatthalter .hinauf , in ihren goldbordirten Uniformen^ die Brust mit Orden bedeckt, wohntew derselben bei. Am rühmenswerthesten an den?; schwedischen Israeliten ist unbedingt der Sinn für Wohlthätigkeit. So feierte vor Kurzem Herr Eliasson seine silberne Hochzeit. Er spendete aus Anlaß dieses freudigen Familienfestes 5600 Reichsthaler der Krankenpflegeanstalt; 5000 Rthlr. als Stipendium für. arme jüdische Knaben und Mädchen zum Zwecke weiterer Fortbildung; 500 Rthlr. dem Arbeiterverein; 1000 Rthlr. für Arme ohne Unterschied der Confefsion; 500 Rthlr, für arme Pockenkranke, sowie noch mehrere dem Gemeinwohl gewidmete Spenden. Des- . gleichen testirte der jüngst verstorbene Großhändler Sohn- Levin 10,000 Rthlr. für die allgemeine Armenanstalt; 10,000 Rthlr. als Fond für die hier zu gründende Universität;-10,000 Rthlr. als Stipendium für jüdische Studirende und<5000 Rthlr, für die Taubstummenanstalt. Ja, man möchte sagen, erfinderisch sind die Leute in ihrem Drange Wohlthätigkeit zu üben. Die vor 3 Wochen hier verstorbene Wittwe Mann- - testirte> da sie, besonderer Umstände wegen über ihr Baarvermögen. nicht frei verfügen konnte, ihren Gold- und Juvelenschmuck, dessen. Verkaufsbetrag — etwa 6000 Rthlr. — der Gemeindecasse zufließen soll. Es würde den zugemessenen Raum dieser Correspondenz weit übersteigen, wollten wir alle die Beispiele anführen, in denen ' sich das vielgerühmte „jüdische Herz" auch hier glänzend bewährt. Schließlich sei mir noch gestattet, von der Tochter unseres Rabbiners, dem Fräulein Johanna Levyson, die bekanntlich seit zwei Jahren als Studentin der Philologie die Universität zu Upsala frequentirt, zu berichten. Von den sieben Prüfungen, .deren sie sich unterziehen muß, hat sie am 20. April das erste Examen in Latein bestanden mit der Facultätscenfur: „vonsine laude.“ R. Rußland. Von der russischen Grenze, im Juli. (Privatmitth.) Vor einigen Wochen veröffentlichte der russische Reichs-Anzeiger einen vom Finanzminister eingebrachten Gesetzentwurf, betreffend die Beschränkung der Berechtigung der Juden zum Ausschank von geistigen' Getränken. Heute bringen die russischen Blättei die