Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1874)
- Date
- 1874-07-28
- Page
- Seite 527 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeugniß müssen wir ihm ausstellen, wenn von anderen Seiten ihm gar arge Vorwürfegemacht werden. BrÜNN, im Juli. (Privatm.) Der Gebrauch, von öffentlichen Veranstaltungen jährliche Rechenschaftsberichte drucken und vertheilen zu lassen, breitet sich immer mehr aus. Er steht freilich im Gegensatz zu den früheren Gewohnheiten, als noch in den jüdischen Gemeinden und Vereinen Einnahmen wie Ausgaben in einfachster Weise Sache des persönlichen Vertrauens war, das jedoch nicht selten, sei es durch Eigennutz, sei es durch die Vernachlässigung jeder ordentlichen Buchführung sehr mißbraucht wurde. Die schlimme Folge eines solchen Schlendrians war aber, daß das betheiligte Publikum gar keine Kenntniß von der Verwendung seiner Opfergaben und von dem wirklichen Stande der Gemeinde oder des Vereins erhielt, daß der Eifer für die Zwecke der Gemeinschaft dadurch nicht angefeuert und leicht ganz falsche Ansichten gehegt wurden. Man kann es daher nur als eine segensreiche Neuerung betrachten, wenn jetzt sich immer mehr die Sitte verbreitet, daß nicht blos die Gemeindevorstände, sondern auch die wohlthätigen Vereine öffentlich Rechnung ablegen. Diesem löblichen Brauche folgte jetzt auch die'hiesige „Chebra Kaddischa" zum ersten Male für das Jahr 1873. 'Deshalb gestatte ich mir auch, hierüber in diesem Blatte zu berichten, um da, wo diese Sitte noch nicht stattsindet, zur Nachfolge zu bewegen. Es geht aus dem Berichte zwiefaches hervor, wie bedeutend die Wirksamkeit dieser Chebra ist, daß aber bei den sich steigernden Anforderungen die Zahl der Beitragenden nicht genügt und die freiwilligen Spenden abnehmen. Wir sind sicher, daß diese durch den Bericht augenfällig gewordenen Verhältnisse sehr bald einen reichlicheren Zufluß erzielen werden. Von 92 Leichenbestattungen im Jahre 1873 wurden 39 auf Kosten der Chebra besorgt. Für die. verschiedenen Zweige der Wohlthätigkeit wurde die Summe von 5503 fl. ausgegeben. Außerdem wurde die Umfriedigung des Gottesackers für 1404 fl. erweitert. Im ganzen hatte die Chebra 9202 fl. zu vereinnahmen und eben so viel zu verausgaben. Es waren aber aus dem Jahre. 1872 ein Cassenbestand von 1904 fl. verblieben, aus 1873 nur 857 fl., so daß also die Ausgaben die Einnahmen beträchtlich überstiegen. Der Reservefond besteht in 10,732 fl., dessen Zinsen mit 620 fl. tri obiger Einnahme einbegriffen sind, also auch mit verausgabt wurden. Da von 559 Steuerträgern der Gemeinde nur 316 zur Chebra beitragenso kann durch deren Zutritt der Ausfall leicht gedeckt werden. Frankreich. Paris, 15. Juli.) (Nach, den Arch. isr.) Nach einem Beschlüsse des Appelhofes zu Algier vom 16. März 1874 darf in gerichtlichen Verhandlungen auch von den eingeborenen Juden Algeriens der Eid more’ judaico nicht mehr gefordert und geleistet werden^ -Der Hof stützt sichdabei - einen Senaws Conswl^ vom 14. Juli 1865, auf das Decret vom 24. October 1870 und darauf, daß die mosaische Religion keine besondere Eidesform verlangt, um den Eid für heilig zu erklären. — Welche Schritte das jetzige Regime in Frankreich thut, kann man daraus ersehen, daß ein ministerieller Erlaß ganz neuerdings vorschreibt, auf das Militärbuch jedes Soldaten die Religion zu bezeichnen, welcher er angehört. In Paris ist dies bereits zur Ausführung gekommen. — Bei dem großen internationalen Concours zu Neuilly am 5. Juli, zu welchem sich 112 musikalische Gesellschaften versammelt hatten, hat der israelitische Tempelchor, seit 1868 unter der Leitung des Herrn A. Brody, den höchsten Preis erhalten. Italien. Ferrara, ll. Juli. Gestern Abend ist zu Vercelli Prof. Guiseppe Levi, Redacteur des „Educatore israelita", verstorben, ein großer unersetzlicher Verlust des italienischen Judenthums. (Arch. isr.) Er hat sich in Italien durch eine Reihe trefflich geschriebener Werke einen Ruf erworben; in Deutschland ist er durch seine Sammlung talmudischer Parabeln bekannt, welche Rabbiner Seligmann für unser Institut übersetzt hat. Seine Begeisterung für das Judenthum, fein edler Eifer für alle Interessen desselben fanden in Italien nicht ganz den verdienten Wiederhall. Er ließ sich aber dadurch nicht beirren, in seinem Streben unermüdet fortzufahren. Redaction. Schweden. Stockholm, im Juli. (Privatmitth.) Ich beginne heute. meine Correspondenz damit, daß ich constatire, welch' tiefe Entrüstung sich auch hier bemerkbar gemacht: hat über das anmaßende Gebühren des Abgeordneten Laster, der sich erkühnt hat, als der Vertreter der Deutschen Judenheit sich zu geriren, um ihr eine Munde zu schlagen, deren unheilvolle Folgen sich sicher bald zeigen werden. Es ist wahrlich ein trauriger Sieg, den der sonst so verdiente Laster als Vorkämpfer der orthodoxen Separater errungen, und es ist ganz natürlich, daß die Verehrung für ihn ln vielen Kreisen, stark abgenommen hat.! Wer . hätte wohl geglaubt, ein solcher Mann würde aus Principienreiterei und Egoismus, nachdem fast 700 Gemeinden und) deren Beamten, für die Beibehaltung des Steuerzwanges petitionirten, nachdem . Sie in Ihrem Sendschreiben, an ihn die Sachlage! so deutlich, und treffend geschildert, daß dieser Mann dennoch ein Gesetz zu Stande' bringen würde,, das unter der. schönklingenden Devise. „Freiheit" manches blühende Gemeindewesen schädigt oder gar zu. Grunde -richtet. Wenn ich, von Egoismus spreche, , so theile ich zwar Ihre Meinung, daß Laskep allerdings frei; von jedem materiellem Eigennutz sein mag, aber es scheint doch, die tiefem und devoten Reverenzen der Führer der Orthodoxem hätten auf vas-für Schmei- Mejenvielleicht nicht, ganz; unempfängliche Herz, des Herrn L.