Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1874)
- Date
- 1874-07-28
- Page
- Seite 526 (sequence 8)
- Language
- German
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Dankest für das gnadenreiche Walten der Vorsehung eine geeignete, würdige Aussprache fand. . Mit beredten Worten schilderte Herr Local- und Districtsrabbiner Bamberger die Bedeutung des : gefeierten Kämpfers im deutschen Reiche und zeichnete den Verlust Desselben, der so nahegerückt erschien, mit dem Gedächtnißworte, das der König David dem gefallenen Saul widmete: trTDJ ibas „O, wie sind doch die Helden gefallen!" Dreimalso führte Redner aus, wiederholt sich dieser Ruf: er gilt dem Helden im Frieden, im Kriege und in der dauernden Kampfbereitschaft, das Errungene und Wiedererlangte zu bewahren. Vor und nach der Predigt wurden der Situation entsprechende Psalmen, von. dem Gemeindechor unter Leitung des Gemeindecantors Herrn Ehrenreich und des hier als Curgast anwesenden, Cantors Herrn Hoffmann aus Hannover intonjrt. Frankfurt am Main, 1.4. Juli.. (Privatm.) Es ist Ihnen, wahrscheinlich unbekannt, aber doch nicht ohne Interesse, daß bei der lchten Wahl von Seiten der jüdischen Separatgemeinde des, Rabbiner Hirsch („Religionsgesellschaft") durch ein gedrucktes Circular zur Wahl Laskers aufgefordet wurde. Es scheint mir hierin doch eine Erklärung gewisser Auslassungen zu liegen. ' Kempey (Posen), 1. IM, (Privatm.) Von. der hiesigen: israel. Gemeinde hchte man, fast niemals etwas. Es herrschte in ihr, Rphe und. Friede, und siehe ha! mit einem Male; Zank und Streit! Wir sehen uns, nach den. Gründen um, wir fragen, ob. etwa der neugewählte Gemeindevorstand das Judenthum hier „ausrotten", .will;, ob er etwa irgend eine Veränderung in der Synagoge oder Liturgie beabsichtigt? Doch nein! das will er nicht; er will für den Religionsunterricht der Jugend Sorge tragen und zu diesem Behufe einen zeitgemäßen Rabbiner und Religionslehrer anstellen. Er hat erkannt, und mit ihm der größte Theil der, Gemeinde, daß der alte Schlendrian denn doch nicht mehr, fortdauern könne; daß alter Dru schwitz, heut' sticht mehr paffe, und daß das elende "C h e d e r wesen endlich einmal aufhören müsse. Doch kaum hat er für die hiesige: BMmersteA, .welcheM mehr qls 15 Jahren unbesetzt ist, eine Concurrenz ansgeschriebey, da erhebt schon der Zelotismus ein Zetergeschrei, qls handelte e§ sich, um Abschaffung des Sabbaths oder des -pasn?i"t> beim. pvr, was. den, Zeloten * wohl gleich ist. Einige Personen, die früher dem Vorstande angehört haben (sic!), erschleichen von Gemeindemitgliedern Unterschriften gegen die Aufnahme eines Rabbiners und erlassen an die etwaigen Bewerber im „Israelit" einen Aufruf, der von Unwahrheiten strotzt und der,duvch prachtvollen (?) Stil ein sehr schlechtes Zeugniß für den Bildungsgrad dieser Leute giebt. Doch das beiläufig! Das Bedürfniß eines Rabbiners ist zur Genüge von Allen anerkannt; nur Zank- und Parteisucht veranlaßt diese Leute dagegen zu agitiren. Und es muß Jedem, dem es mit dem religiösen Fortschritt im Judenthume Ernst ist, mit . tiefer Wehmutherfüllen, -wenn er-steht, .wie .edle Bestrebungen aus Parteisucht verdächtigt, und in:den Staubgetreten , werden. Die Jugend soll das jüdische, Gesetz, nicht nur mechanisch üben, sondern es auch kennen. Die Erwachsenen fühlen das: Bedürfniß am Sabbath das „Wort des. Herrn^ zu vernehmen in reiner, deutscher Sprache, und es ist Niemand da, der es ihnen verkündete. Der neugewählte Vorstand sucht den Uebelständen abzuhelfen. Ein edles Streben! Wir rufen ihm zu: nvx -12^ n-bL.. Möge er sich von seinem edlen Vorhaben nicht. durch das Geschrei einiger Zeloten abhalten lasten, das Wohl der Gemeinde ju fördern. Jene Parteisüchtigen aber mögen sich merken die Worte des Talmud Schekalim 5: .ptan pby pibnb rmp »brr ->2rr ^pibni-k bs „Genug hat Parteisucht uns geschadet wollt Ihr, auch in unsere friedliche Gemeinde den Samen der Zwietracht streuen?" L . . . . . g B . . . . . . d. Oesterreich-Ungarn. . Wien, im, Juli. (Privatm.) Es liegt uns ein umfänglicher, „erläutender Bericht" über die Rechnungsfchlüsse der israelitischen Cultusgemeinde in Wien im Jahre ,1,873 im Abklatsch vor, den wir hier nicht ausführlich besprechen, könnender jedoch zu einigen .Bemerkungen Veranlassung geben, kann. Die Größe dieses. Gemeinwesens, zeigt sich in. allem Zahlen dieses Berichtest Die Gesammteiynahme belief sich auf 482,89.6. fl., die.Gesammtyusgabe auf 47 3,337 fl., so daß ein Caffe Saldo von 5559 fl. verblieb, während er am 31. Decemb,er 1872 nur 3194 fl. betrug, Die. Gebahrung der Gemeindeverwaltung befindet sich .also, im besten. Zustande, und obschon die veränderten allgemeinen Finanzzustäude sich in den einzelnen Rubriken bemerklich machten, so daß die Einnahmen in - diesen gegen 1872 etwas geringer waren,, so. blieb dies doch für das große Ganze ohne erhebliche Einwirkung. Es erweist sich hieraus die Solidität dieses Cultusgemeinwesens, das von Yen größten Erschütterungen der Außenwelt, zwar nicht unberührt, doch aber in keinerlei Weise wankend gemacht: wird. Es lebt ein gesichertes Sonderleben, das zwar in glücklichen.Tagen eine Vermehrung-feiner:Kräfte erhält, diese aber dann weise so, sichert, daß es zu ungünstiger Zeit nicht wesentlich darunter, leidet. So verwaltet, der, Vorstand unserer Gemeinde.Stiftunge.n mit einem Capitalvermögen von 1,0V 1,7 9 6 fl. Bei der Jugend unserer Gemeind?, da.bekanntlich vor 1848 nur eine geringe Zahl hier zu wohnen berechtigt war, sind alle diese Capitalien neuen Datums, und sicherlich werden sie, sobald die. Geschäftslage sich wieder bessert, ferner Steigerung erfahren. Ich - bin kein Löbredner, weder der vergangenen noch der neuen Zeit; aber da auch bei dey älteren Gemeinden sich dieselbe Erscheinung zeigt, daß nämlich ihr Besitzstand mit geringer Ausnahme erst in den letzten Jahrzehnten sich vergrößerte, so muß man bekennen, daß der Gemeinsinn im jetzigen Geschlecht? bedeutend , größer.ist,,i als er - bei unseren Bätern war, J und - djeses