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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-28 · Heft 31 (28.7.1874) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 31 (28.7.1874)
Date
1874-07-28
Page
Seite 523 (sequence 5)
Language
German
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Seelsorger in einem Seminar besser erzogen werben ünd : : wenn sie keine Furcht vor der Hierarchie haben , welche m der Regel solchen SemiNarienentspringt; aber dagegen muß Redner sich wenden, wenn der Einfluß der politischen Gewalt, also auch des Ministers, zu Gunsten der Neologen auf Kosten der Orthodoxen in die Wagschale gelegt würde; ein solches Verfahren wäre die factische Vernichtung der Religionsfreiheitwelcher dieses Haus nicht zustimmen kann." Sein Antrag lautet demnach: „In Anbetracht, daß nach dem Bericht des Cultusministers der israelitische Schulfond eigentlich zu denjenigen Stiftungsfonden gehörtderen Verwaltung und Aufsicht seinem Wirkungskreis angewiesen istdagegen indessen die orthodoxe israelitische Glaubensgrnösienschaft auf die Vertheilung dieses Fonds zwischen ihr und der auf Basis der Congreßbeschlüsse gebildeten jüdischen Kirche dringt; in Anbetracht, daß in Gemäßheit der von dem Abgeordnetenhaus am 18. März 1870 und am 30.. März 1871 gebrachten Beschlüsse des damaligen Cultusministers Pauker die vrthodoxen Gemeinden als eine'abgesonderte Gkaubensgenoffenschaft regulirte, der jetzige Cultüsminisier jedoch diese Regelung deshalb aufhob, weil seiner Auffassung nach zwei abgesonderte jüdische Glaubensgenossenschaftett nicht existiren; in Anbetrachtdaß der berichterstattende Minister selbst in Betreff der Bestimmung des jüdischen Schulfonds Las juridische Gvtachten von drei Richtern abverlangend, offen bekannte, daß die Rechtsverhältnisse dieses Fonds aus dem ordentlichen Rechtsweg entschieden werden müssen; beschließe das Haus: daß der Cultüs- und Unterrichtsminister die. zwischen der orthodoxen uud Congreß - Glaubensgenoffenschaft in Betreff des jüdischen Schulfonds strittige Angelegenheit durch ein freundschaftliches Übereinkommen zu schlichten trachte, und sollte dasselbe nicht gelingen, beide Glaubensgenossenschaften behufs Austragung dieser Streitigkeiten auf den Rechtsweg weise." O la h behauptet, die Spaltung unter den Juden sei im Jahre 1869 eingetreten und könne daher aus Gefchichiswerken nichts erwiesen werden, daß blos eine jüdische Confession bestehe. Justh erwidert, er vermöge zwei jüdische Confessionen nicht anzntzrkennen: auch bei den Protestanten giebt es Orthodoxe und Freisinnige, deshalb existirt doch nur eine Confession. Es handelt sich — schließt Redner — um einen öffentlichen Fond, dessen Bestimmung ausgesprochen ist; bis hierher billige ich den Beschluß des Ministers; weil ich aber weder Orthodoxe noch Neologen kenne (lebhafte Zustimmung links) wünsche ich nicht, daß es in den Beschluß ausgenommen werde, daß ein Th'eil des Erträgnisses ausschließlich für orthodoxe Schulen verwendet' werde, ich möchte nicht, daß das Haus diese Distinction aNnehme, svnst anerkennt-es zwei Confessionen. (Zustimmung^) Ein solcher Antrag wird auch schrMich eingebracht. ' Frunz PulSlzky spricht M. hielem Nach- und Eindruck für den Antrag des Ministers. Er sagt, daß er ein großer Verehrer der jüdischen Nationalität feu (Heiterkeit.) < Es ist das — fährt Redner fdrt — eine sehr große , eine edle Nationalität, welche Jahrtausende hindurch ihre Eigenart aufrecht erhalten.hat. - „Ich achte also die jüdische Nationalität; ich achte sie aber auch deshalb, weil sie den Begriff der Nationalität ganz anders auffäffen als wir. Bei Uns macht nicht das Blüt die Nationalität aus; ich sehe ringsum die Söhne von wohl zehn verschiedenen Nationalitäten, welche alle gute Ungarn sind; bei uns ist also nicht das Blut, sondern die Sprache des Charakteristicon. Beim Juden ist gerade das Gegentheil der Fall. Bei ihm entscheidet nicht die Sprache, sondern das Blut und die Religion. In England sind die Engländer vollkommene Engländer; die kein anderes Interesse kennen, als jenes Englands. In Frankreich sind sie Franzosensind Minister und Deputirte, man kann ihnen Alles nachsagen, nur das nicht, daß sie keine guten Franzosen seien. In Deutschland sind sie Deutsche, und die hervorragendsten Mitglieder des deutschen Parlaments sind jüdischer Religion. Werfen wir nun aber erneu Blick auf Ungirrn. Auch hier haben wir ein paar hochachtbare , ausgezeichnete Abgeordnete jüdischer Confession, die dem Hause in jeder Hinsicht zur Zierde gereichen; ob ich nach rechts oder links schauen mag: jede Partei hat einen Juden (lebhafte Heiterkeit) , und jeder derselben ist ein ausgezeichneter Patriot. Sehen -wir aber weiter — was werden wir inne? daß es sehr viele Juden giebt, die nicht ungarisch verstehen, und darunter solche, die es auch gar nicht lernen wollen. (Sv ist's!) ,Man sagt, der Reichstag habe ausgesprochen: es gebe zwei jüdische Confessionen im Lande. Ich stelle ganz entschieden in Abrededaß sich der ungarische Reichstag jemals als jüdischer Sanhedrin gerirt, im Talmud geforscht, den Einen als Orthodoxen anerkannt, einen Anderen verdammt habe. (Lebhafter Beifall.) Das dürfen wir auch gar nicht thun. Umsönst würden wir declariren, daß es drei oder fünf oder wer weiß wie viele Confessionen gebe, das würde für die Juden durchaus nicht obligatorisch sein. Ueber Alles dürfen wir Gesetze bringen, nur nicht darüber, zu welcher Confession Dieser oder Jener gehöre; das ist nicht unsere Aufgabe. (Beifall.) Ich wundere mich sehr, daß wir einmal uns haben Hinreißen lassen und ein Bischen in die Frage eingegangen sind. Wir Protestanten würden uns auch niemals von den Katholiken getrennt haben und noch jetzt Katholiken sein, wenn sie üns nicht excommunicirt hätten (Heiterkeit); wir wären -zwischen ihnen geblieben und hätten uns nach unserer Weise organisirt: aber sie haben uns hinausgestoßen. Zwischen den orthodoxen! ünd den Motogen Juden ist aber das nicht geschehen; mir ist es nicht bekannt, daß die eine Partei die andere oder überhaupt Jemanden aus ihrer Mitte ausgestoßen hätte und ich weiß auch

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