Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1874)
- Date
- 1874-07-21
- Page
- Seite 513 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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schlagt, derTheilnahme für Leidende zeigt und Hülfe den Witt-' wen und Waffen gewährt, während genannte Person nur Mangel an Innigkeit und Gefühl soll bekundet haben. In diesem Kampfe tritt die Eigenthümlichkeit hervor , daß einige Radikale, die offen gegen Sectenschulen austreten, die von den Beamten Charakter, Humanität^ Moral rc. fordern, und die für Bildung und gründliches Wissen stets eifern, mit jener ultraorthodoxen Familie sich verbunden haben und für Herrn Dr. Dünner stimmen, als müßten auch hierbei die Extreme sich berühren. — Der Kampf dauert noch fort, und wie es scheint, werden Charakter, Fortschritt und Wissen wohl den Sieg davon tragen, trotz der jüngst acquirirten, jedoch antedatirten Diplome von ganz unbekannten Größen.*) Rumänien. Aus Rumänien, 13. Juli. Wie ein englisches Blatt erfährt, ist die rumänische Regierung durch die energischen, von den Consuln von Großbritannien, Griechenland und anderen Staaten unterstützten Remonstrationen des Consuls der Vereinigten Staaten in Bukarest bewogen worden, die Inkraftsetzung des Artikels Ml des BranntwemMetzes, der durch Ausschließung der Juden von dem ferneren Betriebe des Gastwirthgeschäftes Tausende von Personen jüdischen Bekenntnisses an den Bettelstab gebracht haben würde, zu suspendiren. Rußland. Lodz, 5. Juli. (Privatmitth.) Welch wohlthätigen Einstuß die allgemeine Wehrpflicht sowohl auf die physische als auf die *:) Wir geben diese uns durch competente Hand zugesandte Correspondenz, unverändert wieder, jedoch eben nur als ein Zeugnis; für die' in Amsterdam jetzt herrschende Verwirrung. Uebrigens, so ungern wir Unfrieden -in einer Gemeinde erstehen sehen, 'müssen wir es doch bei . AOänden , wie sie bekanntlich in dieser großen Gemeinde von 25,000 Seelen seit langer Zeit herrschen, erfreulich finden , wenn sich etwas Leben darin regt, was freilich ohne Kampf nicht abgeht. Redact. untellectuelle Ausbildung eines Volkes üben könne, davon zeugen zu deutlich die letzten im Jahre 1870 errungenen Erfolge des deutschen Volkes über die Franzosen. Dieser Umstand mag wohl auch hauptsächlich Rußland zu einer gänzlichen Umgestaltung seines Militärwesens bewogen haben. Wie aber jede Aenderung eines Systems nicht allen Staatsgliedern gleich erwünscht sein kann, so hat diese auch in der That einen panischen Schrecken unter den Juden Polens und Lithauens hervorgerufen. Bisher gewöhnt, sich durch eine bestimmte Geldsumme vom Militärdienste loszukaufen, brachten dieselben doch dieses Opfer unter Aufbietung aller ihrer Kräfte gern; denn es scheint ihnen ein solches bei Weitem nicht so schwer, als der Gedanke, für einige Jahre sich der strengen Militärdisciplin unterzuordnen' und ihren Bräuchen und Sitten für einige Zeit zu entsagen. An die daran geknüpften zukünftigen Wohlthaten denken sie freilich nicht. Das neue Militärgesetz berechtigt bekanntlich nach Erreichung einer gewissen Bildungsstufe ohne Unterschied des Standes und der Confession zur Ableistung des Militärdienstes in kürzerer Frist; es bleiben somit die bisher zur Befreiung vom Dienste erschwungenen Summen den einzelnen Familien, also auch dem Lande erhalten. Diesen Bildungsgrad zu erreichen, müssen jetzt die Chassidim ihre Söhne in dem höheren Wissen unterrichten lassen, und so dürfte doch mit der Zeit Bildung und Gesittung zunächst dem verblendeten und in tiefer Finsterniß schmachtenden Chassidismus den Rang streitig machen; denn ersterer war bisher der Hemmschuh alles Fortschrittes. Und daß auch ein Aufschwung in moralischer Hinsicht sich fühlbar machen muß, dieser Hoffnung wollen wir einstweilen Raum geben. Doch nicht nur in moralischer Hinsicht lassen sich die günstigsten Erfolge erwarten, auch körperlich werden die Generationen erstarken, da mit dem Eintritt in den Militärdienst der Jude organisch belebt und aus seiner Erschlaffung gerüttelt wird. n. b. Jeu i f Ällegorisirende Auslegungen. Es wird nicht für unangemessen erachtet werden, wenn wir einige Nachträge zu dem Aufsatze. „Was bedeutet uns der Philosoph Philo?" an dieser Stelle geben. Der geschätzte Briefsteller' in Nr. 20 hat die Auslegungsweise Philo's als eine ganz besondere gekennzeichnet und mißfällig beurtheilt. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß diese Auslegungsweise der Schrfftsteüer im Grunde keine andere bei Philo, wie im Midrasch ist und wie Sie auch von späteren unserer Gelehrten geübt worden. Dies zu erkennen, hat eine zwiefache Wichtigkeit. Denn einerseits beweist es den inneren Zusammenhang, die innere Berf e t o n. wandtschaft zwischen Philo und der nationalen Anschauung; andererseits wird dadurch diese als Eigenthümlichkeit unseres nationalen Wesens um so nachdrücklicher hervorgehoben. Es siel uns in diesen Tagen ein schlagendes Beispiel auf, dessen wir hier erwähnen. In der trefflichen Schrift des Nr. G ii de mann, die wir auch im Literarischen Wochenbericht besprochen haben, über „das jüdische Unterrichtswesen während der spanisch-arabischen Periode", ist eine Abhandlung des R. Josephb. Jehuda Aknin (Ende des zwölften Jahrhunders) im Original und in der Uebersetzung abgedruckt. In dieser werden Sprüche Salomonis XXIV, 27. 30. 31. erklärt, und zwar folgendermaßen: „Verrichte draußen dein Werk" — damit meint er die äußere, durch 30*