Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-21 · Heft 30 (21.7.1874) · p. Seite 512

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 30 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
Seite 512 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3226991--32777-3255761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

czechifche Volk im Ganzen und Großen diesem Treiben ferne steht, beweisen täglich sich wiederholende Thatsachen. So wird die Wahl jüdischer Gemeinveräthe in eminent czechische«^ Gemeinden, wie dies z. B. in Brandeis an der Elbe mit der Wahl des Dr. meü. Bondh, des Leibarztes des Großherzogs von Toscana, wieder der Fall war, immer häufiger, ja in der gänzlich böhmischen Gemeinde Hlubotschep bei Pragbekleidet der jüdische Arzt Dr. Grab schon seit Jahren die Bürgermeifterstelle. An wem also die Schuld „der tiefen Kluft zwischen Juden und Czechen" liegt, werden die Herren der „Politik" und deren Gesinnungsgenossen wohl am besten zu entscheiden wissen. D. 0. V. Pest, 9. Juli. Minister Trefort erklärte einer israelitischen Deputation, das Rabbinerseminar werde errichtet werden; auch nachdem vom Unterhause-kein Beschluß gefaßt worden. Die Schulfondfrage sei eine rein administrative. Die Entscheidung Seiner Majestät könne mittels eines Beschlusses des Hauses nicht außer Kraft gesetzt werden. — .10. Juli. Nach dem Hon gedenkt die Linke den Cultusminister wegen des eigenmächtigen Vorgehens in der Seminar frage, das er in seiner Antwort an die israelitische Deputation in Aussicht gestellt, zu interpelliren. Aus Ungarn, 16. Juni. (Privatmitth.) Sie haben in Nr. 24, S. 409, zu der Rede des mannhaften Crömieux eine sehr richtige Bemerkung gemacht hinsichtlich des von ihm dem Judenthume irriger Weise imputirten Fatalismus. Allein es findet -sich in dieser seiner Rede noch ein anderer Jrrthum, der mir noch gefährlicher erscheint, und welcher deshalb nicht minder der Berichtigung bedarf. Wenn es wahr wäre, was Crämieux sagt, daß das Gesetz den Juden vorschreibe, die bürgerlichen Rechte anzunehmen, wenn sie ihnen auferlegt werden, nicht aber nach ihnen zu verlangen und zu streben; so hätten alle diejenigen Juden dem zuwider gehandelt, welche für die bürgerliche Gleichstellung der Juden gestritten haben. Allein dies ist ganz falsch, und Herr Crvmieux ist zu dieser Auslassung, die er in geschickter Weise zur Bertheidigung seines bekannten Decretes, das freilich nur gegen die Intoleranz zu vertheidigen nöthig ist, benutzt, nur durch das Mißverständniß einer ihm wohl mitgetheilten talmudischen Stelle gekommen. Diese befindet sich Chethuboth IN. a, und lautet: ,sn"a"prt manniö b .trbWP maa cd vrirr waiütt rrbwi , oVi3>n. mawa .w NbD ,n?aina b«->w"' ib^ rrb« inin vbiVN mai» naynD'1 Es heißt, Hohelied 2, 9. 3, 5: Ich beschwöre Euch Töchter Jerusalems! daß Ihr nicht aufreget die Liebe bevor es ihr gefällt. Drei Beschwörungen hat Gott Israel auf seiner Wanderung mitgegeben. Daß Israel nicht gewaltsam die Mauer ersteigen, d. h. nicht mit Gewalt und Sturm seine vorenthaltene Rechte sich nehmen, daß es sich nicht gegen, die Gewalthaber und die Obrigkeit empören soll, und daß endlich die Volker Israel nicht über die Maßen bedrücken und knechten mögen. — Daß hier nur von Gewalt die Rede sein kann , die der' Jude nicht. gebrauchen darf,, sieht jeder wohl ein. Keineswegsaber ist es verboten, von all den erlaubten Mitteln , um sich feine Rechte zu verschaffen, Gebrauch zu machen. Die algier'schen Juden konnten darum anstreben und auch alle erlaubten Mittel anwenden, um sich das französische Bürgerrecht zu erwerben,! wie dies die Juden in allen Ländern seit undenklichen Zeiten thaten. Das bekannte: «ri «maban.- 8ä*n;. d. h. Staatsgesetze haben Gesetzeskraft, wie Gotlesgesetze!. hier anzuwenden, ist lächerlich und ein. Wahrer Unsinn! Herr Crömieux hak vM^der oben citirten Stelle, Kethuboch III etwas gehört,, aber dieselbe mißverstanden. Immerhin verdient die gutgemeinte und -warme Bertheidigung der Rechte der Indem von Herrn CrSmieux in der Nationalversammlung alle Anerkennung^! Amsterdam, im Juli (Privatmitth.) Unsere jüdische Gemeinde, von der man am allerwenigsten seither gesprochen, ist jetzt, zum Tagesgespräche bei allen Bewohnern des Landes, sie, die in Grabesruhe seit vielen Jahren beharrte , ist jetzt der Schauplatz . des Streites und Kriegsgetümmels geworden. Es-, hat nämlich eine sehr einflußreiche, ultra-orthvdoxe Familie den Herrn Dr. Dünner, der mehrere Jahre hier als Rector des Seminars fungirte, an einem finstern.Abend ganz plötzlich zum Oberrabbiner gestempelt, weil dieser feierlichst versprochen, orthodoxe Confessionsschulen — hier zu Lande Sectenschulen genannt — bei uns zu errichten. Gegen diese Überrumpelung haben sich Liberale und Confervaüve, Studirte und Talmudiften, Reiche und ArM erhöhen, so daß unsere Gemeinde in zwei Classen mit vielen Unterarten und Nuancen sich geschieden. Die Liberalen streiten gegen die in unserem freien Lande unbeliebten, von Ultramontanen und Pietisten beförderten Sectenschulen. — Die Conservativen klagen über die nächtlich finstere, spukartig auftretende Erscheinung nach einer Vacanz von mehr denn 35 Jahren, und meinen, eine ehrliche Sache, müsse das Tageslicht auschauen können. — Die Studirten behaupten, Herr Dr. D. habe nimmer regelmäßige Studien gemacht und besitze als Autodidact wohl viele Eigenliebe, aber nur weniges und oberflächliches Wissen. Die Talmudiften wollen keinen Oberrabbiner, der öffentlich behauptete, und seine irrige Behauptung durch einen gold- und silberliebenden. Polen bestätigen lieft, daß mmn■ 13',n urrsD an, während ein Oberrabbiner im Lande, das Gegegentheil aufgestellt, und . aus■ a^cnsn■ o"d in aller Kürze dargethan hat.> — Die Reichen wünschen einen Geistlichen, der auch, eine gediegene Predigt anfertigen und selbst aussprechen kann; nicht aber Jemand, der seine Muttersprache kaum kennt, am allerwenigsten aber Rednertalent besitzt. —; Die Armen verlangen einen Mann, dessen Herz warm für Unglückliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.