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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-21 · Heft 30 (21.7.1874) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 30 (21.7.1874)
Date
1874-07-21
Page
Seite 510 (sequence 8)
Language
German
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der wärmsten Dankbarkeit und Liebe * gesichert; als Bürger genoß er durch seinen sanften, biederen, wahrhaft humanen Charakter die innige Zuneigung und Hochachtung Aller, welche ihn näher kannten; als Gatte und Vater leuchtete er Vielen als ein Muster unbegrenzter Zärtlichkeit und Opferwilligkeit vor, wie überhaupt sein Herz allem Guten und Edlen erschlossen war. Die ausgebreitete schmerzvolle Theilnahme an diesem - so schweren Mißgeschicke gab sich durch die außerordentlich zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängnisse kund; noch weit mehr aber sah man das allgemeine Ergriffensein der Gemüther bei der geist- und gefühlsvollen Leichenpredigt des Herrn vr. Gebhardt, Rabbiner zu Bromberg. Auch der Rabb. Herr Abraham aus TrzemeLno sprach als alter Freund des Dahingeschiedenen einige tiefrührende Worte. Friede seiner Asche!*) . R ..... z. Königsberg, 30. Juni. Die „K. H. Z." schreibt von hier: Was soll man dazu sagen, daß während die medicinische Facultät der Albertina einen Israeliten sogar zu ihren ordentlichen Professoren zählt, noch heutigen Tages die juristische Facultät keinen Juden zum Doctor beider Rechte, also auch des canonischen Rechtes, promovirt und so ihre. Candidaten nöthigt, sick auf anderen preußischen Universitäten diese Würde zu erwerben? Uns sind beispielsweise in dieser Beziehung zwei eklatante-Fälle aus neuester Zeit bekannt geworden: in dem einen mußte der jüdische Rechtscandidat, jetzt Kreisrichter in Lyck sHerr Kreisrichter Silbermannj, vor wenigen Jahren von hier nach Greifswald, in . dem andern der betreffende Candidat, ein königsberger Stadtkind sReferendärius Silbersteinj, noch vor wenigen Wochen nach Göttingen gehen, um sich das juristische Doctordiplom heimzuholen. Und doch ist Königsberg die Geburtsstätte des transscenventalen Idealismus, und doch hat schon vor beinahe hundert Jahren in unserer Pregelstadt der Schöpfer des philosophischen Krjttcismus das Flußbett gegraben, in welchem jeder künftigespeculative Gedankenstrom des menschlichen Geistes nothwendigerweise fließen muß. Werl (Westphalen), 9. Juli. (Privatmittheil.) Jüngst brachten die Zeitungen Berichte von einer erhebenden Diesterwegfeier.' Als Vertreter der Seminare, an welchen der geniale Diesterweg zu Mors und hernach zu Berlin als bewährtester Leiter den größten Theil seines bewegten Lebens wirkte, war seitens gen. Anstalten als officieller Festredner Niemand erschienen. Der einzige Vertreter der Seminare war der durch seine Schriften , rühmlich bekannte Herr Seminarlehrer Treu aus Münster, dessen Bortrag „Der Lehrer in seinen Schülern" den ungetheiltesten Beifall fand. Aus Mittelschlesien, 9. Juli. (Privatm.) In Trebnitz wurde unlängst Herr Kaufmann Hiller daselbst zum Mitgliede des Kreistages erwählt. *) Wir geben diesen Nachruf mit um so tieferem Mitgefühl, als auch wir die vorzüglichen Eigenschaften des Verstorbenen kennen zu lernen, mehrfache Gelegenheit gehabt haben. Die Redact. 1 3n: Bernstadt ist vor Kurzem der Vorsteher der' dasigen Synagogengemeinde, Herr Kaufmann Deutsch, von den Stadtverordneten als Schuldeputixter gewählt und als solcher von der Königlichen Regierung bestätigt worden. In Oels wurde jüngst der Prediger der Synagogengemeinde, Herr vr. Cohn, während des Unterrichtes in der Religionsschule durch einen höhen Besuch überrascht. Der Herr Oberpräsident von Schlesien, Freiherr von Nordenflycht, wohnte besagtem Unterrichte etwa dreiviertel Stunde bei und soll sich in einer un- - mittelbar darauf abgehaltenen Magistratssitzung sehrlobend über Disciplin und Leistungen der israelitischen Religionsschule ausgesprochen haben.. Gleiwitz, 7. Juki. (Privatmittheil.) Ohne jede weitere Beurtheilung wollen wir nur das Factum berichten. Kurz nach Einführung eines neuen Schulplanes, den die Königliche Regierung besonders belobte und bestätigte, kam ein Regierungsrath hierher und revidirte die einzelnen Classen der hiesigen israel. Gemeinbeschule, die beiläufig im vorigen Jahre erst öffentlich belobt wurde, ohne dem Localschuleninspector, Herrn vr. Hirschseld, es anzuzeigen und ihn zuzuziehen, während er fremde Personen, als den katholischen Schulinspector, dazu einlud. und mitbrachle. Er tadelte die Unterrichtsmethode einzelner Lehrer und vermißte eine gleiche Entwickelung der Classen im Einzelnen. Auf eine Beschwerde des Inspektors; gegen solches Verfahren unter Hervorhebung, daß im Lause so kurzer Zeit nach Einführung des neuen Planes eine solche (Entwickelung der Classen nicht zu erreichen war, eröffnete die Regierung ihm zwar, daß sie seine Entlassung von den Pflichten eines Jnspectors ja nicht ausgesprochen habe; ein Weiteres jedoch ist nicht erfolgt. Herr vr. Hirschfeld hat darauf seine Entlassung sich erbeten/ und ist ihm diese bewilligt worden. Der Gewerbeschuldirector, Herr Wernike, ist nun zum Localschuleninspector gewählt worden. Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Juni. In Anwesenheit des Statthalters Baron Conrav v. Eybesfeld und des Polizeipräsidenten Marx wurde gestern Vormittags das neue Waisenhaus für israelitische Mädchen (Roßau, Seegaffe Nr. 9) in feierlicher Weise eingeweiht. Die Weihe wurde in dem in einen Blumengarten umgewandelten und mit den Büsten des Kaiserpaares geschmückten Speisesaale vorgenommen, und wurde dieselbe durch die Festrede des Präsidenten des Waisen-Versorgungsvereins, Ritter v. Wertheimer, inaugurirt, welcher hervorhob, daß von dem im Jahre 1860 gegründeten Vereine bereits über tausend Kinder unterstützt wurden und derzeit 160 Waisenkinder eine solche Unterstützung genießen. Der Redner betonte,, daß kindliche Pietät den Anstoß zur Einrichtung dieses Institutes gegeben, indem die Gebrüder .Gutmann, um das Andenken ihrer Eltern zu ehren, dieses von der Cultusgemeinve dem Waisen-Versorgungsvereine übergebene

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