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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-14 · Heft 29 (14.7.1874) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 29 (14.7.1874)
Date
1874-07-14
Page
Seite 498 (sequence 14)
Language
German
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Richter: Bestimmte Beschuldigungen gegen-Jh^n Gasten haben Sie nicht? — Sarah Sp. ^Ich Hab' etwas gesehen, da sind mir.hie. Augen.übergegangen. - .Richter: Was haben-Sie gesehen? — Sarah Sp.'wirft einen forschenden > Blick nach, ihrem Galten und Legt die Photographie einer gefeierten Sängerin auf den Gerichtstifch., . Richter: Ist das Alles, was Sie gesehen haben: und was. Ihren -Verdacht gegen den Gatten rechtfertigt? 777- -.Sarah S p.: Alles? Wie haißt All.es? (Sie -legt, noch zehn ^bis zwölf Photographien, theils vonrSängerinnen, theils vonMallerinen auf den Gerichtstisch und sagt):. Eu' Gnaden, was sagen Sie jetzt? - ' Richter: Das sind Photographien von Künstlerinnen. — Sarah,Sp.: Ja, Eu' Gnaden, theure Waar'. R ichter: Solche Photographien schafft man sich billig, und sie bieten ein ganz unschuldiges Vergnügen. — S arah S p.: Wer will mir das beweisen? Seit wann ist mein Mann ein Kunstfreund? Seitdem er an Wochentagen weiße Westen tragt, sich alle andern Tag rasiren, laßt und an' neuen Anzug nach dem andern vom Schneider kriegt? Warum hat er, so lange ich jung, war, nur Einmal in der Wochen Wäsche, gewechselt, eine weiße Weste nur am Feiertag angezogen, sich nur Einmal in der Woche rasiren lassen - und höchstens zum neuen Jahr sich ein Gewand machen lassen? Eu' Gnaden, so., steht die. Sache- Richter: Es ist nicht meine Sache, über derlei Angelegenheiten Ihres Gatten-Untersuchungen anzustellen. Sarah Sp.: Ich glaub's, aber mich geht!s an; ich binein armes geschlagenes Weib. - Richter:- Haben Sie nebst diesen Verdachtsgründen noch sonst etwas vorzubringen, was Ihre Anschuldigung der Untreue rechtfertigen könnte? — Sarah Sp.: Was wollen Eu'Gnaden noch mehr haben? Die ganze Welt red't darüber. - Richter: Was redet die Welt? — Sarah Sp.: Daß er mir nicht treu ist. ' . Richter: Können Sie durch Zeugen oder Umstände die Untreue Ihres Gatten Nachweisen?^— Sarah Sp.: Eu' Gnaden, fragen'Sie die Haüsmeisterin. Richter: -Ist diese hier? — Sarah Sp.: Ja; ich habe sie mitgebracht. Richter: So lasse man dieselbe eintreten.; , Marie K., Poliersgattin und Hausmeisterin, tritt ein. Richter: Die Frau Sp. klagt ihren Gatten auf Ehebruch und führt: Sie als Zeugin auf. — H a u smei st e ri n (entrüstet): Ja, wie komm' i zu der Ehr', mein Gott und Herrwon mein. Mann , so a Wort inna wurd', i glaub', der verschlaget mich: Richter: Haben Sie bemerkt, daß Herr Lazar Sp. seiner Gattin untreu ist? — Hausme i st e r i n (lächelnd): Hörn's mir mit dem Narrenthuxry auf. Richter: Ich.bin verpflichtet, Sie darum zu fragen, weil sich die Frau Saxah Sp. auf Sie beruft? Hausmeister iw: r ' Richte^'- Sie wissen also nichts anzugeben? — HauS - Meisterin: Nix, als daß mir öfter a Hetz haben, weil die Frau so viel auf ihren Mann eifert;.. Richter (zur Klägerin): Die Zeugin weiß ja von nichts. — Sarahs Sp: '(zur Hausmeisterin): Haben Sie mir nicht selbst gesagt, ich soll äüfpaffen? — H a us m e ister in: Hören's, Jesus, Maria und Joseph, in wos an so alte Jüdin hineinbringen kunt, dös is über die Pimperlcomödie. Sie derzählt mir a G'schichtvon der i in mein' Leben nix g'hört Hab' , und i sog ihr: -Me Männer sein Schlankeln alle mit anand;" dös wird doch nichts Schlecht's sein? '' Richter: Sonst wissen Sie nichts? — Hausm'eisterin: Nix. Richter: Dann können Sie gehein — Hausmeisterin: I küß' d'Hand, hob e noch ka Stiegen g'rieben und morgen kummt d'Hausfrau. Richter (zur Klägerin): Ich meine, Sie haben eine etwas erhitzte Phantasie gehabt und werden jetzt klarer sehen und die Sache aufgeben.Lazar S p. (noch ehe seineFrau zum Worte kommt): Nein, Eu' Guaden, jetzt dreh'-ich den Spieß üm, sie hat mich stechen wollen, jetzt werde ich reden.' ' Richter: In eine Privat-Conversation kann ich mich hier nicht einlassen. — Lazar Sp.: Ich krieg' also kein Recht? Richter: Sie haben nicht-geklagt; die Verhandlung findet über die von:Ihrer Gattin angebrachte Klage statt. — Lazar Sp.: Was geschieht jetzt? Richter: Das werden Sie gleich vernehmen. — Lazar Sp.: Ich bin auf Ehre neugierig. Richter (zur Klägerin): Sie sind 70, Ähr Gatte 73 Jahre alt; ich meine, dieses Alter allein sollte den sichersten Schutz gegen 'solche Verdächtigungen bieten. — Sarah S p. ^(trübselig): Er kann sich auf mich verlassen, ich war ihm all mein Lebtag treu; bei ihm leider weiß man nichts Bestimmtes. Man sagt im Sprichwort, Alter schützt vor Thorheit nicht, und -bei den Männern trifft das oft zu. Richter: Ein Klagegrund gegen Ihren Gatten liegt nicht vor; befreien Sie sich und Ihren Gatten von unnützen Quälereien und leben Sie in Frieden und Gintracht zusammen.— Sarah Sp. (weinend): Eu' Gnaden, tausend schad', daß Sie nicht ein Rabbiner geworden sind,-Sie reden wie ein Gott. Ich meine völlig, ich lese in der Bibel. (Gegen den Gatten gewendet): Lazarleben, do nimm dir ein Beispiel. . Richter: Sie ziehen also Ihr Klagebegehren zurück? — Sarah Sp.: Was En'Gnaden mit mir machen; ist mir recht. Richter: So ist die Verhandlung beendet. Lazar Sp. (zur Gattin: Nu, ist dir jetzt leichter? — Sarah Sp.: Jo, sollst du leben und ich auch. Heute kdch' ich dir deine Lieblingsspeis: „Ritschert mit Ganef". '

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