Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1874)
- Date
- 1874-07-14
- Page
- Seite 497 (sequence 13)
- Language
- German
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Aus dem GerichLssaale*) ' .. Wien, 27. Juni./ ., (Alter schützt vor Thorheit nicht/) Sarah Sp.,eine siebzigjährige Matrone, Mutter dreier Kinder, die bereits alle wohlversorgt sind, und sechsfache Großmutterüberreichte bei Gericht,-gegen ihren Ehegatten Lazar Sp., einen ihr an Jahren vörangeeilten, gut situirten Geschäftsmann, zum Zwecke der Ehescheidung die Klage auf Ehebruch. Es war für heute die Verhandlung anberaumt. - . Der Richter kann seinem Erstaunen nicht genug Ausdruck gebey, als Gegen stand der Verhandlung aufgerufen wird , das Ehepaar Sp. eintritt und gegeneinander Stellung nimmt. Richter: Sind Sie Frau Sarah Sp.?—Sarah Sp.: Ich bin die Sarah Sp. Richter: Sie haben doch nicht auf Ehebruch; geklagt? — Sarah Sp.: Warum soll .ich nicht haben geklagtwenn ich Hab' ja geklagt? Rich ter: Ich wollte mich nur -überzeugen, ob hier keine Verwechslung stattfindet. — Sarah Sp.: Nein, Eu Gnaden, ich bin das unglückliche Weib, die unglückliche Mutter. > Richter? Was veranlaßte Sie zu diesem Schritte? — Sarah Sp.: Eu'Gnaden, wenn ich Ihnen anfang zu erzählen, werden wir in einem Jahr noch nicht fertig. .Richter (einfallend): So viel Zeit habe ich. wohl, nicht: ich meine, Sie sollen mir in Kürze sagen, was Sie veranlaßt hat, gegen Ihren Galten klagbar aufzurreten. — Sarah Sp.: Was mich veranlaßt hat, Eu' Gnaden? Nicht erleben soll man's, was ich aussteh'; mein Mann ist kein Mann, er ist gar nichts. Richter: Auf das kommen, wir später. Jetzt möchte ich nur. wissen, was Sie mit der Klage bezwecken wollen. — Sarah Sp.: Wie haißt, was ich bezwecken will? Fort will ich von ihm, nix leben will ich mit ihm. Richter: .Und weßhalb wollen Sie fort von Ihrem angetranten Gatten? — Sarah Sp.: Eu' Gnaden, ein Weßhalb könnt' ich erzählen Ihnen, daß allen meinen Feinden Hören und Sehen vergehen möcht'. Richter: Hat Sie Ähr Mann mißhandelt? — Sarah Sp.: Mißhandeln soll er mich auch noch? Faule Fisch'und Schläg' dazu. Richter: Hat Ihnen Ihr Mann verweigert, die nothwendigen Kostendes Haushaltes zu bestreiten?— Sarah Sp.: Weiter fehltet ihm nix, ich kratzet ihm die Augen aus. . Richtern Wodurch hat sich denn Ihr Gatte Ihnen plötzlich mißliebig gemacht?-—Sarah Sp.: Wie haißt plötzlich? Das ist eine alte Gesere (altes Leiden),. nur Hab' ich's immer heruntergeschluckt. *) Aus der „N. fr. Pr." Richter: Ist Herr Sp. Ihr erster Gatte oder haben Sie! ihn als Wittwes geheirathet? — Sarah Sp.: Gott soll Einem hüten, mein Mann soll - hundert Jahre leben; eppes bin ich ein leichtsinniges Weib, was-sich' wieder entschließtzu heiraten? Nicht erleben will ich's. ' ■; . Richter: Wie lange sind Sie'mit Ihrem Gatten verheirathet? — Sarah Sp.: Zu Guten, 33 Jahrewaren es Heuer. Ri ch t e r: Haben Sie nicht gut zusammen gelebt? —- S arah Sp.: Gelebt-haben wir wie ein! Paar Hendel. Richter: Haben Sie Familie? — Sarah Sp.': Zwei Söhne und eine Tochter, An's schöner wie. 's Andere-,' An's braver wie 's Andere, und Enkerln -^ soll ich leben, Eu Gnaden!' — es thut mir leid, ich Hab' nicht e paar mitgebracht. (Gegen ihren Gatten gewendet): Lazarleben, geh', ich bitt' dich, hol' dem-gnädigen Herrn den Lajosch. Richter: Lassen Sie das, bleiben wir bei der Sache. — S a ra h S p.: Eu' Gnaden, es wird Ihnen nicht bereuen, wir wohnen nur-etliche Häuser weit. (Gegen ihren Gatten): Lazarleben, geh' hol' den Lajosch. Richter: Lassen Sie das! und antworten Sie auf meine Fragen. — Sarah. Sp.: Eu' Gnaden-, bin ich eine Antwort schuldig geblieben? Richter: Sie leben auch in/-guten Umständen?— Sarah Sp.: Gott sei Lob und Dank, mir haben, was mir brauchen und etwas darüber. - ' Richter: Nach alledem, was ich bis jetzt von Ihnen gehört habe, begreife ich nicht, warum Sie - sich von Ihrem Manne! trennen wollen. — Sarah Sp.: Das ist ja die Geschicht', Eu' Gnaden, um a Aug' ist die Kuh blind. Richter: Das versteh' icht nicht. — Sarah Sp.: Sie verstehen nix, Eu' Gnaden? Wann ich wollt' reden, möchten Sie mich ja verstehen. -!! Richter: Sie klagen Ihren Mann auf Ehebruch; ist das richtig? —Sarah Sp.: Gott sei es geklagt, leider Gott, ja. Nicht e r: Worauf gründet sich xdiese Klage? — Sarah Sp.: Worauf sie sich gründet? Nicht erleben soll man es. . Richter: Sie müssen mir, wenn mit einem Urtheile vorgegangen werden soll, etwas Bestimmtes angeben. — Sarah Sp.: Was haißen Sie Bestimmtes, Eu' Gnaden? ' Richter: Meinen Siedaß Ihr Gatte mit einer anderen -Frau ein sträfliches Verhältniß unterhält? :— Sarah Sp/: Meinen? Wie haißt meinen? Wissen thue ich es ganz bestimmt. Richter: Was wissen Sie bestimmt? — Sarah Sp. (verschämt) : Ich weiß bestimmt, daß er mich nicht mehr gern hat. Richter: Selbst wenn das der Fall wäre, würde das noch -immer keine ehebrecherische Handlung beweisen. — Sarah Sp. : Ich kenn' mein' Mann besser, wir leben dreiünddreißig Jahr' 'miteinander.