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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-14 · Heft 29 (14.7.1874) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 29 (14.7.1874)
Date
1874-07-14
Page
Seite 496 (sequence 12)
Language
German
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am 16. December 1873, sowohl an 4>en englischen iMinister des Aeußern, Earl Granville, als auch an Mussurus Bey, den türkischen Gesandten iw London. Von beiden Seiten (von Muffurus Bey am 26. Januar 1874,, . von dem auswärtigen Amte am 2,4. Februar 1-874) erhielt sie die erfreuliche Nachricht, daß die Hohe Pforte ihrem - Generalgouverneur in Nemen befohlen habe, den Juden von Sanaa jeden Grund zur Klage zu nehmenmnd sie. auf völlig gleichem Fuße,.mit den übrigen Unterthanen des Sultans zu behandeln. — Der Bericht enthalt noch interessante Nachrichten über die jüdische. Gemeinde-in Smyrna, sowie eine Denkschrift des Herrn Rabbiner A. Löwy, welchen die Association nach dem westlichen Rußland zur Untersulchung der Zustände der dortigen Glaubensgenossen gesandt hatte, über die Ergebnisse seiner Nachforschungen. Wir werden diese Schilderungen unfern- Lesern in meiner spätern Nummer mittheilen. * Italien. Rom, 28. Juni. Die „K. Z." läßt sich von hier schreiben: „Die letzte Sitzung der Municipaljunta war stürmisch, hatte aber ein-glückliches Ergebniß. Der Sindaco Graf Pianciani ist-der Opposition .gewichen und wird das Anleihesystem aufgebend feine weitaussehenven und -kostspieligen Plane für die Verschönerung Roms den Umständen. unterordnen. Die Quiriten verdanken diese Bekehrung ihres Sindaco der Arithmetik eines Mitgliedes .der Junta, des Juden Alatri." Ohne irgend einen Hintergedanken bei dem Correspondenten vorausznsetzen, kann man sich doch fragen,- weshalb hier bei dem Mitgliede des römischen Magistrates die Religion, zu der er sich bekennt, hervorgehoben wird. Sei dem aber, wie cs wolle, die Römer sehen, daß sie auch dem „Rechnen eines Juden" viel zu verdanken haben können. Rumänien. Bukarest, im Juni. Vor Kurzem enthielt die „N. fr. Pr." die Zuschrift eines amerikanischen Juden, die viel Gravirendes für die rumänischen Auswanderer nach Amerika und Rückschlüsse auf die rumänischen Juden überhaupt brachte. Wir nahmen unsererseits keine Notiz davon, weil die Extravaganz des Herrn Amerikaners genugsam erkenntlich war. Jetzt bringt dasselbe Blatt eine Erwiderung, unterzeichnet A. Buchner, Bicepräsident der jüdischen Gemeinde zu Bukarest, die wir hier wiedergeben', weil sie Thatsächliches enthält, das über die dortigen Verhältnisse aufklärt. Die Redact. d. A. Z. d. I. ' „Ihr geschätztes Blatt Nr. 3505 vom 30. Mai d. I. brachte einen von Ludwig Berger aus Amerika, derzeit in Wien, Unterzeichneten Brief, welcher auf uns rumänische Juden den peinlichsten Eindruck machte. Herr L. B.> der sich bereit erklärt, zu einem Fonds — man weiß nicht zu welchem — 50 fl. beizutragen/ fühlt sich bei dieser Gelegenheit berufen, den hiesigen ^Israeliten - die, schwersten Anklagen, ins Gesicht zu schleudern. Er;{agt von den rumänischen Juden^ die nach Amerika.auswanderten: -„Dieselben bereiteten aber ihren amerikanischen Glaubensgenossen, vielen Kummer, :denn sie hatten, nichts als das nackte Lebens mitgebracht mnd wollten auch kein Trefe esien, sie wollten sich durchaus, nicht modernisiren undliebten ihre Peies, ihren Schubez über Alles und wollten zudem auch; nicht arbeiten." Herr L. B. versetzt alle rumänischen- Juden in? die Kategorie der Emigranten und beeilt: sich dann-über uns.Alle hier den Stab zu brechen. Vor Allem muß ich dem Herrn L. B. bemerken, daß solche. Individuen, wie .er. isie schildert, in -der Walachei fast gar nicht Vorkommen^ und daß selbst die moldau-scheu. Juden, - von denen eine Minorität ihre alte Tracht noch beinhalten hat, die nützlichsten Bürger des Landes sind, da der Arbeiter- und Handwerkerstand, vom einfachsten Taglöhner bis zum gediegenen Handwerker, fast ausschließlich aus Juden besteht. Ueberhaupt. muß der hiesige Jude sehr arbeitssam sein und keinen' geringen Grad von Intelligenz besitzen, um mit seinem.christlichen Nebenbürger, den keine gesetzlichen Verbote in feinem Erwerbe hindern, concurriren zu können. Das irrige Urtheil des.Herrn L. B. über uns rumänische Juden erklärt sich aus' den,falschen Schlüffen, welche er aus der hiesigen Emigration zieht. Das von Natur aus so gesegnete Rumänien ist ein aufblühender Staat mit einer dünnen Bevölkerung, deßhalb findet man 'hier weder christliche noch jüdische Auswanderer.- Die hiesigen Israeliten gleichen ihren europäischen Glaubensgen offen in der Beziehung, daß sie muthig im Unglücke ausharren und es vorziehen, für ihre Gleichberechtigung zu leiden, als ihr Vaterland, welches sie noch nicht als Söhne anerkennen will, zu verlassen. Die unglückselige Idee einer Emigration rumänischer Juden nach Amerika entstand in dem Kopfe eines Herrn B. F. Psie wurde von den hiesigen Israeliten energisch bekämpft und von unseren ausländischen Glaubensgenossen verworfen.- Da sich keine Emigranten meldeten, schritt man zu Versprechungen als Lockspeise. Es hießdaß ein Jude freie Ueberfahrt und, in Amerika angelangt, 300 Dollars bekommen werde; so osierirten sich arbeitsscheue Individuen und unfähige Leute, die sich hier nicht gut fortbringen , konnten, während die große Masse, der tüchtigen- Israeliten der Emigration fernblieb. Demnach bestand das Contingent der Auswanderung aus den schlechtesten und untauglichsten Elementen Herr L. B. sagt ferner, daß alle hiesigen Juden; welche - beim Vertreter der amerikanischenRegierung um Schutz einkamen, von demselben auch protegirt wurden. Es ist wahr, daß eine geringe Anzahl von jungen Leuten, um sich dem Militärdienste zu entziehen, gegen eine gewisse Geldsumme zu amerikanischen Schutzbefohlenen gemacht wurde. Daß dies der hiesigenjüdischen Suche schadet, wird auch Herr L. B. zugeben müssen,> denn man kann nur dann - alle- Rechte , beanspruchen, wenn man sich entschließt, auch alle Lasten zu tragen."

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