Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1874)
- Date
- 1874-07-14
- Page
- Seite 495 (sequence 11)
- Language
- German
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daher, 'wegen Austragung der streitigen Angelegenheit eine freundschaftliche Vereinbarung anzubahneneventuell dieselbe gerichtlich auszutragen. ' Gegen Trefort's Beschlußantrag sprechen Joseph Iu sth und Olah, -für denselben Szathmary und Franz Pulsky. Letzterer erblickt in der Schulfonds-Angelegenheit eine eminente CultusfrÄge, die, von confessionellen Rücksichten unabhängig, in fortschrittlichem Sinne gelöst werden müsse. Es sprechen noch Huszar, Jrani, Anton Zichy und Rannicher. Zahlreiche weitere Redner sind vorgemerkt. BrÜNNim Juli. Der mährisch-schlesische israelitische Lehrerverein/ mit einem.Bestände von erst sechs Jahren, zählt an 35 ordentliche Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von 4300 fl. ö. W. in vinculirten Papieren. , In den letzten drei Jahren sind vom Vereinscomitä an unterstützungswürdige Mitgliederrespective Wittwen und Waisen fast 1000 fl. ö. W. ausbezahlt worden. Im September l. Ä. kommen wieder an 300 fl. ö. W. zur Vertheilung. Gesuche werden an den Vereinspräses Herrn vr. Moritz Eißler, Schuldirector zu Nikolsburg, gerichtet und bis 20. August angenommen. Frankreich. Paris, 1. Juli. (Aus den Arch. iör.) Die Frage wegen des portugiesischen Ritus beginnt vielen Staub aufzuwirbeln. Auch hier giebt es Leute, welche diese Veranlassung begierig ergreifen, um Zwist und Spaltung, Trennung der portugiesischen Gemeinde und Jsolirung derselben, überhaupt Widerspruch und Widerstand gegen das Consistorium hervorzurufen, Parteien, zu bilden, an deren Spitze sie ständen, und Stürme im Glase Wasser zu erregen. Allerdings hätte das Consistorium, ehe es die Fusion! der beiden Riten in Berathung zog, die portugiesische Gemeinde befragen sollen. Andererseits aber müßte die portugiesische Gemeinde, wenn sie ihren eigenen Gottesdienst haben will, auch so viel Opferwilligkeit besitzen, um die Mittel dafür in ihrem Schooße finden zu können. Hier ist es doch noch ein anderes Verhältniß als in Deutschland; denn die Separatisten brauchen zu den Gemeindelasten nichts beizutragen. Wer sich, also von dieser trennen will, hat auch an sie keine Forderung , sondern mußfür sein Bedürfniß selbst sorgen. — In Frankreich herrschen jetzt eigenthümliche Zustande. Das Gesetz, kein Cultus, welcher er /auch sei, dürfe an Orten, wo verschiedene Confessionen bestehen, außerhalb der Kirchen Processionen veranstalten, besteht noch in Kraft, wird aber gegenwärtig nicht beobachtet. Dies mag! man nun ansehen wie man will. Was sagt man aber dazuwenn in Marseille jüngst zwei Individuen, der eine Katholik, der andere Jude, weil sie vor einer , Procession den Kopf nicht entblößen wollten, vor Gerichtgefordert und der erstere mit 14 Tagen, der andere mit einem Tage Gefängniß bestraft wurden. Auch über diese Weigerung kann man verschieden denken, aber diese Bestrafung steht doch auf so ungesetzlichem Boden, daß man über eine solche Rechtspflege erstaunen muß. Aus diesem Falle erhob sich nun auch eine heftige Polemik zwischen den Blättern im Süden, namentlich der liberalen EgalitL und, dem legitimistischen Citoyen, welche einen sehr herben Ton angenommen und gleich in's Allgemeine der Confessionen gerathen ist. — -Man macht hier der neuen Gemeindekasse (aus freiwilligen Beiträgen) den Vorwurf, die Gehälter der Rabbiner bedeutend aufgebessert zu haben , während man den vielgeplagten Lehrern noch keinen Franc Zuschuß gewährt hat. “ Großbritannien. London, 1. Juli. (Privatmitth.) Die Anglo-Jewish-Association, die jetzt in Gemeinsamkeit mit der Alliance israölite Universelle arbeitet, hat nunmehr ihren dritten Jahresbericht veröffentlicht, der sich über die elf Monate vom 1. Juli 1873 bis 31. Mai 1874 erstreckt. Führen wir sogleich an, daß der financielle Stand des Vereines, der freilich noch keine sehr große Ausdehnung erlangt hat, ein günstiger ist. Die Einnahmen betrugen 650 Pfd. St. (--- 4333 V3 Thlr.), die Ausgaben dagegen nicht ganz 600 Pfd. St. (---- 4000 Thlr.); das Vereinsvermögen besteht jetzt in 832 Pfd. St. 18 Sh. 3 D., also 5553 Thlrn. Die Ausgaben sind zumeist zu Unterstützungen der israelitischen Schulen im Oriente, namentlich der Ackerbauschule in Jaffa und der Schule; in Smyrna verwanvt worden. Außerdem hat ein» anonymes Mitglied der Association auf fünf Jahre einen jährlichen Betrag von 200 Pfd. St. zur Unterstützung jüdischer Lehrer, die im Orient thätig sein sollen, bewilligt; und' ist nur zu hoffen, daß dieser großmüthige Vorgang häufige Nachahmung finde. Ueberall, wo die Juden in Bedrängniß waren, suchte die Association helfend für sie einzutreten, freilich, leider meist ohne augenblicklichen Erfolg. Doch hat der marokkanische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Sid Mahommed Bargasch, im Namen des neuen Sultans Hassan versprochen: daß derselbe die den Juden günstigen Edicte seines Vorgängers aufrecht erhalten und, „wenn es Gott gefalle, über jene Gerechtigkeit und Wohlwollen ausdehnen und nicht erlauben wolle, daß ihnen Ungerechtigkeit geschehe, oder daß sie irgend verhindert würden, Gerechtigkeit zu erlangen, .sei es in Städten, fei es auf dem flachen Lande." (Schreiben des Ministers vom 13. Mai 1874.) Möge nur Sultan Hassan sein Versprechen besser wahren, als'sein Vorgänger es gethan!—Die Juden in Sanaa, der Hauptstadt des arabischen Reiches Amen, waren von der dortigen moslemitischen Bevölkerung auf, das Härteste verfolgt' worden. Die neuliche Eroberung dieses Reiches durch die Türken hat zwar dieser Unterdrückung ein Ende gemacht , doch hat der türkische General Muschir Pascha ihnen eine besondere Kopfsteuer, auferlegt, die jene armen Juden zu bezahlen nicht im Stande sind. Um.ssie v,on dieser Bürde zu befreien, wandte sich die Association 29*