Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1874)
- Date
- 1874-07-14
- Page
- Seite 494 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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sollen, weil unter Anderem hervorgehoben wurde, daß am Sonn-! abend die Geschäfte der dortigen Banqmers, welche ave jüdischer Confession feien, geschlossen wären. - Oesteneich-Ungarn. Wien, 28. Juni.^ (Privatmitth.) Es gereicht dem Borstande dev hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zur Ehre, daß er es war, der durch ein Ansuchen das Kriegsministerium veranlaßte, den auch, in diesem. Blatte erwähnten Erlaß erfolgen zu lassen, durch welchen das Vorrecht der Militärbefreiung für die! Hörer der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Juden-: Ihums, ebenso wie für die Schülers des Breslauer Rabbiner-; Seminars , soweit sie aus österreichischen Landen gebürtig sind,- erlheilt worden. 7— Das Interesse, welches diese Zeitung durch! ihren^Leitartikel in Nr. 21 für das israelitische Blinden-Jnstitut. bewährt hat, - wirdwohl veranlassen, die folgenden Mittheilungen! aufzunehmen. : -Sr. Excellenz der k. l. Herr Handelsminister Wanhans -hat: auf die Bitte des. Jnstitutscuratoriums., eine .Nähmaschine, nach? dem Systeme Howe> zur Verfügung gestellt, um das in Amerika- und Dänemark bereits gelöste Problem > - Blinde mittelst -einer, Nähmaschinenähen zu lehren, auch in- Oesterreich heimisch zm machen. , - Am 25. d. Mts beehrte, wie schon an einem früheren.Tage der Sectionschef des Unterrichtsministeriums,- Herr Dr. Ficker/ der Präsident der Polizeidirection, Herr Hofrath M a rx, -das! Institut mit seinem Besuche und besichtigte alle Räume des nach! den neuesten/ für Blinde bestehenden pädagogischen - Grundsätzen! gebauten und eingerichteten Hauses. Es folgte eine rasch impro-! visirte Prüfung der Zöglinge — deren jetzt 18, darunter 17 unentgeltlich, ausgenommen sind — im Turnen, Singen, Biolin- und Klavierspiel, dann im Hebräisch und Deutschlesen, in Religion, biblischer Geschichte, im Schreiben,. Typendruck, Geographie,: Naturgeschichte,- und in der Werkstätte für Seilerei, Korbflechterei, Strohdeckenarbeit, Weberei, Stickerei, :H.äkeln u. s. w. Herr Präsident Marx folgte, mit gespannter Aufmerksamkeit den Uebungen und verließ, die Anstalt zu dem nach so kurzem Bestände schon erzielten Erfolgen beglückwünschend, dieselbe nach zweistündigem Aufenthalte. -Einen Tag nach seinem Besuche richtete er an ben: Gründer und Präses - Curator des Institutes Herrn Ludw. Aug. Frankl ein in den wärmsten Ausdrücken abgefaßtes Anerkennungsschreiben, dem eine ^roßmüthige Spende für die Zöglinge beilag. > Der Herr Unterrichtsminister vr. v. Stremayr hat auf die Bitte des Präsidiums des; „Ersten' europäischen Blindenlehrer-. Congresses" im Interesse der Blinden, deren sich über eine Million auf der Erve, in dev - österreichischen Monarchie allein 29,506 befindenben Congreßbericht un die europäischen und außereuropäischen Ministerien gesendet, und sind bereits,von denselben an den Congreßpräsidenten; .vr. Ludwig August Fra n kl, den Urheber des Congreffes / zahlreiche;Anerkennende Beglückwünschungen zu dem eminenten Erfolge des^Congr esses, der aus: allen vier Welttheilen; von 102 Fachmännern beschickt war, eingegangen, ebenso Dankschreiben won Ihrem Majestäten dem Kaiser Wilhelm/: unter: Verleihung des Kronenordens, und Kaiser, Alexander, der Königin vom England und Königin -von Würtemberg, welche Letztere die oberste; Schutzfrau des Blindeninstitutes in Stuttgart ist, von den Königen von Bayern, Dänemark, unter Verleihung des Dannebrogordens/Schweden/Italien, Belgien, Holland/uvonden Großherzogen von Weimar, Baden, Hessen, vom Präsidenten des^ Buntzesrathes der Schweiz rc. ,jc. In allen diesen Zuschriften ist die: Hoffnung ausgesprochen, daß das Loos, der ungMcklichen Blinden fortan einer besseren Zukunft werde zugeführt werdem Der nächsteGongreß wird: im : Jahre 1876 in: Dresden/wo > bekanntlich das,größte Blindeninstitut sich befindet, stattsinden. Der bereits erwähnte: Leitartikel in Nr. 21: hat, obwohl noch: von keinem materiellen Erfolge begleitet/ doch überall einen günstigen Eindruck ^gemacht. Immerhin ist es ausfallend, .daß bis jetzt keine blindem- Kinder aus Deutschland - , angcmeldet wurden.*)? Uebrigens finden, sich, in allen deutschen Bkindeninstituten nur äußerst wenige jüdische -Kinder Woher: kommtdies? -Lassen die wohlhabenden Eltern ihre Kinder im Hause erziehen, und die Armem-dieselben verwahrlosen? -Jedenfalls kann selbst eine sorgsame häusliche Erziehung dem blinden Kinde die Vortheile ni cht gewähren, welche ein gutes Blindeninstitut - den; unglücklichen Kindern verschafft. In Oesterreich exifliren, statistisch nachgewiefett, 1200 blinde-Juden, was ungefähr einen auf Tausend -Juden beträgt Es ist doch, nicht auzuüehmen, daß es, in-Deutschland eine verschwindend kleinere Zahl, nach dem Verhältniß der Bevölkerung gebe, jedenfalls wäre ein statistischer Nachweis interessant. — Schließlich will ich noch mittheileudaß Dr. L. A. Frankl von der Stadt Wien zum - activen Schulrathe erwählt worden ist. Pest, 4. Juli. (Telegramm.): ^Abgeordnetenhaus.) - Die Angelegenheit des israelitischen Schulfonds füllte, die Sitzung vollständig aus.: Die Debatte'wird:- morgen (Sonntag) fortgesetzt. - ' 1 ■ Minister Trefort beleuchtete die Entstehung des Schulfonds/ beantragt die Unteilbarkeit desselben und seine: Verwendung zur Errichtung eines Rabbinerseminars... Der Ueberschuß möge zur Unterstützung, -orthodoxer Volksschulen-! bestimmt werden> jy. Zfedenyi hält das bisherige Vorgehen desCultusministers für unbefugt und sagt- - die .Ausführung des . Antrages bedeute einen Gewaltact gegen dis.- glaubenstreuen Juden. .Er beantragt *) Wir glauben, daß eine Bekanntmachung des Cnratormms, welche die Bedingungen der Aufnahme enthielte, die erwünschte Wirkung haben werde/ 'besonders wenn sie,einige Male von Zeit zu Zeit-wiederholt wird. - Redact.