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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-14 · Heft 29 (14.7.1874) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 29 (14.7.1874)
Date
1874-07-14
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
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in. dem. Ritual der dortigen Juden zur rechten Zeit gesammelt, da,.sie bereits angefangen, ausdem Mundedes Volkes zu ver^ schwinden. Calendricr. ä Pusage des. Israöliles pour t'snuse 5635 de la cr&ilion du monde. Paris, L. Blum. Die Ausstattung dieses rein sächlichen Kalenders, welcher ein genaues Tableau der jüdischen Consistorien und Gemeinden mit all' ihren Anstalten und Beamten, und schließlich die sämmtlichen Adressen, welche in Bezug auf die Juden an den Schah von Persien 'gerichtet worden, enthält, ist sehr lobenswerth. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir die eigenthümliche .Erscheinung bemerken, daß dieses Jahr von dem Paschel'schen Volkskalender in Prag zwei Ausgaben veröffentlicht worden, . die eine von JakobW. Pascheles, die andere von Samuel Pascheles; es versteht sich, daß die beiden * in der äußeren Gestalt gleichen Kalender der rivalisirenden Brüder in den Unterhaltungsbeilagen verschieden sind. ... ■ ^cümt^divoc&ttclafcm. Deutschland. Berlin, 28. Juni. (Privatmittheil.) Durch die hiesigen Zeitungen läuft jetzt ein Bericht über eine Unterredung des bekannten.. Pastors Quiftorp mit dem Cultusminister vr. Falk. Derselbe versicherte dem. Pastor, daß es thöricht sei zu besorgen, das neue Unterrichtsgesetz werde eine religions- oder auch nur confessionslose Volksschule erzielen. Wir glauben dies vollständig, da ja auch die preußische Verfassung die confessionelle Volksschule verbürgt, und es also im anderen Falle erst einer Verfassungsänderung bedürfte. Wir erinnern uns dabei aber des Berichtes des Lehrers Blumenau als Deputaten des rheinisch-westphälischen israelitischen Lehrervereins über seine Unterredung mit dem Herrn Unterrichtsminister. Da erklärte sich Herr vr. Falk für keinen Freund der confessionellen Elementarschule, um etwa die jüdische Elementarschule durch das Unterrichtsgesetz aus ihrer precären Lage, in'der Mehrzahl mit dem Charakter als Privatschule zu verhelfen. Niemand wird dem Correspondenten und dieser Zeitung überhaupt irgend eine Tendenz zu konsequenter Opposition zuschreiben. Wir wollen nichts , als daß, da die Juden im preußischen Staate Gott sei Dank! in allen Pflichten gleichgestellt sind, sie auch in allen Rechten derselben Gleichstellung theilhaftig werden. Erhält also der Staat die confessionelle Volksschule, so zieht er dadurch von selbst der jüdischen confessionellen Schule die Nothwendigkeit der Existenz, und muß ihr deshalb dieselben gesetzlichen Rechte einräumen, wie den übrigen confessionellen Volksschulen, mit alleiniger Ausnahme da, -wo die Juden in so geringer Zahl vorhanden, daß sie eine besondere Schule zu haben ungeeignet sind. Es versteht sich, daß hiermit nicht gesagt sein soll, es müssen an jedem Orte, wo eine jüdische Gemeinde besteht, eine jüdisch-confessionelle Elementarschule errichtet werden, und daß den jüdischen Aeltern die Freiheit genommen werden solle, ihre Kinder in die Schule zu schicken, die ihnen passend erscheint. Sondern nur das verlangen wir, daß, wo eine jüdische Elementarschule besteht oder errichtet werden soll, sie den anderen confessionellen Elementarschulen völlig gleichgestellt und gleich behandelt werde. Dies ist das Ziel,. das wir auf diesem Gebiete erstreben, und hoffen wir endlich die siositiye Gleichstellung im Preußischen Staate ebenso zu erreichen, wie es mit der negativen gelungen ist. Berlin, 1. Juli.' (Privatmitth.) In den nächsten Tagen wird der „Erste Bericht über die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin (die ersten zwei Jahre ihres Bestehens 1872/73 umfassend) erstattet vom Curatorium" erscheinen. Den Lesern dieser Zeitung bringt derselbe nicht viel Neues, da die in Nr. 24 und 27 abgcdruckte Rede des Herrrn Prof. Lazarus in der Generalversammlung vom 6. Mai das Wesentlichste scholl gebracht hat. Begleitet ist der Bericht von einer wissenschaftlichen Beigabe von vr. A. Geiger: „Bericht über meine an der-Hochschule gehaltenen Vorlesungen: allgemeine Einleitung.in die Wissenschaft des Judenthums und Einleitung in die biblischen Schriften", worüber wohl noch in d. Bl. berichtet, werden wird. Was die Ausgaben betrifft, welche in der gedachten Rede nur. kurz erwähnt waren, so ist zu bemerken, daß die Honorare der Lehrer im Jahre 1872, wo die Vorlesungen erst % Jahre stattfanden nur 1650 Thaler, 1873: 2956 Thlr. und 1874 lvoranschläglich) 3155 Thlr. betragen. Der anderweitige Hauptpoften ist die Miethe für die Lokalitäten, welche jährlich 1060 Thaler außer den Einrichtungskosten beträgt. Im Jahre 1872 beliefen sich die Ausgaben auf 3886 Thlr., 1873: 4465 Thlr. und 1874: 5013 Thlr. Interessant ist es, daraus zu ersehen, wie richtig Sie, Herr Redacteur, bereits 1837 die Kosten einer solchen Anstalt veranschlagt haben, da Sie dafür ein Grundcapital von 100,606 Thlrn. verlangten. Da das Grundkapital der Hochschule sich erst auf 33,000 Thlr. beläuft, so ersieht man, wie nothwendig weitere einmalige Zuwendungen und besonders ' die Jahresbeiträge sind, die ersteren um die Hochschule immer sicherer, zu stellen, die anderen um den steigenden Bedürfnissen zu genügen. Denn die Ucbersicht über die gehaltenen Lehrvorträge beweist, daß so Treffliches auch geleistet wird, doch noch manche Lücke vorhanden ist. Ich erwähne nur: die midraschische Literatur, die nachtalmudische Literatur und besonders die Homiletik in Theorie und Praxis. Der Midrasch und die Homiletik haben einen eminent praktischen Zweck und sind darum ein dringendes Bedürfniß. Man wendet zwar ein, daß' diese Hochschule nicht der Praxis,^ sondern der Wissenschaft als solcher

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