Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1874)
- Date
- 1874-07-14
- Page
- Seite 489 (sequence 5)
- Language
- German
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' Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, im Juni. kragmentZ ok 2 Samaritan 1'srAum, ediled from a Bodleian M.S. With ■ an Introdiicliön, containing a Sketch of Samaritan History, Dogma, and Lites ralure by John W. Nutl. Trübner & Co.: London, 1874.; 172 und 84 8. Es ist eine merkwürdige Erscheinung in der ungemein merkwürdigen Geschichte und Entwickelung der israelitischen Religion, daß sie in der.ersten säst tausendjährigen Periode ihres Bestandes,, wo sie freilich einen immerwährenden Kampf, um das Dasein mit.dem im, Volke tiefwurzelnden und ausrottbaren Heidenthume zu bestehen hatte, nicht die geringste Spur irgend eines Schisma oder einer.sonstigen 'sektirerischen Differenz aufzuweisen hat. Erft, mit;der Rückkehr des Volkes aus der babylonischen .Gefangenschaft, seitdem gerade die Lehre Moses ihren Kampf mit dem Heidenthume . glücklich beendete und die Gesammtheit von der unerschütterlichen Ueberzeugung beseelt war, daß die Existenz des neuen Reiches blos von der treuen'Bewahrung-und Beobachtung der.väterlichen Religion abhängig sei, machte sichauch die-erste, schroffe Glaubensspaltung geltend., Der Streit mit den Samaritanern wegen, der. von denselben beanspruchten Theilnahme am Bau des zweiten Tempels,, Esra Cap: 4, warf den Zankapfel in den Schooß des Iudenthums und gab all' den späteren religiösen -Zerklüftungen und Schismen seine Entstehung. Die Samaritaner waren es) die den. ersten unheilvollen Bruch herbeiführten uyd dadurch-buchstäblich die Drachensaat her Zwietrachtin die kaum, erst zum neuen und frischen Leben erwachende Religion streuten. Mit der Erbauung des Tempels aufdem Berge Garizim wurde eine offene Trennung herheigeführt, die dann von selbst die weiteren Confequenzen zur Folge hatte. Wohl, sind uns die ältesten und ursprünglichen Differenzpunkte - der Samaritaner nicht genügend bekannt; aber so viel ist gewiß und steht-..fest,, bctjj die Saduzäer wie auch später die Karäer viele samaritanische Elemente. aufgenommen haben. Darumhat die -Geschichte und Entwickelung der Samaritaner eine. besondere wichtige Bedeutung, weil wir im Samaritanismus gleichsam das Prototyp all', der nachher auftauchenden Glaubensspaltungen und Seelen haben; so klein , und gering deren Zahl im Iudenthume auch, immerhin .sein mag. /? - .Der gelehrte Verfaffer der rubricirten Schrift hat in seiner klaren.und -lichtvollen Einleitung . eine ausführliche Geschichte der Samaritaner, deren Dogmen und Lehren,. deren Bibelübersetzung, und Literatur geliefert, die von einem gründlichen Studium der Quellen und aller hierher gehörigen Partien ein-rühm-, liches Zeugniß ablegt. Herr-Nutt,.Subbibliothekar an derBodleicma in Oxford, hat mit Umsicht die gesammte .in neuerer Zeit mit - Vorliebe. behandelte samarit. Literatur- und .Geschichte und. selbst die sonst, ignorirten Werke -jüdischer 'Gelehrten: Jost, Geiger, Kirchheim^ - Kohn, Neubauer rc.. sorgfaltig - geprüft und übersichtlich dargestellt. Das Bruchstück , des samarit. Targ ums (die letzten Capitel des Leviticus und das. Buch Numeri), das Herr Nult aus einer Handschrift der Bodleiana veröffentlichte, ist correct mit h e b rä i sch e r Sch r i f t abgedruckt und: durch einen Appendix von Dr. Harkavy in Petersburg: „dieSammlung der samaritanischen M88. in Petersburg" nebst einer englischen Uebersetzung des zuerst' von Kirchheim edirten apokryphen talmudischen ' Tractats □■>m2‘ 2122.73 bereichert. Es ist hier nicht der Ort, auf das Targum näher einzugehen, das sehr viele von dem in den Polyglotten gedruckten Targum abweichende Lesarten enthält, und wir heben blos eine Stelle hervor, um dem Leser ein kleines Bild von der samarit. Uebersetzung zu geben. 4, Buch Mose 16, 11 rmN -pstzj Nb -bv ■pv»D72‘i *]rvö':2 b2i, d. h. Nicht Recht ist es, daß Du, Karach, nebst Deiner Gemeinde wider den Ewigen Dich zusammengerottet! Und was ist Aharon, daß ihr wider ihn murret.! - Der Samaritaner hat hier das ^2b in -z2 Nb getrennt. (Ueber das Zeitwort -pvoTa. siehe Kirchheim, tarnte Schomron S. 35). Nicht uninteressant ist die Uebers. des folgenden Verses, ibid 11,. 1, weil Jonathan damit ebenfalls übereinzustimmen scheint. Der Samarit. übersetzt nämlich: das Volk redete Böses in den Ohren des 'Ewigen: 'n V172W722 ^221722 mm Es wird also hier. das. ü''32N2i722 in 11:21722 von vonbo N221,- erzählen umgewandelt. Jonathan giebt hier, wie oft,-zwei Uebers.., und zwar. ->1^2^722 und dann: ^2 irz^ri, so muß nämlich für -das falsche W3 laran emendirt werden^ - Eine der wichtigsten Streitpunkte zwischen den Samaritanern und Juden, der sich von der frühesten Zeit datirt, besteht bekanntlich darin, daß die Ersteren die Propheten und Hagiographen von der heiligen Schrift gänzlich ausschließen und einzig und allein der Thora den C5;i>avafter l?er fettigen Schrift beilegen. Mit der Lossagung von Jerusalem und der Erbauung des Tempels auf Garizim steht auch die Nichtanerkennung der Propheten und Hagiographen iminnigen Zusammenhänge, da die Propheten und Hagiographen stets von der Herrlichkeit Zions und von dem Tempel und dem Heiligthume - in Jerusalem sprechen. - Ebenso folgt wiederum daraus, als eine unbestreitbare Consequenz, obwohl dies bisher noch nicht genügend-hervorgehoben wurde, daß die. Samaritaner die Tradition verwerfen mußten. Sobald - sie die Bücher der Propheten und Hagiographen gänzlich verwarfen; so haben sie auch die Kette der Überlieferung von Moses bis Esra gewaltsam -zerrissen. Beieiner Nichtanerkennung und Verwerfungder Propheten und Hagiographen, die obwohl schriftlich vorhanden/ von den Rabbinern nb2-ji ^2,2 genannt werden (Thaanith. 15, a Baba Kamma 2, b), ist also an eine Anerkenn üng der -Tradition, gar--'nichtzu denken! Die Saduzäer und K a r ä e r haben darum hierin in den Samaritanern ihre Vorläufer gehabt, .mit denen sie notorisch in vielen Auslegungen der Gesetze übereinstimmen. Im Talmud und Midrasch wird gegen dieseDerwerfungcher Propheten und Hagiographen häufig polekyisirt, iüMüi