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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-14 · Heft 29 (14.7.1874) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 29 (14.7.1874)
Date
1874-07-14
Page
Seite 487 (sequence 3)
Language
German
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Ä ude n t-h u nt'sj - et ne gerech ter-e- W ürd i gu n g d es ihm 1 innrwöhnewden Geistes von Seilen der Nichtjuden, zugleich aber auch der Verzicht auf jene v e r a l 1 eten, nur auf Absonderung berechneten Gebräuche don Seiten der! Juden selber." Zunächst beschäftigt sich der Verfasser mit der Vorstellung! von'- Gott. ' Er giM zu,; daßim ' alten Testament. Aussprüche von Gott als einen Gott des Zornes und der Rache Vorkommen, zeigt aber sehr beredt, daß eine solche Vorstellung auch im Christenthume, und zwar schon in dessen Grunddogma vorhanden , ja noch weit mehr vorherrschend sei;- weist aber dann auf die geläuterten und: /erhebenden Begriffe - von Gott hin, welche das Äudenthum bereits in' seiner ältesten Periode aufgestellt hat, und auf die reine Gottesverehrung/ auf welche durch Gesinnung und That in den ältesten Urkunden des Judenthums gedrungen wird. Wir brauchen an dieser Stelle das Einzelne nicht wieder zu geben.; Der Verfasser fährt fort: . - - - „Diese Hinweisung des/großen jüdischen Propheten auf diesittlichen - Aufgaben, l in deren Erfüllung die wahre Religion bestehe, sie ist für -unS'izügleich -eilte' Hinweisung-nuf-dasjettige Ge-, biet,- wo - uns die - hohe - Schönheit -der Religion des Iudenthums in noch Helleremu Glanze entgegenstrahlt. ' : - Ed ist das große Gebiet der Pflichten, wie sie sich uns sowohl-, im'-Hinblick; üüf uns: selbst,-' als das.Zusammenleben mit. den übrigen Menschener-- geben- und -wdn' denen hier' auf die bezeichnendsten wenigstens soll; aufmerksam gemacht werden. . - -Diese fittnd;en> grünben fid^ auf bte Anschauung, welche das Äudenthumvom Menschen: überhaupt, vom Wesen »des Menschen, von seiner hohen Stellung im Gefammtbereich: aller Wesen sich gebildet, unddiese Anschauung - wird nicht im. Entferntesten dadurch beeinträchtigt , daß. sie theilweise im Gewandeider alten -morzenländischen Vorstellungsart auftritt. Im Zusammenhang mit. diesererscheint schon dem ältesten Äudenthum: der Mensch-! wenn >,er auch nach seiner natürlichen Seite nur' -dem Grafe gleicht,-das „blüht und verwelkt", und wie „böse auch: sein Trachten von Äugend auf", er erscheint ihm doch als nichts: Geringeres, denn „der Hauch des Ewigen", das ,-Ebenbild Gottes^,-der „mit-Ehre und Glanz .-geschmückte' Herrscher über; die;>Natur"'; - seine -Bestimmung,-- und allerdings ' zunächst diedes > Bekenners des Judenthums, ist keine geringere-' als die „heilig" zu sein, „ein heiliges Volk'>- sich „los zu machen von der Sünde: durch -Gerechtigkeit". (Daniel.) Dieses' hohe Bewußtsein von der. dem-Menschen angebornen Würde, kraftderen er Nicht mur: zum .Höchsten : Leruftn, sondern die Fähigkeit-- - dieses Höchste zu erreichen, auch in sich selber hates-verdient 'aber unrsomehr als Beweis -des dem Äudenthum innewohnendensittlichen Geistes: anerkannt zu werden, als es sich zum Bortheil des Iudenthums: namentlich von jener im Christenthum aufgekommenen niedrigen- und so folgenschweren. Ansicht unterscheidet, nach' welcher dem Menschen diese Fähigkeit abgesprochen, und der Glaube verbreitet würdedaß-er, weil mit der sogenannten Erbsünde behaftet, zur Erreichung seiner Menschenaufgabe auseigner Kraft heraus gänzlich unfähig sei.- Im Lichte dieses hohen Menschheitsbewußtseins ist es daherin welchem wir alle die verschiedenen Sitten und' Sittengesetze, sowie die mannigfachen Rechtsbestimmungen zu betrachten haben, welche für die einzelnen Lebensverhältnisse als dem Äudenthum eigenthümlich sich herausgebildet haben." - - Der Verfasser beginnt mit der Familie, die auf der Heiligkeit der Ehe, der Aelternliebe uud der Aelternverehrung beruht, beleuchtet dann -mit Anführung von Schrift- und Talmudstellen die großen Vorzüge der jüdischen Anschauung und Sitte und schließt: „Wer sich einen freien Blick zu wahren gewußt hat, der weiß nun aber auch, daß diese Anschauungen in-Betreff des ehelichen und des Familienlebens nicht nur in den alten und ältesten Urkunden des Iudenthums-niedergelegt sind, sondern, daß sie, mit verschwindenden. Ausnahmenin Fleisch - und Blut übergegangen sind, und nur der blinde konfessionelle Haß und Hochmuth, nur die fanatische Schmäh - und Verleümdnngssücht kann es leugnen, daß sich im großen Ganzen das Äudenthum, d. h. seine Mitglieder, durch ein geradezu musterhaftes Familienleben, ebenso durch die in ihm herrschende Pietät, als durch seine sittliche Reinheit, seine'Treue- und : Innigkeit auf's Vorthcilhafteste auszeichnet,' —ein' Ruhm, an dessen Verdienst das Christenthum allerdings auch feinen Ancheil hat, aber leider fast nur insoferne, als sein jahrhundertlang festgesetztes Bedrücküngs- und:Verfolgungssystem die Juden förmlich gezwungen hat, im engsten Kreis der- Familie sich das stille glückliche Asyl - zu schaffen, innerhalb -dessen sie -den sittlichen Muth der Entsagung fanden inmitten einer Welt, die das Wortder Liebe immer -auf der Zunge hatte, imtiefsten Herzen aber nichts als Haß und Verachtung.; Derselbe wahrhaft' humane Geist, bet uns in den angeführten ■ Zügen des Familienlebens entgegentritt, -spricht sich nun auch, wenn wir in -weiteren Kreisen uns ümsehen, in allen übrigen Verhältnissen des Menschen zu einander auf's unzweideuügsteaus. Dem Äudenthum steht vor-Allem der Grundsatz fest und unverrückbar-- daß in allen eigentlichen Rechtsverhältnissen'-gleiches Recht für Alle gelten'müffe, und zwar für Alle ohne Ausnahme, für den Juden, wie'für den- Nichtjuden."' Hierüber bringt er Belegstellen an und fügt hinzu-: „Aus dem Glauben, daß Gott der Vater und alle Menschen Brüder sind, ergab sich dem Iudenthume nicht nur das Pflichtbewüßtsein, - allen Bedrängten: unter - diesen Brüdern' helfend bei- 3U^^e^c1l,jonbernve8 ■ ettüudjs feiner Religion, der Grundsatz allgemeiner ' Menschenliebe überhaupt. And hier ist es, wo die. Wahrheit und Gerechtigkeit verlangt anzuerkennen, daß gerade das Äudenthum sich zu - so--wahrhaft schönen, edeln,. weitherzigen --erhabenen Anschauungen emporgeschwungen, daßnur der allerverstockteste -und allerverranteste .Hristliche Hochmnth -es in. Abrede stellen kann." —

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