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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-07 · Heft 28 (7.7.1874) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 28 (7.7.1874)
Date
1874-07-07
Page
Seite 480 (sequence 14)
Language
German
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jenigen Wege einznschlagen, die sein erfahrener Principalchm vorgezeichnet hatte. Wohin die Wege führten? Zunächst zu dem Vorsitzenden der Aeltesten, welchem der Bittsteller, wie sich derselbe ausdrückte, noch ehe er den Muth zur Unterbreitung eines brieflichen Gesuches habe, die Frage vorzulegen, wünschte, ob seiner Aufnahme in, die'Gemeinde ein Hinderniß entgegenstehen würde; wofern di?s der Fall, würde er, um sich -nicht erst einen abschlägigen Bescheid zu holen, bei der Regierung gar nicht erst um Schutz einkommen, sondern vielmehr einen andern Wohnort .aussuchen, in welchem ihm die Niederlassung leichter ermöglicht würde. - Der also Angeredete, einer jener furchtsamen Concurrenten, war von. dem soeben Gehörten sichtlich überrascht und entgcgnete mit wichtiger Amtsmiene, den vorliegenden Fall mit seinen College» besprechen zu müssen, bevor er auf die an ihn gerichtete Frage eine maßgebende Antwort geben könne. Diese blieb auch gar nicht lange, kaum drei Tage, aus. Ein kurzgefaßtes', Amtsfchreiben der Gemeindeältesten gab dem Gedanken Ausdruck, daß man vor der Hand nicht in der Lage sei, den Zuzug von Fremden zu begünstigen. Jetzt also wußte der Fremde wenigstens, woran er war; er wußte, daß sein etwa zwanzigjähriger Aufenthalt am Platze ihn noch nicht ortsangehörig gemacht und daß man über seine persönliche Führung keinen' Tadel habe aüsfprechen können. Eben dieser letztere Punkt war jedoch unstreitig von großer Bedeutung; bot er 'doch dem Abgewiesenen eine geeignete Handhabe, sich nunmehr mit der Bitte an die Aeltesten zu wenden; ihm behufs leichtern Unterkommens und schnellerer Aufnahme in Hamburg ein Führungsattest ausstellen zu wollen. — Dies, versteht sich; konnte man ihm, schon um seines allgemein geachteten Principals Willem nicht gut verweigern; ja, da dieser allenthalben, wohin er kam; klagend erzählt hatte , - er müsse sich in den nächsten Tagen 'schon nach einem neuen Buchhalter umsehen, so Unterzeichneten die von ihrer Angst befreiten Concurrenten mehr' als gern „den 'Laufpaß nach der freien Reichsstadt", als das Colleg, 'wiefrüher üblich, am Sonntag, auf der Gemeindefchule Sitzung chielt., - > < - Und nun, lieber Leser! beklagst Du nicht die Verlobten? Bedauerst Du - nicht ihre Eltern, welchen die Erreichung eines süß geträumten Glückes in weite, unabsehbare Ferne gerückt ward? Folge mir! - Sprich noch kein, Wort des Mitleids aus-! Vielleicht wendet, sich - das Blatt, und „wer zuletzt lacht, lacht am besten." ' - Fünf Tage , sind vergangen, seitdem der junge Löwenberg das. löbliche Attest. erhalten. Gleichnach Empfang desselben -ist er mit Extrapost/ahgercist. Wohin er sich begeben, ab sich das von den Aeltesten ihm zugestellte Blatt auch irgendwohin gewendet.—: wer weiß, wer-.erfährt -es sobald?,. . >. -; Wer £, Du, lieber Leser,. - so.llst es sogleich - erfahren.!-- —; Freitag, .um. die Mittagsstunde, jur .Auswanderung Ver- Mtheilte -zufrieden undvergnügt in das .Haus -seines künftigen Schwiegervaters znrückgekehrt. .-— < .. : Warum stehen»aber, als die -Stunde - der Sabbathbegrüßung!gekommen, die Herren Aeltesten; so ernst und finster aussehend, in der Vorhalle -der Synagoge beisammen? Kann die Berathung nicht bis zur nächsten Sonntags-Sitzung verschoben werde»? Oder, harret der zu besprechende Gegenstand einer früher» (Srlebig«»«^ Er ist bereits erledigt. Dev Vorsitzende giebt ja soeben seinen College« davon. Kunde, daß chüt der Mittagspost aus der etwa sieben/Meilen entfernten Bezirkshauptstadtein Regierungsschreiben an ihn /gelangt ist, worin: -siM die Behörde ungefähr folgendermaßen ausspricht: Wenn Ihr den aus dortigem Meise gebürtigen Bernhard Löwenberg, welcher der Regierung 'seine von Euch ausgestellten-Zeugnisse vorgelegl hat, einer andern Gemeinde als ehrbaren und redlichen Geschäftsmann empfehlet, warum wollet Ihr -denn dem Wunsche. deS.Euch - feit achtzehn Jahren bekannten Bittstellers nicht gerecht werden und denselben zugleich Eurer eigenen Gemeinde erhalten? Binnen .acht Tagen habtIhr hierher zu berichten, daß Ihr dem rc. Löwenberg die Aufnahme in Euren - Gemeindebund verwilligt «nd ihm davon Anzeige : gemacht habt. Vermischte«. Die gebildete Jugend der jüdischen Einwohner in Wreschen gab am 21. März im Heppner'schen Saale unter der Leitung des Herrn M. Kuttner zum Besten der neuaufzubauenden Synä-' goge eine theatralische Vorstellung. Entree kostete 15 Sgr. Dennoch.war der Saal, der an Größe einem' -kleinen Theater nicht nachsteht, ziemlich voll, und der Besuch würde wahrscheinlich noch -zahlreicher ausgefallen sein, wenn das Entröe für. die Verhältnisse der kleinen - Stadt - nicht so hoch gewesen wäre. Die Zuschauer - waren; wie zu erwarten stand, größtenteils jüdischer Confefsion, doch befandensich verhält« ißmäßig auch viele Christen- _ darunter. Die Vorstellung begann mit einem vom Rabbiner Herrn vr. Holländer verfaßten Prolog, der feinem Zweck in sehr schöner Weise entsprach und eben so schön vorgetragen wurde. Die ganze Vdrstellüng erhielt einen komischen Charakter dadurch/ daß die Damen, welche aus. MangÄ an' Herren, der in Wreschen bei dergleichen Gelegenheit sich immer zeigt, Herrenrollen haben, spielen müssen, wahrscheinlich wegen des Verbots 5. Buch Mos. 22, 5. Männerkleider anzulegen sich scheuten ünd, um jedoch die' Illusion nicht zu stören, Aber ihren' eigenen Kleidern 'Männerröcke anhatten. ' In Peczel (Ungarn) feierte den 7. Juni der KaüfckM' Herr Simon Ehren st ein das Mene Fest der goldenen Hoch-' zeit. Der Bräutigam - ist 80 Jahre; die Braut 7ü IahM alt, dabei- > sind beide vollkommen -rüstig und arbeiten in Haus nttb^Hof.

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