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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-07 · Heft 28 (7.7.1874) · p. Seite 479

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 28 (7.7.1874)
Date
1874-07-07
Page
Seite 479 (sequence 13)
Language
German
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emenr:;6efferen Unterricht zu verschaffen , - beabsichtigte' - er in die. kaum eine Meile entfernt gelegene -größere Stadt überzusiedeln, undrichtete.deshalb - ein geeignetes Gesuch an; den jüdischen Gemeindevorstand; der letzter». Dieser und. die bei der desfallsigen Berathung hinzugezogene „Fünfmänner-Vertretüng" lehnten - das Bittgesuch rundweg ab, da-sie . keinen-Zuzug von— Fremden? wollten. . . . .Wenige Tage'nachdem der nerhängnißvolle Absagebrief den Petenten unangenehm überrascht Hat, trifft derselbe mit einem Mitgliede. des -vorerwähnten i „Fünfmänner-Collegs" zusammen und fährt ihn in gereizter. Stimmung an:-„Du bist also auch mein Freund nichtig „Wie so?" erwiedert hastig der Angeredete. „Nun, Dm fragst noch? Hättest Dn mir nicht zu meiner Uebersiedlung zu Euch verhelfen können? Ihr habt doch einstimmig mein Gesuchabgelehnt"^ „Ich bir^ aber nicht in dieser Sitzung gewesen," entgegnet.nun Jener, „hätte ich gewußt, was bei derselben vorkommt, so würde ich-meine. Reise verschoben haben, und, das ist sicher, meinen Antrag hätte ich allerdings schon durchbringen-'wollen.- Uebrigens, wenn Du mir ein gutes Wort giebst, kann ich das auch jetztnoch." — Läßt sich denken , der Bittsteller ließ es jetzt an guten Worten seinem guten:. Freunde gegenüber nicht fehlen, setzte auch sofort, auf dessen Rath, ein neues Gesuch auf, — und, was "meinst Pu wohl, lieber Leser? Setzt Letzterer seinen Willen ldürch? Ja! — Aber wie fängt er dies an? . . Bei einer bald darauf stattfindenden Sitzung-erhebt er sich, sobald die -auf der Tagesordnung stehende Zuzugs-Angelegenheit von Neuem in Berathung gezogen werden .soll, -und sagt scheinbar, erregt: „Meine.Herren, neulich haben Sie doch jenem Manne eine-abschlägige Antwort gegeben. Ich erkläre mich nun mit Ihrem Vorgehen, -da ich damals nichtmitberathen, ganz - einverstanden; aber.zu meinem^ Bedauern -habe ich. gehört, daß Einige unter Ihnen nachträglich , beabsichtigen, Jenem zu seiner Niederlassung- Hier am.hiesigen. Platze zu verhelfen, und.-da will ich denn -nur gleich sagen: . da s- -leide . icha u f; kein e n Fall > daß —--Der-Sprecher hat seinen-Satznoch nicht, voll-; end«et.7M--schvM-erWt-:-.sich..eine stürmische ^Opposition: „Wie Heißh?t-Er will nicht leiden? Gerade soll Jener.kommen!" ,-Nein, daraus wird Nichts!" ruft-nun in erkünsteltem Zorn der unterbrochene Redner;- „wenigstensprotestire ich hiermit; dagegen, daß «Sie, über, diese Sache in..dieser Sitzung entscheiden.". Bei, -diesen Worten ergreift die Angeredeten erst recht -der Geist des Widerspruchs: „Was!? Protestiren!? Die heutige Sitzung!? Heute noch sott er's haben, gerade!"—-Die leivensAaflllche Erregung- Hat. ihren Höhepunkt, erreicht, eindem Petenten günstiger Bescheid wird; decretirt,. pyotokollirtunv —- bald nach geschlossener..Sitzuyg eilt der , welcher.nun allein in der ÖWsition r gebpeHen,, > \ nach >,., •<; umseinem. Freunde,- m itzu-, Heiken: „Ich gratulire, Du bist glücklich durch, ich habe alles Mögliche dazu gethan!: Morgen schon wird Dir unser 'Vorstand die Anzeige machen." - - III. ' Es mag gegen achtzig Jahre her sein / daß ein nachmals recht biederer' Mann und angesehener Kaufmann das — ja vorläufig konnte man es so nennen — Unglück hatte, das erste Unglück in seinem. Leben : in einem Dorfe geboren zu werden. Absichtlich wähle ich hier nicht den ebenso gebräuchlichen Ausdruck: >,das Licht der Welt zu'erblicken." ' ' Bedeutete denn für den Dorfbewohner in jener Zeit geistiger Dunkelheit, bei welcher, wie in der ägyptischen Finsterniß, „Niemand von der Stelle konnte", die Geburtsstätte' weniger als die Welt? Für den Israeliten zumal! Ward ihm doch ohnehin am achten Lebenstage schon so manche Carriere abgeschnitten! . Trotz alledem freuten sich jedoch, ganz selbstverständlich, dw Eltern mit dem neugebornen, einzigen Knäblein außerordentlich.. Er konnte, sollte ja auch ihre Freude , ihr Stotz , und vielleicht gar ihre Stütze im Alter werden — und der obgleich nicht bemittelte Vater hatte Großes mit seinem Sohne vor. Er brachte ihn ini. neunten Lebensjahre auf die israelitische Schule der nahe-- gelegenen Stadt, gab ihn. bei einem Lehrer in „halbe Kost", indem er zur Beschaffung des-Mittagtisches und Abendbrodes die, Hilfe einiger reichen Familien in Anspruch nahm. .Der wißbegierige. Schüler wuchs, auch geistig zunehmend,, heran- und einer seiner. Gönner, der ihn besonders liebgewonnen hatte, nahm den Pflegling, am Tage nach dessen Barmizwah, als „Helfers insein. Geschäft. In der That rechtfertigte dieser seinen Titel sehr bald,. und kaum - waren noch einige Jahre vergangen, so war er sogar die.rechte Hand seines Herrn geworden. Verstand er doch Correspondenz, regelrechte Buchführung!:— — und kann es da Wunder nehmen, wenn der Principal, einen solchen jungen Mann noch eine Reihe von Jahren .durch Gehaltserhöhung zu fesseln sucht, , um ..ihn später noch enger,-nicht an.sein Geschäft, aber aw sein Herz zu ketten, indem erihm die junge, älteste- Tochter zu verloben.wünscht? - , c \ :' -Niemand, verdenkt eS ihm 7-^-und er hatte auch ganz richtig, weil - mit; .gegebenen Verhältnissen, gerechnet. »Die jungen Leute wnren schon lange' einig;"- aber, -aber die; Kijumim! r- Herr -Löwenberg- — sowollen wir unfern" Heirathscandi-' -baten nennen, war allerdings Jedem, der in näherer Beziehung zu' .ihm stand/als guteredler Mensch, und' den Geschäftsfreunden -seines Handlungshauses' als-'tüchtiger'Kaufmann bekannt/ War denn aber dieser letztere Umstand besonders^ geeignet, ihn dem Wohlwollen derjenigen Parnoßim';zü empfehlen, 'welche in' -ihm einen gefährlichen Geschäftsconcnrrenten erblickten? Gewiß nicht. Somit hinstkfür - deni jungen^Mann; wenn er-semen'Zweck .erreichen-wollten, sehr viel'davon-.ab; mit knochiger V'öksicht die-'

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