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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-07 · Heft 28 (7.7.1874) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 28 (7.7.1874)
Date
1874-07-07
Page
Seite 478 (sequence 12)
Language
German
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ken rjn-Israel f e-lLst r rioch-wiel lebendigerssein mußte/was biblische' Wort nicht berücksichtigt - -oder, -nicht --richtig -gewürdigt chatte , jenes Pfalmwort im 'täglichen' Frühgebete: „Und -sie zogen von Volk zu Volki mrd von einem Reiche zu andrer- Nation? M. 105;- 13). - . - ' - cif,. Nun, freilich haben sich re Zeiten, und wie sehr-zum Bessern, zum - Heile für die gesammte Menschheit. insbesordere für uns .Israeliten geändert!- Dasi Bild von der gülvenen Freiheilssonne ist doch kein Trugbild, und „Fortschritt" ist > auch nicht geradeein leerer Schall.- -Kommt doch jetzt erst däs,königliche Wort zur Geltung: - /,Die,/Himmel-: Pnd'/deS MwiM' -Hintmet,-- und. die-Erdegab Er -dem -Erdeysöhnen/!?.--M. 115-/16). .Witt sich in unseren Tagen'ein etwaaus Schlesien cbfir- Pommern gebürtiger: Israelit in -Berlin oder Dresden oder Cöln oder München besetzen, — -wer legt ihm ein: Hinderniß in den Weg?, Er reist nach dem, in Aussicht genommenen Platze , sieht sich, wie: einst die Meraglim gethan, nach den örtlichen-Verhältnissen desselben genauer um, und nach dem ,,v6ni, vidi“ bleibt, ■ wenn er nur will,: das! ,,viei" in Anbetracht der Wähl einer Niederlassung -nicht aus. i Früher dahingegen war dies anders.:: Nosch häkohol> alias die -Parnoßim: oder Gemeindeältesten, warentheils-die regierungsfertjg.-bestellten Decernenten, welchen-jede „Supplik um Schütz" zur. Begutachtung .-yörgelegt wurde, -Heitts?.bildr'1emAe-/gewiffer-- maßen die erste Jnstänzsfür-Diejenigen-: welche; mit einem Schutzbriefe schon -versehen,? in ihrem, Vaterlande einen neuen Wohnort aufsuchten und'zwar - um Aufnahme in hen jüdischem''Gemeinde-' verband des letztem einzukommen' hatten. Fiel nun das Gutachten der Aeltesten nicht günstig: aus, oder wibersetzten sie sich, im.-:andern Falle---^-dem-vZuzuge!/eines.-'sogenannten-Mremde-n^,- so war's „nichts mit.den Kijumim." — / .-c-L .. —,— Konnten nun! nicht , wird man fragen:, persönliche Rücksichten oder gar — Vortheile der vollenden :Herren das zwar nicht ausgesprochene, aber hinter etwas Anderm versteckte-. Motiv,.zur Ablehnung 'hergeben?. : . . : .v Ja:-wohl!-Wr- und dies sogar- - in-) größeren Gemeinden, deren - zahlreichere Vertreter sich allenfalls auch-Won dem Vorsitzenden, oder einem anderweitig einflußreichen Collegen , zur abschlägigen Bescheidung bestimmen lassen konnten. * ... | | v Thatsächlich ist Derartiges vorgekommen, un^, wie gewijz auch anderswo. nicht/silten, so, auch mehrere Masi^ merkwürdigerweise! -7^ in^idemselbew:deutschen Kleinstaat/ von'welcheM;: ohnedessen Namen zu nennen; die/Eingangs erwähnte Novelle erzählt/ indem sie. bei der Schilderung der. wohl keineswegs-aus: her Luft; gegriffenen Verhältnisse die Charaktere treu wiedergiebt/ und.nur -rmitjournalistischer Licenz—Wie.wahren Namen.-dervprgeführten Personen .etwas .verändert../ «- . ry . Ji( Mit dieser Bemerkung sei :dem -Leser - zugleich angedeutet, daß,ich dies Vorgehen des Autors billige und es-imcdem.nachstehenden , -ungeschmückten >,Pendant-^, ungefährebenso i machen werde. /Genug/^ich 'sage:" die beidew ersten Wer hidr folgendes Geschichten Haben/sich in einem kleinen -deutschen Lände zügetragön/ die dritte spielt in einer nahe an -der -Grenze desselben Duodezstaates gelegenen,- mittelgroßen Provinzialstadt. *-i,J K I. ' - In die jüdische Gemeinde: der Residenzstadt war vor etwa fünfzig Jahren zur Besitzung derväcanten Stelle eines Bethamidräsch-RäbbiNers und Lehrers an der öffentlichen israelitischen .Schule ein -deutscher ' junger Mann 'berufen worden,'--Welcher durch' sein umfassendes Wissen und' seine amtliche Wirksamkeit bald die' Zufriedenheit der Gemeinde, durch sein leutseliges Wesen die Liebe auch - seiner, nichtjüdischen Mitbürger gewann. 'Wahrscheinlich hüttel er auch Praktisch schonerfahren , „daß es ' nicht -gut, wenn der-Mensch allein sei", und so verlobtesich -der schön - in'S Mannesaltcr vorgerückte angesehene Beamte mit' der Töchter seines-würdigen AnltsvorgängeM Das-übliche Gesuch „um Schutz? wurde /rechtzeitig eingereicht; -aber schon nahete der zur Hochzeitsfeier festgesetzte Tag! und der Bescheid blieb aus/ Der" sonst etwas zurückhaltende- Beamte befragte deshalbden -'erstön-"Ge--- meindevorsteher; dieser aber beruhigte ihn, indem er ausdrücklich bemerkte, die Regierung-werde -ja - gewiß günstigäntwörten, da er, der Vorsteher , die betreffende-/Supplik" kräftigst unterstützt Wieder Wergingen'Tage und -Wochen;i-und nochlangte! dasersehnte Schreiben nicht an. Da wendete.! sich der schier beängstigte Bräutigam an denfür das betreffende -Ressort bestellten fürstlichem Beamten, und— was theilte ihm derselbemit? Die Behörde wäre -verwundert darüber'; daß der Herr Vorsteher -in sei'-' nem Referat der -Negierung' wie Ablehnungdes Gesuches empfohlen.'- . Der Leser - fragt-:- Was kann das Mötib ' hierzu gewesen sein? - Ich'weiß es - genau: - Der Verlobte war ebenso unbemittelt, ' wie sein - Schwiegerväter gewesen war,- und aus -. dem Zustandekommen/der beabsichtigten Ehe/ so befürchtete jener Vorsteher/ konnte; ja der damals aus ungefähr-zweihundert, zum Theil sehr reichen Familien /bestehenden lOertlemd'e-/ eine Verlegenheit/ etwa dielNothwendigkeit einer pecnniäreü Unterstützung erwachsin.' ...' Wisse aber, lieber Leser! Diesmal ward das Gutachten des Nosch hakoholIunbeachtet gelassen. Der Gemeindebeamle erhielt den^Schutz^rief, welcher, wenn wir auch jetzt spöttisch darüber -lachen, wie man darin eine'mLehrer unb/Geistlichen vor Wuchergeschäften und , unberechtigtem Handel charnen.-konnte, doch immer, noch günstiger unv erwünschter war, aNch von weit mehr Toleranz Zeugniß ablegte, als bas Gutachten des ersten Vorstehers der jüdischen Gemeinde. In-wer', kleinen jüdischen- Gemeinde zu . wohnte-ein strebsamer, redlicher- Kaufmann. Theils' um - seinem Geschäfts-eine' etwas größere Ausdehnung! zu geben/ > Heils um seinen -Kindern

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