Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1874)
- Date
- 1874-07-07
- Page
- Seite 476 (sequence 10)
- Language
- German
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Konfession kennen ,, und wenn, nun einezweite hiüzugekommen wäre, sokönnte; die rechtliche Existenz derselben nicht: durchweinen einseitigen Beschluß des Abgeordnetenhauses > sondern nur durch ein förmliches Gesetz,, welchem auch das Oberhaus und die Hrone zuzustimmen hätten, anerkannt werden. Redner schildert dann in drastischer Weise die Bildungszustände der Orthodoxen, um daraus zu beweisen,, daß die Frage - des Rabbinerfeminars - in Ungarn eine Frage der Cultur. und insbesondere der ungarischen Nationalität fei. Von einem Zwange könne nicht gesprochen werden,, da. ja Niemand: genöthigt sein wird >: das Nabbinerseminar zu besuchen, wohl aber wäre eS ein Zwang, : wenn man dem fortschrittlichen Theile der Juden, welcher ein solches wünschewofür auch die Mittel bereits vorhanden sind, die Realisirung dieses Wunsches unmöglich machen wollte. In einem Punkte sei allerdings auch er mit dem Vorschläge des Ministers nicht einverstanden, nämlich darin, daß diejenigen Summen, welche nach der Gründung und Erhaltung des Nabbinerseminars undeiniger humaner Stiftungen erübrigt, ausschließli ch zur Unterstützung orthodoxer Volksschulen verwendet werden sollen. Er sieht hierin eine Ungerechtigkeit und beantragt, statt „ausschließlich" zu fagxn: „mit besonderer Rücksicht auf die Volksschulen der orthodoxen Israeliten^.Nach dieser mit sehr großem Beifall aufgenommenen Rede spricht sich die Conserenz lmit Ausnahme von drei Mitgliedern: ZsedLnyi, Zichy und Karl Sloll) dafür aus, den Antrag des Ministers mit der von Csengery vorgeschlagenen Modisication anzunehmen. Tire Orthodoxen, welche von der Ansicht -der Majorität jDer Deäk-Partei, die auch die Majorität des Abgeordnetenhauses bildet, frühzeitig Kunde erhalten haben mögen, greifen in der letzten ^Stunde zu dem dieser Partei eigenen Kniff, die Erledigung oder vielmehr die Errichtung des Rabbinerseminars hinauszuschiebev. Nachdem sie lange genug gewählt haben und merken, daß ihre Sache verloren ist, spielen sie die.Friedfertigen und wünschen in einer durch ihren Vertreter Zsedönyi dem Abgeordnetenhause schon vor einigen Tagen eingereichten Petition , daß die Angelegenheit durch eine von den Orthodoxen und der Fortschrittspartei zu ernennenden Commission gütlich ausgeglichen werde.. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, in der der diesbezügliche Bericht des Eultusministers zur Verhandlung gelangen sollte, bemerkte'nun auch Herr Zsedenyi betr. dieses Bittgesuches, daß von den Orthodoxen vorgestern gegen den Bericht ihre meritorischen Anmerkungen eingereicht und dieses Gesuch vom Hause .an den Petitionsausschuß zur Begutachtung gewiesen wurde, es daher gerecht und billig wäre, wenn bis zur Erledigung, dieses Gesuches der Ministerialbericht von der Tagesordnung .abgesetzt und erst dann in Verhandlung genommen würde, wo der Petitionsausschuß; sein Gutachten erstattet haben wird, welchem Vorschlag wohl auch der Herr Minister beistimmen dürfte.; Cultusminster Trsfort erwiederte hierauf, daß obgleich die Erledigungsolcher Angelegenheiten wie die^- vorliegende dringend geboten sei und man endlich einmal einen entscheidenden Eiitfchkiiß fassen müsse, er doch dem Ansuchen^ des Vorredners Raum'geben wolledamit es nicht den Anschein habeals wollte er gegeü die Orthodoxen unbillig Vorgehen. ' - - In der nächsten Woche will' nun diese leidige Geschichte endlich zum Abschluß' kommen. Frankreich. Paris. 15. Juni. (Nach den Arch. ist.) Am 3. d. M. wurde das-neue, von der Baronin James von Rothschild gegründete Knaben- und Mädchenwaisenhaus fererlichemgeweitzt. In Anwesenheit von, mehr als 200 angesehenen Männern-: n-üd Damen wurde die Einweihung feierlich vollzogen, und die Grvßrabbiner Kahn und Isidor hielten; ergreifende Reden. Das Gebäude ist wahrhaft mustergültig. eingerichtet und verdient eine nähere Beschreibung. Es liegt in einem der gesundesten Quartiere von Paris, in der Nähe des Gehölzes von St. Mande. Hinter einem durch eine Grille geschlossenen Ehrenhos erhebt sich das Bordergebäude mit zwei Flügeln, der eine für den Concierge, der andere für die Küche und das Magazin: In dem .Gebäude befinden sich im Parterre der Saal für den Verwaltungsrath, zwei Empfangssalons und zwei Speisezimmer, das eine für die Knaben, das andere für die Mädchen;, im ersten. Stockdie. Wohnung des Directors, im zweiten die Zimmer für Aufbe- - Wahrung: der Wasche und für die Domestiken. Durch einen Hof getrennt, zeigt sich das zweite Gebäude, welches im Parterre die Elasten, nach dem amerikanischen und schwedischen Systenk eingerichtet, einen Kinderbewahrsaal nach Fröbelstcher Methode und Spielsäle enthält. Jede; Elaste ist für höchstens 25 Zöglinge eingerichtet und faßt mehr als 60 Quadratmeter; jedes Kind hat ein besonderes Pult und einen Raum von 2 Quadratmeter für sich. Am Ende erhebt sich der Betsaaleine kleine merkwürdige Architectur von 150 Plätzen, 90 für die Knaben und 60 für die Mädchen aus der Gallerie. Ueberhaupt sehen sich Knaben und Märchen, obgleich unter demselben Dache wohnend, niemals, da das Gebäudein 2 wohlgetrennte und voneinander unabhängige Theile gesondert ist. Ueber den Elasten sind die Schtaffale gelegen, 2 auf der Knaben-, 2 auf der Mädchenseite. Jeder dieser Säle faßt mehr als 500 Cubikmeter und enthält ,25 Betten. Neben den Schlafsälen sind die Waschzimmer und Badesäle ganz in weißem Marmor. Hinter dem; Haufe sind die -theils bedeckten, theils unbedeckten Höfe; die letzteren, mit Kastanienbäumen bepflanzt, haben einen Flächenraum von mehr als :1200 Meier. Das Haus ist für' 100 Kinder gebaut , enthält aber gegenwärtig nur 50, 25 Knaben und 25 Mädchenwelche sämmtlich durch die Baronin James von Röchfchild -unterhalten -werden: * Die übrigen 50 Stellen werden für weitere Stiftungen -offen gehalten:. Die: Anstalt will' ihre Zöglinge bis zu der Befähigung führen, selbWndig als nützliche Mitglieder, der Gesell-