Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1874)
- Date
- 1874-07-07
- Page
- Seite 472 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die Wahrheit das. Wort führen soll. .Die Aufgabe, wir geben es zu, ist oft schwer. Wir erinnern uns.der eigenen peinlichen Lage, in welcher wir meinem verstorbenen Könige, der weder unsere Liebe noch unsere Achtung, in hohem Grade, besessen, die officielle Trauerfeierlichkeit abzuhaltem hatten... Wir entwarfen zuerst ein Bild, wie die Erziehung und Umgebung auf einen solchen Thronerben, noch dazu in der Zeit) deraösolmistischen Machtfülle, zu wirken pflegten, .um daraus abzuleiten, in welchem Lichte wir seine nachherige Regierung zu betrachten und ihn. als Regenten und Menschen: zu würdigen. hätten. Ein Schritt .weiter aber ist es, wenn der'Redner seine Predigt noch .dazu veröffentlicht. Er giebt damit ein nochmaliges und nachdrückliches Zeugniß, daß die ausgesprochenen Worte seine ganze und. volle Ueberzengung bekunden. Zur Veröffentlichung hat er ja gar keine Nöthigung. Wir freuen. uns daher, der vorliegenden Jubelfestrede den echt männlichen Charakter zusprechen zu können.. Er führt als „zwei untrügliche Merkmale der . gottberufenen Herrschermacht" an: 1) Die theilnehmende Würdigung des Volkswillens und 2) die unwandelbare Achtung des Staatsgrundgesetzes. Hiermit hat der Redner seinen würdigen Standpunkt gekennzeichnet und erwiesen, daß er dem Servilismus n i ch t huldigt. Die Sprache ist einfach .und kräftig, von allem Schwulste fern. — Die in Lemberg von Be risch Goldenberg zu Tarnopol in Heften erscheinende . hebräische. Zeitschrift rrrn liegt uns bis zu Heft 3 des zweiten Jahrgangs vor.' . Die hebräische Literatur, die Exegese von.biblischen, talmudischen und midraschischen Stellen, die jüdische Geschichte, die Biographie bedeutender Glaubensgenossen und poetische Ergüsse bilden den mannigfaltigen Inhalt dieser Zeitschrift. Wie es einem solchen Sammelwerke zu gehen pflegt, hat das Aufgenommene einen verschiedenen Werth. Doch können wir sagen, daß die meisten Stücke anziehend, gut geschrieben und vom besten Geiste beseelt sind. Wir wünschen daher dem Unternehmer einen günstigen Erfolg, um es mit frischer Kraft fortsetzen zu können. — „Die Alexandersage: in Talmud und Midrasch, mit Rücksicht auf Josephus FlaviuS' .Pseudo- Callisthenes' und die mohammedanische Alexandersage. Von Rabbiner l)r. L. Donath. Fulda, 1873." Es ist bekannt, wie sehr sich die jüdische Sage Alexanders des Macedoniers bemächtigt und ihn theils in apologetischer, theils in ironischer Weise behandelt hat, zumeist um den Unterschied der irdischen Macht und des religiös-sittlichen Werthes zum Ausdruck zu bringen. Es ist. ein buntes Bild, das die Sage in ihrer Entwickelung da zusammen zeichnet und mit Hellen und dunklen Farben bedeckt. Aber , man kann daran so recht den Unterschied zwischen früherer und späterer Sagenbildung, beobachten. Jene brachte Heroen in ziemlich zusammenhängendem Lebenslaufe, hervor und erhob sie zu Halbgöttern, während die Spätere, dem geschichtlichen Helden nnr einzelne Vorkommnisse und Situationen andichtete, und zwar mit bestimmter, meist religiös-sittlicher Tendenz. Jene giebt sich daher für Wahrheit aus, diese , will-nichts weiter als: Dichtung sein. Ferner läßt-diese Alexanderfage -recht .deutlich-erkennen, wie die Inden fremden Herrschern und selbst Eroberern wenn sie sich ihnen human gezeigt, auch lange nach'deren' Tode freundlich gesinnt blieben und ihnen einen Raum in ihrem nationalen Gedenken gewährten, immer jedoch, mit. dem Vorbehalt, siegeistig unter sich zu stellen .und der Gelegenheit zu bespötteln.. Die Alexandersage hatschon öfter dir Aufmerksamkeit gelehrter Forscher und Bearbeiter aus sich gezogen. Das vorliegende Schriftchen behandelt sie umfassend und kritisch, so .daß ein. helles Licht-auch auf ihre.Entstehungszeiten geworfen wird, und man kann dafür dem Verfasser herzlichen Dank wissen. Gr. Becskerek, 24. Mai. Rapport sur une Mission dans' le midi de la France ü TefTet de cataloguer les Manuscrits 116brevv qui s’y trouvent et en Ilalie pour reeueillir des documents Hebreus concernant l’histoire «le Rabbins francais, par M. Neubauer, nebst einem beigebundenen 2ten Heftchen: Rapport sur une Mission dans Test de la France en Suisse et en AlLemagne, pour l'bistpire Iitt6raire des Rabbins kraneais, par 1V1. Neubauer. Beide Hefte 25 S. Der Reichthum, der in den größeren, öffentlichen Bibliotheken aufgespeicherten.Schätze der jüdischen Literatur tritt immer mehr zu Tage, seitdem namentlich berühmte jüdische Gelehrte: Steinschneider, Zedner u. a. m. denselben die verdiente Aufmerksämkeit schenkten. - Herrn Neubauer, dem gelehrten Bibliothekar der Bodleyana, war es Vorbehalten und vergönnt, im Aufträge der französischen Regierung die meisten berühmten Bibliotheken Europa's zum Behufe der Erforschung des jüd. Schriftthums zu besuchen. Bor wenigen Jahren gab derselbe im „Institute der jüdischen Literatur" ein Specimen seiner gelehrten Forschungen : „Aus der Petersburger Bibliothek" heraus, das werthvolle Beiträge zur Geschichte des-Karäerthums enthält. In den beiden vorliegenden Rapports erstattet nun Herr Neubauer einen kurzen, interessanten Bericht über seine angestellten Recherchen in den Bibliotheken in Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland. Herr Neubauer stellte seine Forschungen hauptsächlich zu dem Zwecke an, um eine Literaturgeschichte der wissenschaftlichen Arbeiten der französischen Rabbiner herauszugeben, die den 27. Band der großen französischen Literaturgeschichte, l’lristoire lill6raire de France, bilden soll. Es werden darum in den beiden Rapports vorzüglich die Werke französischer Gelehrten berücksichtigt und nebstdem einige Grab- und Inschriften mitgetheilt. Herr Neubauer besuchte die vorzüglichsten Städte Frankreichs: Orleans, Toulouse, Marseille, Narbonne, Lyon, Nismes (wo mehrere werthvolle hebr. Manuscripte auf der Staatsbibliothek ausbewahrt werden, die .Herr Rabbinet Wehl im 6ourrier du 6ard.beschrieben), die. wohl keine reiche Ausbeute lieferten. In Italien, namentlich in Parma, erregte die besondere Aufmerksamkeit des Herrn Neubauer der vollständige kritische Commentar m-rnn ma des R. Menachem b. Salömon Meiri, von Vidal de Perpignan, der nach R. Salomon Jizchaki,