Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1874)
- Date
- 1874-07-07
- Page
- Seite 470 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wie die Leiter''desselben ihre Aufgabe zu lösen 'suchten und'gelöst haben. ' Diese 'Aufgabe war keine leichte.' Es galt vor Allem unparteiisch, aber mit gerechter Kritik den' Interessen der Literatur zu dienen, dann aber. auch die Bedürfnisse' des Publikums zu beachten, dessen Vertrauen entsprochen und daS ' nicht zu sehr mit ^Schriften behelligt werden mußte, denen/es ein gewisses Verständniß entgegenzubringen nicht vermochte. Es war der Geist, der .in dem literarischen Erzeugniß herrschte, das materielle Wissen, das in ihm gesammelt und verwendet war, und endlich die Form desselben in Betracht zu ziehen. Der Geist der Leser sollte erhoben, ihr Gesichtskreis erweitert, ihre Kenntnisse bereichert, der Geschmack gebildet, die Wissenschaft befestigt und ausgedehnt und deren Wirksamkeit vergrößert werden. Es waren alle Zweige der jüdischen Literatur zu berücksichtigen, und jedem derselben ein Theil der zu Gebote stehenden Mittel zu widmen. Aus der Menge der einlanfenden Manuscripte, welche sämmtlich geprüft sein wollten, waren diejenigen herauszuwählen, welche diesen Anforderungen entsprachen oder doch nahe kamen. Während die Leiter für die im Einzelnen ausgesprochenen Ansichten und dargelegten Resultate den Schriftstellern die Verantwortlichkeit überließen und überlassen mußten, hatten sie doch für den allgemeinen Charakter, die Zweckmäßigkeit und die glückliche Ausführung im Ganzen einzustehen. Ungerechtfertigten Prätensionen mußte mit Festigkeit cntgegengetreten werden. Es war dies alles eine mühevolle Arbeit, welche nicht selten mit an ssch unangenehmen Gefühlen und keinen kleinen Verdrießlichkeiten verbunden war. Wie weit wir nun diese unsere Pflichten verstanden und erfüllt haben, darüber mag man sich ein Urtheil aus folgender Uebersicht der von uns veröffentlichten Schriften bilden. Wie es sich nach dem Bedürfniß und der Richtung unserer Zeit von selbst versteht, war es' die Geschichte des Iudenthums. und der Juden, welche den Vordergrund einnahm. Wir haben hier zunächst die Gefchichtswerke von I o st (3 Bände) van Grätz (7 Bände), von Herzfeld (2 Bände) zu nennen, die Geschichte der Juden in Portugal von Kayserling, die Geschichte des Karäerthums von Fürst (3 Bände), die Geschichte, der jüd. Literatur von David Cassel (2 Bände), die Geschichte der jüd. Münzen von A. M. Levy, die biographischen Skizfen von-Phöbus Philippson (2 Bände), Gabirol von Geiger, Bassifta don Oelsner, Moses Mendelssohn von Kayserling, die kleineren Schriften von Josephus, und die vielen geschichtlichen Abhandlungen in den 4 Bänden des „Jahrbuchs für die Geschichte des Judenthums und der Juden" von Jost, M. A. Gwldschmidt, Herzfeld, Rabbinowitsch, Ritter, Dufchak, Jacob Frankel, B. Beer, G. Wo.lf, Kayserling, Livius Fürst, Lewyson in Stockholm, Tobias Cohn,' Meynert, Ludwi g P h i l i p p s o n / M. Wiener, A. M. L e v y. Hieran reihen sich viele Schriften und Abhandlungen literar-historifchen und antiquarischen Inhalts, wie: die Beiträge'zur jüdischen Alterthumskunde von Leopold L öw (2'Bände)/' das jüdische Kalenderwesen von L ewäsoh n, Parfchanbatha' von Geig er/ jüdische Dichtungen vondemselben, die Piutim von A. A.' Wolfs, der Geist der Hagada von Hamburger, Emekhabacha von Wiener, das Leben Abrahams und Moses nach den jüdischen Legenden von B. B e e r, metrologische Untersuchungen und Vorträge über' die Kunst bei den Hebräern von Herzfeld, Palästina von M u n k (2 Bde.1, >ie Parabeln von Guiseppe Levy und Seligmann, der Bann bei den - Juden von Wiesner, aus der Petersburger Bibliothek von Neubauer, die Exegese bei den Franzosen von Antoine Levy: wozu wir noch die beiden Schriftchen über jüdische Stiftungen von Willftädter und die amerikanischen Skizzen eines Anonymus/ sowie-die Reise nach Jerusalem von LA. Frankl (2 Bde.) hinzufügen. So nahm die Geschichte, allerdings in ihren verschiedenen Verzweigungen, dengrößten Theil des Bodens ein, welchen das Institut bearbeitete. Neben ihr wäre dem dogmatischen Anbau ein großer Platz einzuräumen gewesen. Aber hier war es, wo sich' uns nur wenig Gelegenheit darbot, wie dies auch bei den literarischen Erscheinungen, die außerhalb des Instituts während seines Bestehens an's Licht getreten/ der Fall ist. Wir veröffentlichten für diesen Zweig: einen Theil der Schriften Philo's in neuer Uebersetzung und mit Einleitungen (in den 4 Bänden der „Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Judenthum und Juden"), die ausführliche Darstellung der israelitischen Religionslehre von Ludwig Philippson (3 Bände), Weltbewegende Fragen (2 Bände), Reden wider den -Unglauben, und die Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam und'über die Religion der Gesellschaft von demselben Verfasser, wozu noch das Israel. Gebetbuch desselben Autors hinzuzufügen ist. Eine größere Sammlung bot das Institut für die-jüdische Belletristik: Es wäre überflüssig, hier noch einmal die Bedeutung dieses Literaturzweiges auch auf unserem Gebiete zu besprechen. Ist er überhaupt geeignet, viele Ideen von hoher Wichtigkeit dem Publikum in der ihm beliebtesten Weise zuzuführen, so bietet er auch die besten Mittel dar, um Begeisterung, Liebe und Teilnahme für die väterliche Religion, für das Geschick und die Verhältnisse des jüdischen Stammes in Vergangenheit, und Gegenwart einzuflößen/ und ist zugleich das beste Gegenmittel gegen die allzuhäusige Carikirung und Entstellung des Juden in anderen belletristischen Schriften. Wir lieferten hier für Roman und Novelle: die Schriftenvon Frey (Erzählungen), Phöbus Philippson (Der unbekannte Rabbi/ die Marännen und Veilchen Jacob)/ Rahel (Rahel und in Banden frei), Miß Aguilar (Heneriquez Morales), F ran kok m d. i. Rispart (die Kreuzfahrer und die Juden), D'Jsraeli (Alroy)/ Erckmann-Ehatrian (die Blokade von Pfalzburg), Kulke (Jüdische Geschichten)/ Wassermann (Juda' Touro), Honig mann (das Grab zu Sabioneta), und Ludwig Philippson (Saron 6 Bände und die beiden geschichtlichen Romane: SepphoriS lind Rom, und