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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-07-07 · Heft 28 (7.7.1874) · p. Seite 469

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 28 (7.7.1874)
Date
1874-07-07
Page
Seite 469 (sequence 3)
Language
German
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Arbeiten zu überlassen. Den Ursachen dieser gegenwärtigen Unfruchtbarkeit in der jüdischen Literatur wollen wirhier nicht nachgehen, behalten uns aber vor,, sie dem Publikum, recht, klar zu legen, wenn unsere Gegner die Thorheit hätten, noch ferner in ihren unbegründeten Angriffen fortzufahren. Es, war für uns stets die größte Befriedigung,s einem jungen Autor die literarische Bahn zu eröffnen oder zu erleichtern; es war ja. hier die Gelegenheit geboten, mit einer .Schrift sich allgemein be- und anerkannt zu machen. Allein befähigte jüngere Autoren, fänden sich nur wenig ein, und wir mußten immer wieder zu den bewährten älteren Schriftstellern greifen. Schon hieraus ersieht man, daß wir schon - durch die Lage der Dinge vor jedem Partei- und Cliquenwesen bewahrt bleiben - mußten, selbst wenn nicht unser Charakter uns davor geschützt hätte. «7 4) Und hier ist es, wo wir, um vollständig zu. sein, wider unsere Neigung eines letzten Grundes erwähnen muffen. Es ist dies das Mißwollen, die Mißgunst, ja . die Gehässigkeit, der. wir begegneten. Wir sprechen hier nicht von den Wortführern der neu- und hhperorthodoxen Partei. Den Unwillen dieser mußten wir voraussetzen, weil ihnen jede Aeußerung des modernen jüd. Lebens ein Dorn im Auge ist, und er genirte uns um so, weniger, als sie doch, nur auf einen Theil des jüdischen Publikums Einfluß üben,-der für die jüdische Literatur weder Sinn noch Verständniß hat. - - Die Feindseligkeit -stammte vielmehr aus Kreisen, von welchen man für ein solches Institut das Gegentheil hätte erwarten sollen. Die entsprechende Kritik machte uns, keinen Kummer, denn sie influirte wenig, und die persönlichen Motive, lagen zu deutlich zu Tage. Aber diese Männer verschlossen dem Institute zugleich die Kreise, in welchen sie persönlich wirksam sind, und dehnten dies, wie wir Beweise in Händen haben, selbst durch Flugblätter möglichst aus. . Wir haben es stets verschmäht darauf einzugehen oder zu antworten; aber es konnte nicht entgehen, daß dem Institute hierdurch mannigfache Verbreitung ab- . geschnitten wurde. Hierzu kommt noch eine andere, bedauernswerthe Erscheinung, die von viel allgemeinerer Tragweite ist. Die Rabbiner und Prediger unserer Zeit entbehren in ihrer Mehrzahl alles Gemeingeistes. Bei allem Eifer für die Sache des Iudenthums hegen sie. die Tendenz der Jsolirung; sie wollen in ihrem Kreise die alleinige Geltung, die alleinige Autorität besitzen. Daß neben ihnen irgend Wer ein Ansehen innerhalb ihrer Heerde besitze, ist ihnen unangenehm. Sie befördern deshalb Bestrebungen, und namentlich literarische, die nicht von ihnen ausgehen, nicht. Es ist dies ein schädlicher Zustand, schädlich am meisten für. sie selbst. Die kommende Zeit > wird ihnen die Augen , öffnen. Sie haben die Gleichgültigkeit gegen alle Erscheinungen im. Judenthum mit eigenen Händen, großgezogen, wenigstens weit weniger abgemindert, als sie es vermochten. Was Wunder/ daß nun ihre Gemeinden und ihre eigene Stellung gefährdet sein werden. Das Institut nun, welches aus die Förderung durch- Männer, die sich in ihrem Kreise der Sache unterzogen, -angewiesen war,^konnte hierdurch .in seinem Wirkungsfelde nurbeschränkt werden., Die meisten Quellen seiner Nahrung wurden ihm niemalsgeöffnet oder alsbald verstopft. Es versteht sich, daß es rühmenswerthe Ausnahmen giebt und die Reihe unserer Agenten weist eine Zahl Rabbiner auf, welche sich in uneigennützigster Weise der Mühewaltung für das Institut unterzogen; aber ihre Zahl ist nur gering. Viel mehr Verständniß fanden wir bei dem jüdischen Lehrerstande, wie abermals unsere Agentenliste erweist. Schade nur, daß die bei weitem größte Zahl unserer. Lehrer in kleinen Orten und Gemeinden wirkt, wo selbstverständlich sich nur wenige Literaturfreunde finden. . Mit umsomehr Befriedigung können die Leiter des Instituts auf , die achtzehnjährige Geschichte desselben zurückblicken. Am 12. Februar des Jahres 1855 veröffentlichten wir (Nr. 8 d. Z. 1855) den ersten Plan, und schon am 1. Mai vermochten wir (Nr. 19, 1855) die vollständige Constituirung des Institutes mit mehr als 100 Agenten und 1200 Abonnenten zu berichten, die im Lauf desselben Jahres sich noch sehr ansehnlich vermehrten. Seitdem wurde pünktlich jedes Jahr vom und bis znm 1. Mai abgeschlossen, die Abonnentensammlung und die Ablieferung der Schriften vollzogen; die Rechnungen mit den Belegen wurden von den mit der Controle betrauten Männern geprüft und mit deren Decharge veröffentlicht; Ueberschuß oder Deficit glichen sich im nächsten Jahre aus. Reclamationen fanden niemals statt, Processi traten niemals ein, und die Verluste betrugen im Laufe der 18 Jahre nicht mehr als circa 180 Thlr. Nur im Kriegsjahre 1870/71 erschien es uns rathsam, Anfangs- und Schlußtermine des' Jnstitutsjahres auf den ersten October zu verlegen. Alle diese Umstände erweisen die Tüchtigkeit der ganzen Organisation, die Ordnung der Geschäftsführung, besonders aber auch den trefflichen Eifer und die. Rechtlichkeit der Agenten. Diesen Letzteren einen besonderen Dank hiermit auszusprechen, sind wir in der Thal verpflichtet. Die Namen der Autoren, von denen wir Schriften brachten, sind vom besten Klange und werden der jüd. Literatur stets zur Ehre gereichen. Wir fühlen uns verbunden, sie hier schließlich aufzuführen: Miß Aguilar, Anonymus, B. Beer, Boxberger, David Cassel, Tobias Cohn, Erckmann-Chatrian, D'Israeli, Duschak, L. A. Frankl, Frankolm, Frey, Julius Fürst, Livius Fürst, A. Geiger, M. A. Goldschmidt, Grätz, Hamburger, Herzfeld, Honigmann, Iosephus, Jost, Kayserling, Julius Kossarski, Kulte, A. M. Levy, Antoine Levy, Lewisohn, Leopold Löw, Lewyson in Sto ckh olm, G iuse p p e Levy, Mey n ert, M un t, Neub a u e r, O e l s n e r, L u dwi g P h i l i p p s o n, P h ö b u s P h ilippson, Philo, Rabinowitsch- Rachel, Ritter, Selig- - mann, Leopold. Stein, Wassermann, Willstädter, Wiener, Wiesner, A. A. Wolfs, G. Wolf, v Mehr noch, als die Namen dieser 50 Schriftsteller, müssen die vom Institute veröffentlichten Werke, den Beweis liefern.

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