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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-23 · Heft 26 (23.6.1874) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 26 (23.6.1874)
Date
1874-06-23
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
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dienst" ^eingeführt ist. Wenn man es verschmäht, gleich den anderen Synagogengemeinden, sich Tempel, oder Altschulgemeinde zu .benennen,- so wäre es wohl, am richtigsten, sich den Namen: Erster hohenortS concessionirter Verein zur Abhaltung geregelten Gottesdienstes, zu geben; denn das Vereinsstatut, welches die Bestimmungen über die Beschaffenheit des Gottesdienstes enthält, ist merkwürdiger Weise mit einer Bestätigung der Statthallerei versehen. Wenn der Verein es sich einmal einfallen lassen wollte, einen ungeregelten Gottesdienst abzuhalten, etwa Piutim zu sagen, so könnte, folgerichtig ein im Tempel anwesender Polizeicommiffar dies als statutenwidrig verbieten. Aus alle dem sieht.man, daß die Ausarbeitung neuer Statuten dringend geboten war. Dieselben werden , der nächsten Generalversammlung vorgelegt werden und da wird es sich zeigen, wie das mit der Ausarbeitung betraute Comitü seine Aufgabe gelöst hat. Hoffentlich hat dasselbe dem Punkte, wer über Veränderungen in der Liturgie, so diese nicht nachweisbar mit der Religionssatzung collidiren, endgiltig zu entscheiden hat, seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Vor Allem aber müßte der Umfang des Begriffes Liturgie festgestellt werden, ob z. B. da, wo das Orgelspiel noch nicht eingeführt ist, durch die Einführung desselben die Liturgie geändert wird, ob dies der Fall ist, wenn man gegen den bisherigen Usus die Haftarah vom Cantor lesen laßt, oder die laute Wiederholung des Sch'moneeßreh-Gebetes unterläßt m s. uz. Zum Schluffe noch die Mittheilung, daß, während die hiesigen Rabbitter und Prediger sich noch nicht entschließen können, Trauungen in der Sfirah vorzunehmen, Brautpaare vom Lande in der genannten Zeit von ihren Rabbinern Hier getraut worden sind. In den neuern Gemeinden auf dem Lande ist überhaupt viel weniger Heuchelei und. Scheinheiligkeit zu treffen, als in den alten Gemeinden, wo man durch das Eintreten für die Erhaltung einer der vielen Ruinen aus der Vergangenheit sich den Ruf der Orthodoxie auf leichte Weise verschaffen kann. Am Neumondslage Siwan hat indeß einer unserer frömmsten und achtbarsten Rabbiner eine; Trauung vollzogen, was in Gemeinden, wo bis Neumond Jjar getraut wird, nach Magen-Abraham nicht geschehen soll. In der Thal suchte man von einer Seite, von welcher man dies am wenigstens erwarten sollte, dagegen zu agitiren, blitzte aber allenthalben ab. , - Pest, 26. Mai. Der „heilige Verein" der hiesigen israelitischen Gemeinde hat. vorgestern -mit einer würdigen Feier ein langgeplantes Werk echter, opferwilliger Humanität seiner end'giltigen Vollendung zugeführt : Ein Versorgungshaus, Un wetchem würdige, hochbetagte mittellose Gemeindemitglieder für den . Abend ihres Lebens Aufnahme und liebevolle Pflege finden. Die Idee eines solchen JnstitutsWist in den maßgebenden Kreisen keine neue. Sie wurde schon im Jahre 1854 angeregt. Als im Verlaufe der Jahre dieSympathien^der Gemeinde für den „heiligen Verein" und sohin auch die Mittel des letzteren immer erfreulicheren Aufschwung genommen hatten, wurde auch die in Rede stehende Idee ihrer Verwirklichung entgegengeführt, und im Juli 1869 wurde das erste Siechenhaus der Chewra- Kadischa in der Aradergasse Nr. 7 eröffnet und von elf Benesiciaten bezogen. Das Gebäude, in welchem das Institut untergebracht war, unterlag jedoch der Expropriation zu Zwecken der Stadtverschönerung; der Verein erwarb sonach im Juli 1871 eigenen Baugrund in der Damjanichgasse', und errichtete auf demselben das heutige Gebäude, lvelches denn auch im Mai 1874 vollendet und seiner edlen Bestimmung übergeben wurde. Das neue Institut ist anspruchslos in seinem Aeußeren, wie es sich für ein Armenhaus wohl geziemt, dabei aber in Einrichtung und Haltung von jener musterhaften Ordnung und Reinlichkeit, die man in einer gutgeleiteten öffentlichen Anstalt erwarten darf, und von jenem Charakter wohlthuender Wohnlichkeit durchweht, welcher nur einem Hause> eigen 'zu sein pflegt, welches Liebe gegründet hat und Liebe erhält. Das Haus enthält, außer den Wohnzimmern der Stiftlinge, die nöthigen Amts¬ und Wirthschaftslocalitäten, ein gut eingerichtetes Krankenzimmer, ein hübsches Bethaus und einen wohlgepflegten, ziemlich geräumigen Garten. Dermalen sind daselbst 10 Männer- und 5 Frauen untergebracht, welche mit aller Nothdurst des Lebens versehen, fürsorglich gepflegt und menschenfreundlich behandelt werden. Uebrigens, soll die Anstalt successive nach Maßgabe der Mittel des Vereins auf 40 Stellen erweitert werden. Die Her- und Einrichtung der Anstalt kostet der Chewra Alles in Allem an 60,000 fl. Schweden. Norrköping, im Juni. (Privatmitth.) Der Reichstag ist nun zu Ende und hat nichts für das Judenthum oder die Israeliten dahier besonders Interessantes zur Erinnerung hinterlassen. Sogar die von einem Comit6 ausgearbeitete, zur Bestätigung vorzulegende neue Verordnung für die '„mosaischen Versammlungen in Stockholm, Gothenburg und Norrköping" (wie die jüdischen Gemeinden hier genannt werden), erwartet noch ihre Annahme und Genehmigung. Dagegen sind andere erfreuliche, den Wohlthätigkeitssinn der Israeliten zeigende Thatsachen den Lesern dieser Zeitung mitzutheilen. Der Großhändler Herr John Levin, welcher hier geboren, den 3. Mai 1873 in Stockholm gestorben ist, testamentirte an die dortige israelitische Versammlung 10,000 Kronen, zum Hochschulenfond in Stockholm. 10,000 Kronen, an das Institut für Taubstumme und Blinde auf Manilla 5000 Kronen und zu dem Stipendienfond der „mosaischen Versammlung" 10,000 Kronen. .Also die bedeutende Summe von 35,000 Kronen. Auch der in hiesiger Gemeinde über 15 Jahre wohnhafte, sich allgemeiner Achtung erfreuende und als Synagogenvorsteher thätige, jetzt in Stockholm wohnhafte Tuchfabrikant Herr L. I. Eliaffon und seine Gemahlin Edelina geborene Salomonson 26*

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