Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1874)
- Date
- 1874-06-16
- Page
- Seite 422 (sequence 6)
- Language
- German
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ir.: --Die - allerhöchste^Erüschließungbezeichnet - unter 1 den Bestimmungen des! israelitischen Schulfonds'in erster/Mniedie Errichtung.! eines Rabbinerseminavs.i Allerdings I war damals nicht vom einem Sennnar^anSschließlich - Mr -die ungarische Judenschaft, sondern von einem -solchen, für. die Gesam mttmo.n a rch i e die Rede. Doch erklärt sich das theils aus politischen Gründentheils aus.der Beschränktheit des- Fonds, der nur auf!emeMillion projectirt.. war.-; Heute haben in apolitischer- Beziehung die auf ein Gesammtreich-abzielenden Zentralistischen! Bestrebungenaufgehört; heute ist', die - Heranbildung eines tüchtigen un g a r. /Rabbinerstandes.--wünschenswerth.. und nauch die Mittel; des/Fonds! sind beträchtlich 'vermehrt..-/.Diese beiden Thatfachen erklären und rechtfertigen zur Genüge) daß .man von!-dem ursprünglichen Plane eines Seminars für die - Gesammtmonarchie/abgegangen ist- .eine Modification, der übrigens auch der Wortlaut der oben erwähnten allerhöchsten Entschließung durchaus nicht -im Wege steht;! denn diese behält - die; Bestimmungen• über ven : Ort, die innere -Organisation, kurz alle Details, des zu.errichtenden Seminars besonderen Verhandlungen: vor und giebt sonach! auch dem Gedanken immerhin Raum -für > -Ungarn ein besonderes Seminar zu errichten.-..- Hieraus -erhellt einmal, wie; unfiichhaltig. der diesfällige bekannte Einwurf «der Orthodoxen, fei, und zum -andern, daß nach dem Sinne sowohlals dem . Wortlaute der als Stiftungsurkunde zu betrachtenden mehrerwähnten allerhöchsten Entschließung vom Rechtsstandpunkte aus gegen die Errichtung des Seminars nichts eingewendet werden könne, v; r Aber selbst vom Standpunkte der Orthodoxen betrachtet, ist es unleugbar, daßdie-Erklärung des Congresses vom Jahre 1888/69 betreffs .Errichtungeines Rabbinerseminars als rechtskräftig zu. betrachten ist; auf diesem Congreß waren ja alle Israeliten Ungarns, vertreten, waren serner wie auf allen Conventen die. Beschlüsse durch , die Majorität gefaßt; an der Berathung hatte die Minorität sich! becheiligt und die gefaßten Beschlüsse wurden sanctionirt. .. - ..Gleichviel , also, ob Se. Majestät oder die israelitische Confessio« als eigentlicher Stifter; des Fonds betrachtet werden, ^so ist das. Resultat bezüglich - der - Errichtung , eines Seminars immer dasselbe, indem sowohl Se. Majestät in dem erwähnten Erlasse, als auch -der Congreß in seinem Beschlüsse die Errichtung eines solchen in erster Reihe als -einen der Zwecke des Fonds bezeichnet haben, ...; . , . - Pach dieser Auseinandersetzung der juridischen Seite der Seminarfrage, beleuchtet der Bericht die geschichtliche Seite derselben und giebt -ein Skizze der/ (aus der Denkschrift Rannichers) bekannten Bestrebungen sowohl seitens-der Israeliten alsseitens der Legislative und der Behörden zur Errichtung, eines Seminars von 1806 gngefangen bis zu jener Vertrauenscommission,-welche im Jahre 1851 einberusen wurde. V. Abschni-tt. -Oer Minister skizzirt dann im Kurzen den Organisations- und Stundenplan des jetzt projectirten. Seminars.u/! „DiesersPläAentsprichtdemMeschlusse r des Congresses, indem' er ' aus mosalsch-rabblnischer /Grundlage basidt und auch! die Anforderung der allgemeinen Bildung in Betracht.nimmt;' ja sogar dadurchdaß.er gewisse Vorkenntniffe!-als Bedingung' der Aufnahme vorschreibt, bietet er^sichere. Gewähr- -dafür., udaßdas Vorgesetzte Ziel durch; gründliche Thätigkeit; erreicht werden wird, wenn, wie zu hoffen, es! nur gelingen wird,, tüchtige Lehrkräfte zu gewinnen:"; /; > So lange! dieser Fond als untheilbarer unter - Obhut: und Verwaltung der Regierung stehen wird, ist es .räthlich) zu--verfügen,.;daß der Regierung außer dem ihr -jeder Kirche gegenüber zustehenden Oberauffichtsrechte, noch insbesondere die Einflußnahme und das! Bestätigungsrecht bezüglich der Wahl der Professoren, sowie auch bezüglich der Feststellung des Stundenplanes gewahrt bleibe..! - ---- -j Bezüglich der Kostenfrage legt der Bericht einige; ziffermäßige Daten des Seminarbudget-Präliminars vor und fügt die Erklärung an, daß laut Gutachtens .der Buchhaltungsabtheilung der israel. Schulfond im .Reinbeträge von 2,112,273 fl- und einem. Einkommen, von nahezu 100,000 fl. allerdings in der Lage. ist, ohne Verkürzung der. anderweitigen bereits systemisirten Verpflichtungen, die präliminirten Seminarausgaben aus seinen ordentlichen Einnahmen zu bestreiten und nebstdem durch Ber- ‘ kauf eines Theils seiner Wertpapiere, die zu einem Hausankause für das Seminar erforderlichen 200,000ist. zu beschaffen. Dabei bemerkte die Buchhaltung auch,- daß die Professorengehälter im Vergleiche mit anderen Instituten hoch angesetzt seien. N. Abschnitt. Der Minister resumirt sodann das bis hierher Anseinandergesetzte und knüpft daran einige Betrachtungen. Er erklärt; er halte auch jetzt an der Ueberzeugung fest, daß die Errichtung. des projectirten Rabbinerseminars.je eher zu bewerkstelligen wäre, doch sei er weit entfernt, gegen die andere Partei, welche der Errichtung einer solchen Anstalt mit allem- Nachdrucke widerstrebt^ unbillig . oder gar ungerecht sein und derselben-ihr unzweifelhaftes Recht, an dem Genuffe des gemeinsamen Fonds theilzunehmen, verkümmern zu wollen. -. Die /Israeliten seiennicht nur in unserem Väterlande, sondern auch in anderen Ländern durch schroffe Gegensätze, in -zwei divergirende Parteien -geschieden, deren eine dem gewaltigen; Drucke der Civilisation nachgiebt und der Idee des Fortschrittes huldigt, ohnedeshalb -von dem, von ihren Vorfahren überkommenen Glauben abzuweichen-während die / andere in jeder- - Neuerung), selbst wenn sich dieselbe nur auf ererbte alte Gepflogenheiten bezöge, ein die Religion selbst bedrohendes Attentat erblickt, trotzdem! sie auch beim besten-Willen die sämmtlichen alten Ceremoniälvorschriften selber nicht zu halten j vermag. - Es sind das Gegensätzewelche sich ebenso wenig ver- . söhnen lassen, als. Fortschritt und Stagnation-: Es ist das. ein j Kampf,. welcher, eben weil er.. in religiösen Anschauungen - und Ueberzeugungen wurzelt, oder doch wenigstens mit solchen. im Zusammenhänge steht und daraus seine /meiste Nahrung schöpft)