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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-16 · Heft 25 (16.6.1874) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 25 (16.6.1874)
Date
1874-06-16
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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419 -DeutfchlänLslwollei/uEdann die Freiheit, weil ohne dieerstere die 'letztere nicht/zu/erlangen sei.. Dieser Uebergang kostete ihm seinen Verliner Wahlsitz,. den er- -seitdem nicht.wieder/erhalten hat. .- Wir/ brauchen hier Len Gang, welchen die national-liberale Partei?'gekommen, weder.-zui.charakterisiren, i noch; iju; beurtheilen. Sies stütztrcsich.' auf/' die' -Ansicht - daß die; Mehrheit des' Parlamentes/ nicht nach! strengen: politischenPrincipien eonsequent -verfahren müffe, sondern staatsmännisch. mit; den gegebenen Verhältnissen fzu? rechnen , .; auf dem; Wegedes/ Compromisses -mit der Legierung zu verhandeln- und so ein- Einverftändniß mit dieser /herbeizuführen/habe/ Hundert Thatsachen- 'erweisen dies, und z./B.? in derformellsten Weise die jüngsten Verhandlungen über das Militärgesetz. —.Zweierlei geht aus dieser kurzen?Darstellung; hervor: zuerst vaß / Lasker seit/ mehr als. :30 Jahren gänzlich aus dem Contacte mit denVerhältniffem der /jüdischen Gemeinden? und mit? der Entwickelung des Judenthums gekommen -ist/./-JK..-isetnen/-Studien, :?-in seinen Beschäftigungen, in seiner Richtung und Thätigkeit-lag dies gegeben, und soll es auch nicht als ein directer Vorwurf' gelten, , so constatirt sich daraus doch die Unkenntniß der realen jüdischen Verhältnisse und der idealen -Entwickelung! des Judenthums. Ihm schweben nur die beiden Extreme vor: die Orthodoxie seiner Kindheit in Jarocynund die Reformgenossenschaft in Berlin; diese sieht er als diebeiden Parteien /im Judenthume an. und verbindet damit die, namentlich in größeren .Städten zahlreichen: jüdischen Individuen, welche vom Judenthume nichts mehr wissen wollen und sich; nur als „Germanen; oder als. „Kosmopoliten" fühlen und ausgeben. Das andere Moment macht das Motiv der Lasker'schen Resolution scheinbar. schwieriger zu erkennen. Wenn Laster mit den gegebenen Verhältnissen staatsmännisch zu rechnen sich gewöhnt hat, warum .verläßt er in unserer-Frage so gänzlich den realen Boden und cheachtet nicht einmal den Compromiß, welchen die Petitionen der Gemeinden darbieten? Jndeß gerade hierin liegt/ die Erklärung gegeben. Man verläßt einen früheren entschiedenen Standpunkt nichtohne von ihm möglichst; viel mitzunehmen.; man hegt im Grunde seines Wesens nicht Principien, die man nur aus Utilitätsrücksichten vermittelst der Erwägung der obschwebenden Verhältniffe überwindet, ohne daß - diese Principien, wo solche Rücksichten und Er- - Wägungen nicht vorhanden sind, nicht wieder die Oberhand gewännen. Und zu diesem inneren Drange kommt dann der Wunsch hinzu, der Welt sooft wie möglich zu beweisen// daß man immer -noch den. Principien unbeschränkter Freiheit ange- Höre, so öiele; Compromisse man auch gutgeheißen , so vielen Thatsachen man sich gebeugt habe. Diese beiden Motive finden der ganzen national-liberalen Partei lebendig und ganz besonders in Herrn Lasker.. Wir brauchen z.B.uur an die famose Scene zu s erinnern, wo? Lasker, wir glauben bei Gelegenheit des zu er- - wartenden Preßgesetzes,? von Volksrechten sprach- Fürst Bismarck zornig über doktrinäre Reminiscenzen klagte, und, Laster sich fügte; an/ die^Rede,/ welche /.Laster? -jüngst./-in dev; Angelegenheit des Pastors Wehn hielt,/-ohne/ daß die?lJnterpellation-/. irgend eine Folge hatte und unter gegebenen.Verhältnisien haben konnte. Wo gab. es wohl nun eine günstigere Gelegenheit, das Princip der unbeschränkten Freiheit und höchst ideale Grundsätze zu vertreten, als den jüdischen Gemeinden gegenüber?. Was man den Katholiken unv^Prötestaüten gegenüber vollständig aufgegeben hat, konnte man hier geltend macheü^ LÄ^man dabei weder der Regierung entgegentrat-^ihr/ vielmehr die /Directive/ geben : konnte, und es eine /Volksclasse/ betrifft, die in keiner/ Weise eine.Opposition /macht und zu machen vermag/ Der.Ruf, sich überall der unterdrückten „Partei und Sachet anzunehmen, 'war hier um so leichter zu vermehren, da scheinbar die-Befreiung von einem Zwange und zwar auf. religiösem Gebiete in Rede, stand. Wir sind weit davon entfernt, -Herrn-Laster/irgend eigennützige und persönliche Motive zu insinuiren. Aber diemenschliche. Seele ist so beschaffen,. daß innere- und äußere Beweggründe sich immerfort und unbewußt vermischen,- und wo, wie wir gezeigt .haben, ein innerer Drang nach einer : gewissen Seile hin treibt, und sich äußere Motive/ hinzugeselleu, darf manbehufs einer klaren Einsicht, weder die einen, noch die anderen übersehen. Herr Laster hat-dery Publikum die Gelegenheit gegeben?- einen Blick in sein inneres Seelenleben zu thun. . Notorisch ist er der Verfasser der von Berthold Auerbach' herausgegebenen Schrift: „E i n e M a n n e s s e e le". Den Werth dieser Schrift zu beurtheilen,' istnicht unsere Sache. Wir erkennen aber aus. ihr, welche das Abbild der Psyche des Autors bietet, wie sich, in-der Seele dieses Mannes mit einer weichen .Sentimentalität und/dem Durste, im Dienste unbeschränkter Freiheit zu wirken, eine große Verstandesschärfe verbindet, welche,' die. einzelnen Gegenstände ergreifend, jene. Sentimentalität völlig zurückvrängt und außer? Acht läßt, und schließlich auch eine/ziemliche Portion Eitelkeit'mit sich führt, die sich in einzelnen- Zügen sehr wohl verräth: ' Gerade diese Verbindung entgegengesetzter Eigenschaften - bewirktdaß-der Mann in den wichtigsten persönlichen Lebcnsmomenten scheitert, weil die mit scharfem Verstände erfaßte Rücksicht seine HerzenSneigung unfähig Macht, zur . rechten-Zeit ihre an sich gerechte Forderung zur Geltung zu bringen. .-/Diese Gegensätzlichkeit in der innersten Seele läßt den Autor nicht zur Einheit und Klarheit, /aber auch zu keinem - Endziele kommen, -sondern/nöthigt ihn bei einer rastlosen Verwendung seiner Geisteskräfte doch überall nur zur Resignation - zu kommen , und mit einer solchen sein Leben und -seine Werke abzuschließen/ Zu etwas Anverm führte sogar der Erfolg der obigen Schrift aych nicht- -äußerlich, wie innerlich.. Aus derselben ^Gegensätzlichkeit wird uns denn auch das Vorgehen Lasters - selbst-in der Frage der jüdischen Gemeinde- Verfassung völlig klar, und dies giebt uns am ziemlichsten den Leitfaden, an welchem wir die Rede-Lasters in unserer Angelegenheit verstehen können- -'s - j.j ,,

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