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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-09 · Heft 24 (9.6.1874) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 24 (9.6.1874)
Date
1874-06-09
Page
Seite 410 (sequence 12)
Language
German
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suchen sollten. Es kommt Dies daher, weil schon vom Alter von 7 bis 8 Jahren an die Kinder zum Dienste als Domestiken verwendet werden, um ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Es wird Religion/ Hebräisch,, Serbisch, die Elemente des Rechnens und der Geographie gelehrt. Einige von den Lehrern und Äe Directrice werden von der Regierung besoldet, freilich mit sehr geringem Gehalte. Rußland. Warschau, im Mai. (Privattmitth.) In der alten Gehässigkeit der Juden wird jetzt wieder viel gearbeitet. Nachdem man vergebens gestrebt hat, in das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht Ausnahmebestimmungen betreffs der Juden hineinzubringen, was an dem Gerechtigkeitssinne unseres Kaisers und der Staatsregierung gescheitert ist, streut man die feindseligsten Gerüchte über die Wirkung dieses Gesetzes bei den Juden aus, wohl in der Absicht,, dereinst noch zu erwirken, was jetzt nicht gelungen ist. So brachte die „Ostsee-Zeitung" jüngst die Fabel, die jüdischen Gemeindevorstände hielten gemeinsame Berathungen, um eine Maffenauswanderung nach Amerika, die Jugend der Wehrpflicht zu entziehen, zu Stande zu bringen. An allem Diesem ist kein wahres Wort. Den Vorständen den Gedanken an eine Massenauswanderung zuzutrauen, ist an sich schon eine wahre Lächerlichkeit. Wenn ein solcher in der Zeit der Hungersnoth vor einigen Jahren auftauchte, so lebte er doch selbst schon damals nur in den exaltirten Köpfen westeuropäischer Juden, welche die hierländischen Verhältnisse nicht kannten und die Mittel, die dazu nöthig wären, weit unterschätzten. Sie, Herr Redacteur, besaßen damals die Einsicht von der Eitelkeit eines solchen Unternehmens, wie Sie auch daffelbe Project hinsichtlich der rumänischen Juden bekämpften. Die Erfahrung hat die Richtigkeit Ihrer Ansichten hinreichend erwiesen. Nach solcher Erfahrung den Vorständen der Gemeinden in Rußland eine solche Idee zu insinuiren, kann nur aus böswilliger Absicht entspringen, und hat sich die sonst human gesinnte Redaction der „Ostsee-Zeitung" diesmal täuschen und mißbrauchen lassen. Niemand kann das neue Militargesetz mit mehr Genugthuung begrüßen, als gerade die Gemeindevorstande, auf deren Schultern so lange Zeit die furchtbare Verantwortlichkeit lastete, eine bestimmte Zahl von Rekruten zu liefern und für die fehlenden einzustehen. Wir wollen nicht leugnen, daß die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht eine aufregende Wirkung in der Masse übt. Cs ist dies in allen Staaten der Fall, in welchen dieselbe eingeführt worden und wird. Diese Auflegung ist im ersten Stadium natürlich, geht aber vorüber. Bei uns in Rußland ist sie noch natürlicher, weil in dem Volke noch das Schreckbild des früheren russischen Militärdienstes lebt, der den größten Theil des Mannesalters in Anspruch nahm und nur wenige Individuen, und zwar im elendesten Zustande, in die Heimath wieder zurückkehren ließ. Wird sich das Volk erst überzeugt haben, daß dies ganz anders geworden, daß die Zahl der Dienstjahre beschränkt ist, die Mannschaft rechtzeitig wieder entlassen wird und der willkürlichen Behandlung Grenzen gesetzt worden, so wird dieses Schreckbild aus der Phantasie des Volkes weichen und die allgemeine Wehrpflicht als ein Segen, als eine großartige Gabe unseres Kaisers an seine Völker erkannt werden. Dies ist der einzige Grund der gedachten Auflegung auch in der jüdischen Bevölkerung, und geradezu lächerlich ist es, wenn ein betreffendes Blatt .in Königsberg die Ursache in der niederen Cultur und Bildung der jüdischen Maffe finden will. Die Cultur und Bildung der uns umgebenden christlichen Bevölkerung nach ihren verschiedenen Schichten steht auf derselben Stufe , ja nach mancher Richtung hin auf einer niedrigeren, und man kann wohl behaupten, daß es den polnischen Juden nicht an der Fähigkeit fehlt, bald zu erkennen, worin ihr wirklicher Vortheil liegt. Diese Erkenntniß wird dann auch hinsichtlich der allgemeinen Wehrpflicht nicht lange ausbleiben. Wir müffen übrigens entschieden leugnen, daß irgend eine bedeutende Zahl jüdischer Jünglinge sich der Wehrpflicht dadurch entziehe, daß sie über die Grenze zu kommen suche. Wir berufen uns geradezu auf die Erfahrung der benachbarten Provinzen besonders Deutschlands, ob sich mehr solcher junger Leute jetzt daselbst befinden und durchschlagen als früher? Mittheilungen, die wir von dort erhielten, besagen sogar das Gegentheil. Daß hier und da längst vagabondire Subjecte den Vorwand Vorbringen, ist erklärlich. Wir ersuchen aber unsere ausländischen Glaubensgenossen, dem keinen Glauben zu schenken, noch weniger ihnen Vorschub zu leisten. — Nur noch ein Wort. Wer erwägt, daß die jüdische Bevölkerung in Rußland von der Ausführung der allgemeinen Wehrpflicht die Gestaltung ihrer ganzen Zukunft zu erwarten hat,- und welche traurigen Folgen entstehen würden, wenn die Gemeinde und ihre Vorstände, anstatt sie zu fördern, ihr Schwierigkeiten zu bereiten suchen würden, kann die Insinuationen der „Ostsee-Zeitung" nur als unsinnig, betrachten, ausgestreut, um die Juden zu verdächtigen und jeder gerechten und günstigen Beurtheilung derselben, namentlich bei der russischen Staatsregierung entgegenzuwirken. I e u i ff e t o v. CuriosWen aus Gräh. Lassen Sie mich statt langer Erörterungen einige Neuigkeiten von dem Herrn Rabbiner Guttmacher erzählen, über dessen Thun ich sehr gut orientirt bin. Es gilt hier von einer Sache, die sich in den Mantel der Ehrwürdigkeit und der Autorität hüllt, den Heiligenschein wegzuziehen und das Lächerliche in dem Gebaren des Wundermannes zu zeigen, kisum teneatis!

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