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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-06-09 · Heft 24 (9.6.1874) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 24 (9.6.1874)
Date
1874-06-09
Page
Seite 408 (sequence 10)
Language
German
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40$ rügten Umstände gegenüber, daß unsere mehr als eine Million zahlenden Glaubensgenossen im österreichischen Staate es den Wiener Isräeliten überlasten, die ihnen allen' zu Gute kommenden Wohlthätigkeitsänstalten zu erhalten, kann für das Taubstümmen-Institut wenigstens ein Anfang der Besserung erwähnt werveni 21 Gemeinden tragen jährlich 521 fl. bei, so wie der utigärische israelitische Schulfond 6000 fl. und der mährische jüdische Landesmassafond 1700 fl. zahlen. Auch ist zu bemerken, vciß von zahlenden Zöglingen 10,367 fl. eingingen. So kann man für unsere Anstalt von financiellem Gesichtspunkte wie von den trefflichen Leistungen mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Aus Ungarn, 24. Mai. (Privatmitth.) Wenn die Rabbiner-Seminarfrage, nachdem sie so lebhaft discutirt worden, schon wieder einmal zu längerer Ruhe verurtheilt scheint, so glauben Sie nicht, daß in den besseren Geistern unserer hiesigen Glaubensgenossenschaft das Interesse dafür abgenommen hat. Wir wissen sehr wohl, welch ein Lebensmittelpunkt für unsere Zukunft eine solche Anstalt sein werde. Haben auch die für sie entworfenen Pläne nicht in allen Punkten Billigung gefunden, und fürchtet man, daß sie allzusehr der bloße Abklatsch einer anderen bestehenden Anstalt werden könnte: so vergißt man, daß die letztere eine Privatanstalt ist, während die unsrige eine öffentliche werden würde, also der Verbesserung viel zugänglicher. Der Minister v. Trefort hat den dem Abgeordnetenhause zugesagten Bericht noch nicht eingebracht. Run soll der Reichstag im Juni vertagt werden. Läuft also der Bericht nicht bald ein, so bleibt die Sache bis zum Herbste liegen. Dann können wieder viele drängende Angelegenheiten, die den ganzen Staat betreffen, dazwischen treten, und wer weiß, wie viele Chancen sich daraus entwickeln. Möchten also diejenigen, welche einigen Einfluß üben, darauf hinwirken, daß der Bericht noch rechtzeitig erbracht werde. Pest, 29. Mai. Neueste Nachrichten melden: In dieser Session werden nebst dem Mitteschullgesetze und der Wahlnovelle noch die Gesetze über die chirurgische Klinik und den israelitischen Schulfonds erledigt. Trefort wird den diesbezüglichen Bericht zu Beginn der nächsten Woche vorlegen. Der Bericht stellt sich entschieden auf die Seite der fortschrittsfreundlichen Israeliten, wird jedoch den Ansprüchen der Orthodoxen durch financielle Zugeständnisse an ihre Schulen gerecht- Aus Böhmen, im Mai. In der Israel. Gemeinde zu Mühlhausen bei Tabor spielen sich seit längerer Zeit schon eigenthümliche Szenen ab, über welche die „Prager Ztg." folgende nähere Details bringt: Im Schovße der Mühlhausener israel. Gemeinde brach vor etwa zwei Jahren gegen den Ortsrabbiner Herrn Wilhelm Rosenstrauch eine Fehde aus. Dem Rabbiner wurde ohne weiteres der Dienst gekündigt, was sich jedoch derselbe Nicht gefallen ließ, investi er für den Fäll seines Abtretens eine namhafte Abfertigung begehrte. Die Angelegenheit machte bei den Administrativbehörden den ganzen Jnstanzenzüg durch und wurde im vorigen Jahre eNvgiltig zu Gunsten des Herrn Rosenstrauch entschieden, der somit in seiner Stellung verblieb. Da kam seinen Glaubensgenossen der Gedanke, auf einfache Art des mißliebigen Rabbiners loszuwerden, ohne in weitere Conflicte zu gerathen. 17 von den 30, die mosaische Religionsgenoffenschaft bildenden Familien, darunter die einflußreichsten und vermögendsten, erklärten sich eines Tages für confessionslos, blieben aber pro 'domo dem Glauben ihrer Väter in allen Richtungen getreu, ließen an ihren neugeborenen Knäblein die gewisse charakteristische Operation in einer der nächstgelegenen Synagogen vornehmen, kamen zu ihren rituellen Andachtsübungen regelmäßig zusammen und mietheten auch eine Localität in der Stadt, welche sie als Betsaal benützten. Doch die k. k. Bezirkshauptmannschaft ließ dieses Bethaus als unstatthafte Winkelsynagoge schließen. Darob neuer Jammer in Israel. Vergebens blieben alle vom Taborer Kreisrabbiner eingeleiteten Ausgleichsverhandlungen, sie halten bei den hochgehenden Wogen der erregten Leidenschaften beider Parteien nur einen MoNstre-Ehrenbeleidigungsproceß zur Folge, der noch der Entscheidung vor Gericht harrt, und so blieb denn als ultima ratio die Idee einer Petition an das Abgeordnetenhaus übrig,, in welcher um Verwendung beim CultusmiNisterium gebeten werdest soll, auf daß die „Mühlhausener Confessionskosen" auf irgend eine billige Art zu einem anderen Rabbiner gelangen. Dem Vernehmen nach wird die Deputation, welche sich diesfalls nächstens nach Wien begeben soll, vom Kreisrabbiner geführt werden. Frankreich. Äersailles, 23. Mai. Den Verhandlungen der Natiostalverfamlung vom 21. v. Mts. entnehmen wir Folgendes : ' Auf der Tagesordnung stand die Berathung der Frage, ob der Antrag der Herren de Lavergste und Genossen, betreffend die Ernennung einer Commission von zwanzig Mitgliedern, welche über die Lage Algeriens eine nähere Untersuchung änzustellen hätte, in Betracht zu ziehen ist. Herr Lambert (von der Linken) erinnert daran, daß er mit seinen algerischen Cöllegen schon vor einem Jahre einen Antrag eingereicht hat, dem zufolge aN den in Algerien bestehendest Einrichtungen nichts mehr durch Decret geändert werden soll, und daß diesem Anträge vor demjenigen des Herrn de Lavergne der Vortritt gebührte. Er hält diesen für durchaus unzeitig NNb verlangt, daß er vertagt werde. Der Berichterstatter VaUdier weiß wenig zur Unterstützung des Antrags vorzubringen: es werde immerhin gut sein, ihn in Betracht zu ziehest, die Vertagung ergebe sich dann von selbst. Eine Enstüäte aber sei wünschenswerlh, seitdem Herr Crömieux als Gesetzgeber aufgetreten ist und durch seine 52.

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